Sonnenschein, spritzendes Wasser und eine eiskalte Abkühlung an heißen Sommertagen – das Verlangen nach purem Badespaß hat in Rinteln eine lange und farbenfrohe Tradition. Bevor moderne Rutschen und beheizte Becken das Sommervergnügen bestimmten, wagten die Rintelner bereits ab etwa 1870 den Sprung ins Abenteuer noch direkt in der Weser, teils zusammen mit Forellen oder Schlingpflanzen. Eine Reise durch die Geschichte der Rintelner Bäder zeigt: Der Drang ins erfrischende Nass war schon immer unhaltbar – selbst wenn das Wasser damals kaum wärmer als 15 Grad wurde.
Schon früh zog es die Menschen an und in das Wasser. Was einst als einfache Schwimmanstalt für Gymnasiasten oder als private Einrichtung für gut betuchte Familien begann, entwickelte sich rasch zu einer echten Erfolgsgeschichte für die breite Öffentlichkeit. Rintelns erste öffentliche Badeanstalt war dabei noch direkt in den Weserstrom gebaut: Ein 40 Meter langer Bau trieb im Fluss und bot Platz für die ersten mutigen Schwimmer. Obwohl manch besorgte Stimme klagte, dass sich so etwas für „anständige Damen“ kaum gehöre, ließ sich die Bevölkerung die Freude am Nass nicht nehmen. Das Freibad wurde ein voller Erfolg und lockte Scharen von Besuchern an – sehr zum Vergnügen vieler Schaulustiger, die von der Weserbrücke aus einen freizügigen Blick auf die Badenden erhaschen konnten.
Bademeister Vater Rohde wachte
Über das muntere Treiben wachte jahrzehntelang der legendäre Bademeister „Vater Rohde“. Selbst als ein Schiff und eine schwere Überschwemmung das Flussbad zerstörten und den Bademeister kurzzeitig voller Frust nach Südamerika trieben, blieb die Leidenschaft der Rintelner ungebrochen. Kurzerhand zog das Bad fest ans Ufer um. Das neu gebaute Landbecken bot nun sicheren Badespaß mit freier Sicht auf den Fluss – auch wenn Männlein und Weiblein anfangs noch streng getrennt ihre Bahnen ziehen mussten.
Freibad-Boom in den Ortsteilen
Als Rintelns Ortsteile wie Steinbergen als Luftkurorte immer beliebter wurden, brach ein wahrer Freibad-Boom in der Region aus. Überall entstanden neue Oasen für Wasserratten. In Deckbergen sprang man mutig in ein Waldbad, dessen eiskaltes Quellwasser nur durch die Kraft der Sonne ein klein wenig vorgewärmt werden konnte. In Steinbergen schätzte man das kühle Nass inklusive Sprungturm, während man sich die Bahnen gelegentlich mit einer verirrten Forelle aus den nahen Fischteichen teilte. Besonders abenteuerlich ging es im Klosterdorf Möllenbeck zu: Hier schwamm man in einem Becken ohne festen Boden mitten zwischen natürlichen Wassertieren und Schlingpflanzen. Auch das Freibad am Bögerhof in Krankenhagen entwickelte sich zum Publikumsmagneten. Mit Kiosk, gemütlicher Liegewiese und Paddelbooten überwanden die Gäste selbst die eisigen Wassertemperaturen von selten mehr als 15 Grad mit Leichtigkeit.
Die Ansprüche steigen
Mit den Jahrzehnten stiegen jedoch die Ansprüche an Komfort und Wassertemperaturen. Die historischen Badeseen und ungeheizten Quellbecken wichen nach und nach modernen Standards. Schließlich blieb das traditionsreiche Weserangerbad als zentraler Anlaufpunkt erhalten. Mit einer echten Heizung ausgestattet und umfassend modernisiert. Der große Umbau ist jedoch auch schon wieder mehr als 25 Jahre her und das frühere klassische 50-Meter-Becken musste einem neue Konzept mit 25 Meter Bahnen weichen. Aus dem alten Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken entstand ein modernes Familien- und Freizeitbad mit Strömungskanal, Abenteuer- und Schwimmerbecken sowie einem Wasserspielgarten. Und ab 2004 auch mit einer zusätzlichen Breitwasserrutsche aus Edelstahl.