Über kaum ein anderes Land wird so viel gemutmaßt wie über Nordkorea. Der abgeschottete Staat erscheint nach außen als streng reguliertes System, in dem Öffentlichkeit und Privatheit kaum voneinander zu trennen sind. Bewegung, Kommunikation und Wahrnehmung folgen festen Vorgaben – unabhängige Einblicke bleiben seltene Ausnahmen. Was sichtbar wird, ist stets Ergebnis bewusster Steuerung.
Umso irritierender ist die Existenz einer umfangreichen, institutionell geförderten Kunstproduktion. Kunst ist in Nordkorea kein Gegenpol zur Macht, sondern ihr Instrument: Jedes Bild, jede Illustration, jede grafische Geste wird geprüft, normiert und ideologisch aufgeladen. Der individuelle Ausdruck tritt zurück zugunsten einer kollektiven Bildsprache, die Ordnung, Fortschritt und Harmonie behauptet. Und doch entsteht gerade in dieser strengen Form eine eigentümliche Spannung – zwischen gestalterischer Präzision und politischer Zweckbindung, zwischen Ästhetik und Kontrolle.
Dieser Ambivalenz widmet sich der Vortrag mit Ausstellung „Alltag in Nord-Korea“ von Martin Fößleitner (Informationsdesigner, Wien). Anhand ausgewählter Illustrationen und Grafiken aus Nordkorea – überwiegend aus den 1950er-Jahren bis in die Gegenwart – eröffnet er Einblicke in eine visuelle Kultur, die den Alltag idealisiert und zugleich ideologisch formt. Die gezeigten Arbeiten stammen aus der Sammlung des Landschaftsarchitekten und Dokumentarfilmers Nicholas Bonner.
Der Abend lädt dazu ein, vertraute Vorstellungen von Kunst, Autorschaft und Freiheit zu hinterfragen – und die Frage neu zu stellen, was Bilder erzählen, wenn sie nicht widersprechen dürfen.
Die Veranstaltung findet am Freitag, dem 27. Februar im „Buch zum Wein“, Am Bückeberg 4 statt (19.30 Uhr bis 21.30 Uhr). Der Eintritt kostet 8 Euro, Anmeldung: info@buchzumwein.de oder 05721/924249.
Foto: Daniel George/Nicolas Bonner