Die Bahn wirbt mit dem Slogan „Die Bahn kommt“. Doch für Pendler im Landkreis Schaumburg galt in den vergangenen Wochen eher: Die Bahn kommt nicht. Wegen umfangreicher Baumaßnahmen war die Strecke zwischen Hannover und Minden und damit auch die Verbindung über Stadthagen, Bückeburg und Lindhorst – zeitweise komplett gesperrt.
Ersatzverkehr mit Bussen sorgt für Frust
Statt Regional-Express (RE) und S-Bahn rollte in dieser Zeit vor allem der Schienenersatzverkehr auf der Straße. Für viele Berufspendler bedeutete das deutlich längere Fahrzeiten und zusätzliche Unwägbarkeiten. Eine Fahrt von Bückeburg nach Stadthagen, die auf der Schiene normalerweise sechs Minuten mit dem RE oder acht Minuten mit der S-Bahn dauert, zog sich im Ersatzverkehr auf geplante 25 bis 49 Minuten, sofern die Busse im dichten Straßenverkehr überhaupt zügig vorankamen.
Mehrere Pendler schilderten dem Schaumburger Wochenblatt zudem Probleme, die über die reine Zeitfrage hinausgingen. So seien einige Busfahrer mit der Strecke nicht vertraut gewesen, hätten falsche Haltestellen angefahren oder den eigentlichen Bahnhof als Start- und Endpunkt nicht gefunden. Aus Sicht der Betroffenen war die Vorbereitung der Fahrer auf den Ersatzverkehr unzureichend.
Bauphasen und aktuelle Lage
Die Deutsche Bahn hatte die Arbeiten in zwei Abschnitten geplant: vom 7. bis 20. August sowie erneut vom 30. August bis 1. September. Der erste Abschnitt wurde inzwischen offiziell abgeschlossen – allerdings nicht ohne massive Probleme beim Ersatzverkehr und bei der Kommunikation mit den Fahrgästen. Auf Nachfrage des Schaumburger Wochenblatts, ob die Züge und S-Bahnen in dieser Woche wieder wie geplant fahren würden, hieß es zunächst, man gehe davon aus, könne aber noch nichts Verbindliches sagen.
Uns half da nur, selbst den Blick auf die Bahnhöfe zu werfen. Am Morgen des 20. August rollte der RE- und S-Bahn-Verkehr in Bückeburg und Stadthagen zunächst wieder ohne Einschränkungen. Die nächsten Baumaßnahmen sind ab dem kommenden Wochenende geplant. Sie sollen – wenn alles planmäßig läuft – nur drei Tage dauern, wobei lediglich zwei Werktage betroffen sind.
Fahrzeugmangel verschärft die Lage
Die Probleme für Pendler enden damit jedoch nicht. Die S-Bahn Hannover setzt wegen akuten Fahrzeugmangels seit einigen Tagen auf nahezu allen Linien kürzere Züge ein und bittet Fahrgäste, auf nicht notwendige Fahrten zu verzichten. Die Situation stößt auf scharfe Kritik: Sowohl CDU als auch SPD fordern bereits Konsequenzen von Betreiber Transdev sowie von der Region Hannover.
Was wird gebaut – und warum?
Hinter den Sperrungen stehen laut Deutscher Bahn notwendige Modernisierungsarbeiten. Dazu zählen unter anderem die Erneuerung einer Eisenbahnbrücke im Bereich Kirchhorsten, Kabelarbeiten für das elektronische Stellwerk in Stadthagen, der Austausch von Weichen in Lindhorst und Kirchhorsten sowie die Erneuerung von rund 3,5 Kilometern Schienen. Für diese Arbeiten sei eine Vollsperrung der Strecke erforderlich.
Damit der Bahnverkehr in Niedersachsen auch in Zukunft zuverlässig läuft, wird die Eisenbahninfrastruktur an vielen Orten modernisiert. Dazu gehört auch die Strecke Hannover – Minden (Westf). An mehreren Stationen im Landkreis Schaumburg erneuern wir die Stellwerkstechnik. Damit machen wir diese Strecke fit für die Zukunft.
Für die Pendler im Schaumburger Land bleibt derweil die Hoffnung, dass die angekündigten Verbesserungen bald spürbar werden – und dass die nächsten Bauphasen reibungsloser verlaufen als die erste.