In den Baumkronen vieler Regionen Deutschlands breiten sich derzeit vermehrt Misteln aus – auch in Rinteln ist diese Entwicklung deutlich sichtbar. Die heimische Pflanze gilt zwar als wertvolle Nahrungsquelle für Vögel, stellt für ihre Wirtsbäume jedoch eine zunehmende Belastung dar. Als sogenannter Halbschmarotzer entzieht die Mistel den Bäumen Wasser und Nährstoffe, was diese langfristig schwächen oder sogar absterben lassen kann. Besonders betroffen sind Laubbäume wie Pappeln, Linden und Apfelbäume.
Für die Stadt Rinteln bedeutet der zunehmende Befall einen wachsenden Pflegeaufwand. Um die Verkehrssicherheit und die Funktion der Bäume als Schattenspender zu gewährleisten, müssen abgestorbene Äste entfernt und in einigen Fällen auch Bäume gefällt und ersetzt werden. Umso wichtiger sei es, frühzeitig einzugreifen und Misteln fachgerecht aus den Kronen zu entfernen, heißt es aus der Verwaltung. Nur so lasse sich die weitere Verbreitung eindämmen, da Vögel die Samen über weite Strecken verbreiten.
Unterstützung erhält die Stadt durch Fördermittel: Über das Programm „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“ (KfW 444) wurden Gelder für Baumpflege, Rückschnittmaßnahmen und Nachpflanzungen bewilligt. Parallel dazu konnte die Obstwiesenland gGmbH Fördermittel für Maßnahmen auf privaten Flächen einwerben. Insgesamt stehen mehr als 100.000 Euro zur Verfügung, wobei der Eigenanteil der Stadt unter zehn Prozent liegt.
Ziel ist es, die Maßnahmen gebündelt in bestimmten Bereichen umzusetzen – unabhängig davon, ob es sich um städtische oder private Flächen handelt. Dadurch soll die Wirkung deutlich erhöht werden. Voraussetzung für Arbeiten auf privaten Grundstücken bleibt jedoch die Zustimmung der Eigentümer.
Ein Schwerpunkt liegt zunächst auf dem Gebiet rund um die Sassenbergschen Teiche an der Extertalstraße. Dort sind zahlreiche Bäume betroffen, unter anderem auf Flächen des Fischereivereins Grafschaft Schaumburg von 1908. Vorsitzender Lars Homeier sieht in dem Projekt klare Vorteile: „Für uns als Verein ist dieses Projekt ein absoluter Gewinn. Wir erhalten unsere ökologisch wertvollen Bäume an den Teichen, sichern die Nutzbarkeit der Wege für unsere Mitglieder – und das alles, ohne unsere Vereinskasse belasten zu müssen.“ Auch im Rathaus wird die Zusammenarbeit positiv bewertet.
Solche Kooperationen sind besonders wirksam, denn gemeinsam kann man deutlich mehr erreichen – jetzt auch auf privaten Flächen.
Langfristig ist geplant, das Vorgehen auf weitere Bereiche im Stadtgebiet auszuweiten. Bürgerinnen und Bürger, die Misteln an ihren eigenen Bäumen feststellen, können sich bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Schaumburg oder bei der Obstwiesenland gGmbH beraten lassen. Frühzeitige Pflegemaßnahmen gelten als entscheidend, um größere Schäden zu verhindern.