Nach außen fit, innerlich am Ende | Schaumburger Wochenblatt

Nach außen fit, innerlich am Ende

Landesbischof Oliver Schuegraf und der ehemalige Staatsminister Michael Roth danken den Geehrten für ihren Einsatz.  (Foto: bb)
Landesbischof Oliver Schuegraf und der ehemalige Staatsminister Michael Roth danken den Geehrten für ihren Einsatz. (Foto: bb)
Landesbischof Oliver Schuegraf und der ehemalige Staatsminister Michael Roth danken den Geehrten für ihren Einsatz. (Foto: bb)
Landesbischof Oliver Schuegraf und der ehemalige Staatsminister Michael Roth danken den Geehrten für ihren Einsatz. (Foto: bb)
Landesbischof Oliver Schuegraf und der ehemalige Staatsminister Michael Roth danken den Geehrten für ihren Einsatz. (Foto: bb)

Die Landeskirche Schaumburg-Lippe hat auf ihrem 15. Jahresempfang in der Stadtkirche Bückeburg Menschen geehrt, die in Selbsthilfegruppen und anderen Unterstützungsangeboten von Depression Betroffenen zur Seite stehen. Als Gastredner gab der ehemalige Staatsminister Michael Roth ausgehend von seinen persönlichen Erfahrungen einen Einblick in die psychische Erkrankung.
„Es tut mir leid, aber ich kann nicht mehr.“ Mit diesem Satz wandte sich Michael Roth im Urlaub zum Jahreswechsel 2021/2022 an seinen Mann. Gestand sich und ihm damit ein, psychisch erkrankt zu sein und ohne professionelle Hilfe aus dieser Situation nicht mehr herauszukommen. Ein Satz, den er vermutlich zwanzig bis dreißig Jahre zu spät geäußert habe, wie Roth in seiner Rede in der Stadtkirche hervorhob.

„Funktioniert wie ein Zirkuspferd“

Kurz zuvor hatte der SPD-Politiker noch das Bundestags-Direktmandat in seinem Wahlkreis gewonnen, blickte zu diesem Zeitpunkt auf eine lange politische Karriere zurück, einschließlich des Postens als Staatsminister für Europa im Außenministerium. Während des Bundestagswahlkampfs 2021 sei ihm „hundeelend gewesen“, trotzdem habe er „funktioniert wie ein Zirkuspferd in der Manege“. Als er seine Depression bald darauf öffentlich machte, hätten sich viele Kollegen aus dem Politikbetrieb überrascht gezeigt. Dies sei typisch, schließlich herrsche das Bild vor, dass ein psychisch erkrankter Mensch zurückgezogen, unproduktiv, sichtbar leidend sein müsse. Jedoch „kann ein Mensch auf ganzer Linie funktionieren und dabei innerlich am Ende sein“.

Zu wenig Therapiemöglichkeiten

Er habe großes Glück gehabt, rasch professionelle Hilfe gefunden zu haben. Vielen ergehe es anders. Gerade in ländlichen Regionen würden Betroffene lange auf Therapien warten müssen, hier bestehe dringender Handlungsbedarf. Auch hätten ihm Bundestag und Fraktion Zeit für die Behandlung gegeben. Viele Arbeitgeber würden sich dagegen schwertun, würden sie mit einer psychischen Erkrankung konfrontiert. Dabei sei die Depression eine weit verbreitete Erkrankung, jede fünfte bis sechste Person einmal über die Lebensspanne betroffen.
Das Publikum dankte Roth für seinen Vortrag mit langanhaltendem Applaus.

Jubiläum für die Diakonie

Zu Beginn der Veranstaltung war Landesbischof Oliver Schuegraf zunächst auf das Jubiläum „100 Jahre Diakonisches Werk Schaumburg-Lippe” eingegangen. Mit der Gründung des „Landesvereins für Innere Mission in Schaumburg-Lippe“ 1926 habe in der Landeskirche eine Idee feste Form gefunden, der Menschen eigentlich schon lange gefolgt seien. Dem Engagement aus dem christlichen Glauben heraus für andere Menschen, die Unterstützung und neue Perspektiven brauchen. Anfangs sei es vor allem um die Hilfe für Menschen gegangen, die in der Zeit nach dem Weltkrieg in großer Armut lebten. Heute sei die Diakonie in Schaumburg in vielen Feldern aktiv, von der Drogenberatung bis hin zu Suchtprävention. „Was geblieben ist, ist der Mensch im Mittelpunkt“, so Schuegraf. „Hinsehen, zuhören, an der Seite der Menschen bleiben und gemeinsam nach Wegen suchen“, stehe heute noch im Mittelpunkt der Arbeit der vielen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern der Diakonie.

Wichtiges Engagement

In allen Aufgabenbereichen begegne ihnen immer wieder das Thema Depression, so der Landesbischof. Hierin zeige sich die große Vielzahl der Betroffenen. Entsprechend habe man dieses in den Mittelpunkt der Veranstaltung gestellt.
Geehrt wurden so in diesem Jahr Menschen, die sich in Selbsthilfegruppen und anderen Unterstützungsangeboten auch mit dem Thema Depression auseinandersetzen und Betroffenen zur Seite stehen. Synodenpräsidentin Daniela Röhler und der Geschäftsführer des Diakonischen Werkes hoben die große Bedeutung des Engagements der Geehrten hervor.
Nach dem offiziellen Teil nutzten viele der Gäste noch die Möglichkeit zum Austausch auf dem Gelände rund um die Kirche. Viele suchten das Gespräch mit Michael Roth, der auch sein Buch „Zonen der Angst – Über Leben und Leidenschaft in der Politik“ signierte.


Bastian Borchers
Bastian Borchers
Redakteur Schaumburger Wochenblatt
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