Schaumburger Wochenblatt
  1. Sensibilisieren

    Drei Millionen Kinder von Eltern mit Suchterkrankung

    Dieser Eintrag wird bereitsgestellt durch Schaumburger Wochenblatt | Impressum

    LANDKREIS (cs). Im Rahmen der Aktionswoche für Kinder aus suchtkranken Familien hat auch die Fachstelle für Suchtberatung und -prävention des Diakonischen Werkes auf die Problematik hingewiesen. "Das ist zwar seit 1980 schon mehr im Blickfeld, aber noch nicht so sehr, dass sich damit auch in hohen Positionen befasst wird. Der Fokus lag immer auf den Süchtigen", erklärt Sabine Simon. Doch wachsen laut der National Association for Children of Alcoholics (NACOA) etwa drei Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland in einem Haushalt mit suchtkranken Eltern auf. "Dadurch ist die Identitätsbildung gestört, weil kein Austausch mit Erwachsenen stattfindet. Zudem merken die Kinder, dass sie nicht die Nummer eins sind. Die Drogen sind es", erläutert Simon. Dies schlägt sich in einem erhöhten Risiko für psychische Erkrankungen und eigene Suchtentwicklung nieder. "Man sagt, nur etwa ein Drittel der betroffenen Kinder ist okay", unterstreicht sie. Gerade die Corona-Einschränkungen nehmen den Heranwachsenden zudem Möglichkeiten zur zumindest zeitweisen Flucht aus dem Elternhaus und befördern darüber hinaus nicht selten die Suchterkrankung der Eltern. Die meisten leiden an Alkoholabhängigkeit. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) beziffert die Zahl der Alkoholiker mit bundesweit 1,77 Millionen. Hinzu kommen 1,5 bis 1,9 Millionen Medikamentenabhängige. Rund 319.000 Menschen sind hingegen von sogenannten illegalen Drogen abhängig. Mit 314.211 Behandlungsfällen wurde im Jahr 2017 die Diagnose "Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol (F 10)" zur zweithäufigsten Hauptdiagnose in Krankenhäusern. Nicht gezählt würden dagegen Kinder von Nikotinabhängigen. Zum Einen habe Nikotin immer schon eine Sonderstellung in der Gesellschaft gehabt, zum Anderen löst Nikotin keinen Rausch aus, welcher bei anderen Drogen ausschlaggebend für die Vernachlässigung der Sprösslinge ist. Ein Angebot für die Kinder von Suchtkranken betreibt die Fachstelle zurzeit nicht. Eine Kooperation mit einer anderen Initiative war angedacht, wurde jedoch wegen finanziellen Schwierigkeiten nicht umgesetzt. Die Berater bleiben jedoch für weitere Kooperations-Angebote offen. Selbst wollen sie allerdings keine Beratung für die Heranwachsenden anbieten. "Wenn Kinder sich Hilfe holen wollen, gehen sie nicht dahin, wo ihre Eltern sind", erklärt Suchtberater Sven Hopmeier.

  2. Kommentare

    Bitte melden Sie sich an