Mit gezieltem Strom-Stoß Leben retten | Schaumburger Wochenblatt

Mit gezieltem Strom-Stoß Leben retten

Dr. Stefan Kommerein weist daraufhin, dass bei einem Kreislaufstillstand Zeit ein entscheidender Faktor ist.  (Foto: privat)
Dr. Stefan Kommerein weist daraufhin, dass bei einem Kreislaufstillstand Zeit ein entscheidender Faktor ist. (Foto: privat)
Dr. Stefan Kommerein weist daraufhin, dass bei einem Kreislaufstillstand Zeit ein entscheidender Faktor ist. (Foto: privat)
Dr. Stefan Kommerein weist daraufhin, dass bei einem Kreislaufstillstand Zeit ein entscheidender Faktor ist. (Foto: privat)
Dr. Stefan Kommerein weist daraufhin, dass bei einem Kreislaufstillstand Zeit ein entscheidender Faktor ist. (Foto: privat)

„Automatisierte Externe Defibrillatoren“ (AED) versetzen auch medizinische Laien in die Lage, bei lebensbedrohlichen Herzrhythmus-Störungen mit Stromstößen zu unterstützen. Zudem geben die pfiffigen Geräte den Ersthelfern Anweisungen für alle Schritte der Herz-Lungen-Wiederbelebung.

Jede Minute zählt

Ganz entscheidend sei in Fällen von Herzrhythmusstörungen oder Herzstillständen die Zeit, bis die betroffene Person Unterstützung erhält, wie Dr. Stefan Kommerein, Arzt mit langjähriger Erfahrung im Rettungswesen, erklärte. Die Faustformel lautet: Je schneller der Patient wirksame Hilfe bekommt, desto größer ist seine Überlebenschance und desto geringer sind mögliche Folgeschäden. „Es zählt jede Minute“, so Stefan Kommerein. Entsprechend gilt der Appell, in solchen Notfällen seine Unsicherheiten zu überwinden und Unterstützung zu leisten.

Wichtiges Hilfsmittel

Ein großer Vorteil der AED, verkürzend Defibrillator genannt, sei es, dass „auch Laien nahezu nichts falsch machen können“, wie Stefan Kommerein ausführte. Wobei die Geräte ein ergänzendes Element bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung sind, kein Ersatz.
Was also ist zu tun, um eine Person zu retten, bei der der Atem ausgesetzt ist? Das Vorgehen entspricht grundsätzlich den Erste-Hilfe-Regeln, wird jedoch durch den Defibrillator als wichtiges Hilfsmittel ergänzt.
Wird bei der betroffenen Person eine Bewusstlosigkeit festgestellt, gilt es, die Atmung zu überprüfen. Sehr wichtig sei es als Ersthelfer, zuvor daran zu denken, sich möglichst Unterstützung zu sichern, so Stefan Kommerein. Er sollte also um Hilfe rufen und eventuell Umstehende zu bitten, mitzuwirken. Anschließend gilt es, die Atmung zu prüfen. Der Hals des Betroffenen wird überstreckt, indem sein Kopf in den Nacken gelegt sowie der Mund leicht geöffnet wird. So sollen die Atemwege freiwerden. Hebt und senkt sich der Brustkorb der betroffenen Person? Sind Atemgeräusche zu hören oder ist ein Luftstrom des Bewusstlosen zu spüren? Die Kontrolle soll höchstens zehn Sekunden dauern. Ist keine normale Atmung feststellbar, ist von einem Kreislaufstillstand auszugehen. In diesem Fall muss mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung gestartet werden.

Gerät gibt genaue Anweisungen

Nun muss zunächst über die Notrufnummer 112 der Rettungsdienst informiert werden. Spätestens jetzt zeigt sich, wie wichtig es ist, weitere Helfer hinzuzuholen. Diese können den Notruf absetzen, wenn sie es nicht schon getan haben, während sich der erste Helfer weiterhin um den Betroffenen kümmert. Zudem können sie den Defibrillator holen, falls sich einer in der Nähe befindet. Der Defibrillator wird eingeschaltet und gibt dann selbstständig Sprach-Anweisungen, wie weiter zu verfahren ist. So befestigen die Helfer die Elektroden an der betroffenen Person. Der Defibrillator analysiert selbständig den Zustand des Bewusstlosen. Nur wenn nötig und in der notwendigen Stärke gibt er einen Stromstoß ab.

Lebensrettender Stromstoß

Häufig liege dem Kreislaufzusammenbruch ein sogenanntes Kammerflimmern zu Grunde, wie Stefan Kommerein erklärte. Während das Herz im Normalzustand bei Erwachsenen 60- bis 80-mal schlage und das Blut so wirkungsvoll in alle Bereiche des Körpers verteile, bewege es sich in diesem Falle unkoordiniert in weit höherem Takt. Die Folge: Der Schlag ist weit weniger kraftvoll, der gesamte Körper und auch das Gehirn werden nur noch eingeschränkt von Blut durchflossen. Entsprechend ist auch die Versorgung mit Sauerstoff unzureichend. Der Strom-Schock des AED bietet die Chance, das Herz wieder in den ursprünglichen Rhythmus zu bringen.

Herz-Lungen-Wiederbelebung

Nach dem verabreichten Impuls weist das Gerät die Helfer genau an, wie die Herz-Lungen-Wiederbelebung zu erfolgen hat. Beginnt der Betroffene wieder normal zu atmen, kann diese beendet werden. Ansonsten werden die Herzdruckmassagen und Atemspenden im Wechsel so lange fortgeführt, bis der Rettungsdienst vor Ort ist und übernimmt. Die Systeme „First Responder“ und „Katretter“ dienen dazu, geschulte Ersthelfer möglichst schnell zum Notfallort zu bringen. Auch dies vor dem Hintergrund, dass in einem solchen Notfall jede Minute zählt. Es kann also sein, dass vor dem Rettungsdienst schon über „First Responder“ oder „Katretter“ alarmierte Helfer kommen und bei der Versorgung des Betroffenen helfen.
Defibrillatoren werden oft an öffentlich zugänglichen Standorten, wie Behörden-Gebäuden oder Sportstätten installiert. Allerdings sind sie nicht flächendeckend vorhanden. Ist keines greifbar gilt es bei nicht vorhandener Atmung umgehend die Herz-Lungen-Wiederbelebung auch ohne dieses Hilfsinstrument einzuleiten.
Foto: privat/pixabay yourschantz


Bastian Borchers
Bastian Borchers
Redakteur Schaumburger Wochenblatt
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