Leserbrief | Schaumburger Wochenblatt

Leserbrief

Das geplante Bauvorhaben im Stadtkern wirft aus meiner Sicht eine Reihe berechtigter Fragen auf, die bislang nicht überzeugend beantwortet wurden.

Zunächst fällt auf, dass für die vorgesehenen Wohnungen lediglich rund sieben Parkplätze eingeplant sind. Bereits bei einem normalen Mehrfamilienhaus wird eine deutlich höhere Zahl an Stellplätzen als notwendig erachtet. Warum wird hier von dieser Praxis abgewichen? Es ist absehbar, dass dies zu zusätzlichen Belastungen für die ohnehin angespannte Parksituation im Umfeld führen wird.

Hinzu kommt die Lage des Baukörpers mitten im 100-jährlichen Hochwasserbereich. Auch in der Raumordnungsplanung wird dieser Bereich entsprechend bewertet. Vor diesem Hintergrund stellt sich ernsthaft die Frage, wie verantwortungsvoll hier geplant wird und welche Auswirkungen dies nicht nur für das Projekt selbst, sondern auch für angrenzende Wohngebäude hat.

Ebenso kritisch zu sehen ist die architektonische Gestaltung. Der geplante Baukörper wirkt wie ein massiver „Klotz“ im Herzen der Stadt. Gerade im sensiblen Umfeld von Rathaus und Volksbank wäre eine angepasste, städtebaulich verträgliche Architektur erforderlich gewesen. Stattdessen entsteht der Eindruck eines Bauwerks, das sich weder einfügt noch als positives, stadtbildprägendes Element wahrgenommen werden kann.

Natürlich sind in Parteien und politischen Gruppen viele Gedanken ausgetauscht worden – jedoch weitgehend abseits der Öffentlichkeit. Die Bürgerinnen und Bürger hingegen müssen am Ende mit den Ergebnissen leben. Politische Verantwortung bedeutet mehr, als lediglich Flächen zu versiegeln und Bauprojekte umzusetzen. Sie umfasst auch Transparenz, Beteiligung und die Pflicht, nachhaltige und städtebaulich sinnvolle Entscheidungen zu treffen.

Unverständlich ist zudem, dass offenbar kaum ernsthaft Alternativen geprüft wurden. So wäre etwa am ehemaligen Standort des Hotels Stockholm ausreichend Fläche vorhanden, ebenso wie im ausgewiesenen Gewerbegebiet. Stattdessen wird an einem sensiblen Punkt der Innenstadt gebaut, ohne die langfristigen Folgen ausreichend zu berücksichtigen.

Dabei gäbe es konstruktive Ansätze für eine positive Entwicklung: Die Weiterführung des Brugwall im Bereich der „Grünen Zunge“ bis hin zum Amtsplatz könnte einen echten städtebaulichen Mehrwert schaffen. Eine solche Perspektive sollte nicht vorschnell verworfen werden.

Insgesamt entsteht der Eindruck, dass hier eine Fläche bebaut werden soll, ohne die notwendigen städtebaulichen, ökologischen und verkehrlichen Aspekte ausreichend zu durchdenken. Eine solche Entwicklung sollte nicht im Interesse unserer Stadt sein.
Hans-Dieter Brand, Rodenberg

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