Für viele Menschen im Auetal hat dieser Termin enorme Bedeutung: Im Januar 2026 soll der Penny-Markt in Rehren abgerissen werden. Für neun Monate verschwindet damit der einzige Lebensmittelmarkt der gesamten Gemeinde, eine Lücke, die gerade ältere oder nicht mobile Menschen hart treffen wird. Verwaltung und Politik wollen am Montag zusammenkommen, in der Hoffnung, dass sich dann endlich eine tragfähige Zwischenlösung abzeichnet.
Der Neubau ist lange vorbereitet, die Pläne liegen auf dem Tisch. Auf rund 1.000 Quadratmetern Verkaufsfläche soll ein moderner Markt entstehen, ergänzt durch eine etwa 130 Quadratmeter große Bäckerei mit angeschlossenem Café. Penny setzt dabei auf sein neues Markthallen-Konzept mit mehr Platz, mehr Sortiment, mehr Aufenthaltsqualität. Das klingt alles gut, doch das braucht auch Zeit. Bis zum Weihnachtsgeschäft 2026 soll der Markt wieder öffnen.
Doch was passiert bis dahin?
Penny sucht seit Monaten nach einer Interimsfläche, um die Versorgung aufrechtzuerhalten, bisher ohne Erfolg. Es sollte barrierefrei, mit Parkplätzen und möglichst zentral in Rehren sein. Eine frühere Idee, eine Halle im Gewerbegebiet „Niedere Heide“ zu nutzen, scheiterte an hohen Mietkosten und anhaltenden Verzögerungen. Die Halle ist inzwischen verkauft und wird anderweitig genutzt.
In der Diskussion steht nun erneut das Gewerbegebiet. Dort gibt es ein 3.700 Quadratmeter großes Grundstück das als Provisorium für den Penny-Verkauf in Form einer Containerlösung oder einer einfachen Halle angeboten wurde. Ob dies wirtschaftlich darstellbar ist, ist offen.
Parallel prüft Penny einen Busshuttle nach Hessisch Oldendorf, wo der Discounter einen Markt an der Welseder Straße betreibt. Für Kunden wäre das aber ein großer Zeitaufwand und sicher nicht wirklich komfortabel.
Angebote liegen vor, Details sollen rechtzeitig bekannt gegeben werden. Für Bürgermeister Jörn Lohmann steht fest: „Eine Lösung muss her, besonders für diejenigen, die nicht mobil sind.“
Dass der Druck groß ist, zeigen die Reaktionen der Leserinnen und Leser im Rahmen des Heimatchecks des Schaumburger Wochenblatts. Es gab zahlreiche Kommentare und Hinweise um die Versorgungslage im Auetal. Diese, so heißt es in einer der Leser-meinungen, „beschränkt sich schon jetzt auf ein Minimum – ein Ausfall von neun Monaten trifft viele empfindlich”. Eine Leserstimme bringt es auf den Punkt: „Hier im Auetal nur ein Penny, der macht, was er will. Demnächst kein Markt für 1,5 Jahre – ältere ohne Führerschein sind total aufgeschmissen.“ (Anmerkung der Redaktion: Die Phase ohne Penny soll offiziell nur ein halbes Jahr und nicht eineinhalb Jahre sein). „Auf den ersten Blick wirkt der Ort ruhig, eingebettet zwischen Waldhängen und Feldern”, so ein Kommentator. „Doch hinter dieser Fassade wächst die Sorge. Ältere Menschen ohne Führerschein fragen sich, wie sie künftig an Lebensmittel kommen sollen. Busse fahren selten, Verbindungen brechen mitten am Nachmittag ab. Wer nicht mobil ist, bleibt zurück.” Doch die Kritik reicht weit über den Lebensmittelhandel hinaus. Die Diskussionen offenbaren ein Gefühl des Abgehängtseins. „Der Ort ist fast tot, hier passiert so gut wie nichts mehr. Kein Vergleich zu 1995, als wir hier ein Haus gekauft haben“, schreibt ein anderer Kommentator. Busverbindungen seien dünn, Restaurants rar, Kultur kaum vorhanden. Diese Infrastrukturprobleme sorgen für Frust.
Im Rahmen von Ausschuss- und Ratssitzungen am Montag, 15. Dezember, ab 18 Uhr in der Grundschule, wird es neben dem Thema Nahversorgung auch um den Rückzug der bauwo gehen. Die bauwo hatte zunächst ein Logistikzentrum im neu geplanten Gewerbegebiet „Niedere Heide II“ geplant, dann aber in dieser Woche die Pläne wieder abgesagt und Rehren den Rücken zugekehrt.
Selbstbedienungsladen öffnet
In Kathrinhagen im Auetal eröffnet noch vor Weihnachten der erste Selbstbedienungsladen für Lebensmittel in der Region. Die „Land-Box“ ist automatisierter Laden auf rund 100 Quadratmeter Fläche, der täglich von 5 bis 24 Uhr geöffnet sein soll. Der Einkauf erfolgt über EC-Karte mit automatischer Abrechnung, Bargeld wird nicht angenommen. Angeboten werden unter anderem Tiefkühl- und Frischwaren, Grundnahrungsmittel, Hygieneartikel sowie Getränke. Das Projekt soll die Nahversorgung im Auetal verbessern und startet zunächst als einjähriges Pilotvorhaben.