Die Weser bei Rinteln muss sich auf extreme Bedingungen einstellen: Kaum sind die Auswirkungen des Hochwassers behoben, droht dem Fluss nun das gegenteilige Extrem – ein historisches Niedrigwasser. Aktuell liegt der Pegel bei Rinteln noch bei knapp 140 Zentimetern (Stand bei Redaktionsschluss), doch die kommenden Tage werden den Fluss mit hoher Wahrscheinlichkeit dramatisch schrumpfen lassen.
Nach Angaben der aktuellen Wasserstandvorhersage des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Weser wird die Weser ab diesem Wochenende regelrecht „abrauschen“. Innerhalb von nur 48 Stunden soll der Wasserstand rasant sinken – von zunächst 130 auf unter 80 Zentimeter bereits am Samstag. Ab Sonntag kalkulierte das WSA sogar Werte von nur noch 50 Zentimetern. Zur Verdeutlichung: Das wäre ein gerade einmal kniehohes Rinnsal. Die Tendenz steht aber weiter fallend auf bis zu 45 Zentimeter im Verlauf der letzten Juli-Woche.

Damit könnte schon in Kürze ein Negativrekord fallen, der seit über 120 Jahren Bestand hat: Der bislang tiefste gemessene Wasserstand in Rinteln von 52 Zentimetern stammt vom 1. März 1903. Experten halten es für möglich, dass dieser Wert in der kommenden Woche unterschritten wird.

Hameln: Noch dramatischere Prognose

Flussaufwärts in Hameln-Wehrbergen sieht die Lage ähnlich aus – dort sagen die Behörden sogar Werte unter 40 Zentimeter voraus, mit einem möglichen Tiefstand von nur noch 25 Zentimetern. Der bisherige Rekord von 49 Zentimetern (gemessen 1991 und 2020) wäre damit ebenfalls Geschichte. Seit Jahren muss die Weser mit solchen Extremen leben: Nach dem Hochwasser kommt das Niedrigwasser; ein Zyklus, der sich in den letzten Jahren immer häufiger wiederholt.

Schifffahrt eingestellt, Ökologie in Gefahr

Die Folgen sind gravierend: An Güter- oder Fahrgastschifffahrt ist bei Niedrigwasser nicht mehr zu denken. Auch die Fischfauna leidet unter den extremen Bedingungen. Durch die geringe Wassermenge steigt die Wassertemperatur, der Sauerstoffgehalt sinkt, und viele Fischarten verlieren ihre Rückzugsmöglichkeiten.

Eine Ursache: Edertalsperre drosselt Abgabe

Verantwortlich für die aktuelle Entwicklung ist eine reduzierte Wasserabgabe aus der Edertalsperre in Hessen. Das WSA hat die Abgabemenge zwischenzeitlich auf die Mindestmenge von 6 m³/s gedrosselt, was den Pegel weiter sinken lässt. Zwar gab es in den vergangenen Tagen eine leichte Erholung, bei der der Pegel wieder anstieg. Doch von einer Entspannung ist noch lange nicht zu sprechen.