Sehr geehrte Damen und Herren,
die Pickerecke ist schmaler als jede Norm: Zwei Autos können sich kaum begegnen, ein Gehweg fehlt, ein Radweg auch. Wer hier wohnt, muss die Fahrbahn zu Fuß nutzen – mit Kindern, Kinderwagen, Fahrrad. Genau dort wird regelmäßig überholt und gerast. Meine Frau wurde vom Außenspiegel eines überholenden Autos berührt. Wer die Straße betritt – als Fußgänger, Radfahrer oder Anlieger mit dem Auto –, muss ständig auf der Hut sein. Das ist eine Frage der Sicherheit, nicht der Bequemlichkeit.
Selbst wer der Fahrbahn ausweicht, kommt nicht aus dem Gefahrenbereich. Ich habe hier einen alten Mann mit dem Rollator auf dem Seitenstreifen gesehen – dem einzigen, den es hier gibt. Auch dort wurde er dicht überholt. Der Seitenstreifen besteht aus Schotter; weiter ging es für ihn nur noch in einer Staubwolke. Eine Straße, die Menschen mit Rollator in den Schotter drängt, hat ihre Aufgabe verloren.
Die Gefahr hat eine Geschichte. Seit die Bahn in den 1980er und 1990er Jahren Bahnübergänge ersatzlos strich und die Verwaltung die Anliegerregelung aufhob, ist aus der Anliegerstraße eine Schleichstrecke geworden. Offiziell ist die Pickerecke eine Gemeindeverbindungsstraße. Tatsächlich nutzen viele Fahrer sie als Abkürzung zwischen Stadthagen und Bückeburg – auf einer Straße, die dafür nie ausgelegt war. Erschwerend kommt hinzu: Die Straße verläuft parallel zur Bahnstrecke. Wenn Züge fahren, übertönen sie die Motorengeräusche. Wer auf das Gehör angewiesen ist, weil kein Gehweg existiert, verliert sein einziges Warnsignal. Sogar wer sich an Tempo 30 hält, wird angehupt und mit Gesten zum schnelleren Fahren gedrängt. Hier ist die Einhaltung der Regel zur Störung der anderen geworden.
Ich habe grundsätzlich nichts gegen die Durchfahrt. Aber angesichts der hohen Fahrzeugzahl ist die Straße für Fußgänger und Radfahrer kaum noch sicher zu benutzen – und Kinder sind hier in besonderem Maß gefährdet.
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Knickmeier, Seggebruch