Nicht zum ersten Mal wurden die Treppen vor dem Bad Nenndorfer Kurhaus für Passanten zur Stolperfalle. Ein erneuter Sturz ereignete sich am Donnerstag, 23. Juli, als ein Gast das Kurhaus verließ und die Esplanade begehen wollte. Der Mann stürzte und verletzte sich schwer.
Aus dem Kreis der weiteren Passanten wurde umgehend der Rettungsdienst benachrichtigt. Doch zur großen Verwunderung der Zeugen traf das Rettungsfahrzeug erst rund 40 Minuten später ein.
Viel zu spät, wie nicht nur Bernd Mueller aus Sachsenhagen in seinem Leserbrief an das Schaumburger Wochenblatt beklagt (veröffentlicht am 8. August 2026; Anm. d. Red.).
„Offenbar wurde kein anderer Retter oder Ersthelfer von der Leitstelle entsendet, um hier in der Zwischenzeit zu helfen“, schreibt Mueller im Leserbrief. Damit stellt er indirekt die Frage, ob nicht auch die Sanitäter vom Einsatzbereich der Landesgartenschau (LaGa) hätten zur Hilfe eilen können. Denn der Unfallort lag nur wenige Meter vom Eingang zur Landesgartenschau am Haus Kassel entfernt.
Bei entsprechenden Recherchen erreichte der Autor einen Ehrenamtlichen im Büro der LaGa, der unmissverständlich zum Ausdruck brachte, dass er keine Telefonnummer zum Team der Ersthelfer auf dem LaGa-Gelände habe und somit auch nicht weitervermitteln könne.
Nach Informationen dieser Zeitung soll am Unfalltag das Sanitätsteam gar nicht auf dem LaGa-Gelände im Einsatz gewesen sein. Überprüfen konnte der Autor dies aus genannten Gründen nicht.
Der zuständige Leiter der Integrierten Regionalleitstelle Schaumburg/Nienburg Thomas Reiter war am Unfalltag im Urlaub. Nach seiner Rückkehr wollte er die Frage nach der zu langen Wartezeit klären, indem er anhand der Daten zum Unfalltag Einsicht in das Einsatzbuch nahm.
Die Antwort ließ zunächst auf sich warten und wurde schließlich nicht von ihm, sondern von Charlotte Bachmaier vom Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landkreises Schaumburg übermittelt.
Darin teilte sie mit, dass der Einsatz am 23. Juli 2026 in der Hauptstraße Bad Nenndorf tatsächlich ermittelt werden konnte. Und weiter: „Hier wurde um 11.55 Uhr ein Notfallkrankenwagen zu einer gestürzten Person in die Hauptstraße in Bad Nenndorf alarmiert. Aufgrund der strukturierten Notrufabfrage und der diagnostizierten Kopfplatzwunde ohne neurologische Ausfälle stellte dieser Einsatz keine lebensbedrohliche Verletzung dar, sodass auf den Einsatz von Sonder- und Wegerechten verzichtet wurde. Der Notfallkrankenwagen traf um 12.15 Uhr, 20 Minuten nach Alarmierung, an der Einsatzstelle ein.“
Die parallel eingeleitete Information des Sicherheitsdienstes der LaGa, der sich aufgrund der örtlichen Nähe angeboten hatte, sei nicht erfolgreich gewesen.
Bachmaier: „Im Rettungsdienst setzen wir mittlerweile neben den klassischen Rettungswagen auf Notfallkrankenwagen für niederschwellige Notfälle. Rettungswagen mit Notfallsanitätern werden immer dann eingesetzt, wenn an der Einsatzstelle Maßnahmen und das Handeln eines Notfallsanitäters zu erwarten sind. Notfallkrankenwagen werden dann eingesetzt, wenn der Transport eines Patienten im Vordergrund steht und die Fähigkeiten bzw. die Kompetenz eines Notfallsanitäters nicht erforderlich sind. Für Rettungswagen gilt eine maximale Anfahrtszeit von 15 Minuten, für Notfallkrankenwagen sollen 30 Minuten nicht überschritten werden. Die Einführung solcher Rettungsmittelstrategien folgt den Empfehlungen des Landesausschusses Rettungsdienst zum gezielteren Einsatz von Ressourcen beziehungsweise zur Effizienzsteigerung im Rettungsdienst.“
Die Antwort schließt mit dem Zusatz: „Dass die beteiligten Personen die ‚Wartezeit‘ von 20 Minuten auf den Rettungsdienst als viel länger empfunden haben, ist aufgrund der Aufregung und Erwartungshaltung nachvollziehbar.“