Als eine der letzten Übungen von insgesamt über 200 unterschiedlichen Szenarien, trainierten in dieser Woche NATO-Soldaten während der „CIMIC Quadriga 2026“ mit ehrenamtlichen Mitarbeitern des Wilhelm-Busch-Geburtshauses und -Museums in Wiedensahl. Das Rollenspiel, bei dem es um die Vorbereitung des Schutzes und der Sicherung unersetzlicher Kulturgüter ging, wurde von der militärischen Seite durch drei Soldaten aus der Tschechischen Republik bestritten. Als Gesprächspartner standen Rolf Harmening für das Wilhelm-Busch-Geburtshaus und Kurt Cholewa für das Museum im alten Pfarrhaus zur Verfügung. Ziel der diesjährigen Gesamtübung ist es, militärische Entscheidungen auf einer belastbaren Grundlage zu unterstützen und die Zusammenarbeit mit zivilen Partnern weiter zu stärken (aus der Pressemeldung der Bundeswehr).
Soldaten aus 28 Staaten trainieren in Deutschland
Verantwortlich für die Planung und Durchführung der Übung mit Soldatinnen und Soldaten aus 28 NATO-Ländern, ist das Kommando Zivil-Militärische Zusammenarbeit der Bundeswehr mit Sitz in Nienburg. Der stellvertretende Kommandeur des Kommandos, Oberstleutnant Ronny Vogt, begleitete den Übungseinsatz in Wiedensahl und machte sich persönlich ein Bild vom Verlauf des Szenariums. Zusätzlich zu den drei Einsatzkräften aus Tschechien, kam mit Stabsfeldwebel Torsten (auf Wunsch ohne Nennung des Nachnamens) vom Kreisverbindungskommando, eine Übersetzerin sowie als „Schiedsrichter“ ein Soldat aus den Vereinigten Staaten zum Einsatz.
Wilhelm-Busch-Museum fiktiv nach Polen verlegt
Nachdem in früheren Übungen dieser Art von einer komplett fiktiven Lage ausgegangen wurde, nahmen die Planer aus Nienburg die derzeitige Kriegssituation zwischen Russland und der Ukraine zum Anlass, das Wilhelm-Busch-Museum in den nordöstlichen Teils von Polen zu verlegen und damit in einen gefährdeten Bereich an der Ostflanke des NATO-Gebietes. Ausgangspunkt ist eine angespannte Lage an der Grenze zwischen Litauen und Polen in der Region des sogenannten „Suwalki-Korridors“. Beide Staaten hatten fiktiv um Unterstützung aus dem NATO-Bündnis gebeten. Harmening und Cholewa hatten sich gut auf das Treffen mit den Soldaten vorbereitet. Sie konnten eindrucksvoll darstellen, wie wertvoll und gesellschaftlich bedeutsam die Sammlung von Gemälden, Büchern, historischer Kleidung und Einrichtung aus der Zeit von Wilhelm Busch ist. Das Ziel der NATO-Abordnung war es, sich ein Bild darüber zu verschaffen, um welche Gegenstände es sich handelt, wie groß der Umfang und der Wert des Kulturschatzes ist und wie diese im Ernstfall transportiert werden könnten.
Max und Moritz auch in Tschechien bekannt
Das Gespräch verlief in einem sehr lockeren Rahmen und spätestens bei der Erwähnung von „Max und Moritz“, lächelten die Soldaten aus dem Nachbarland wissend. Cholewa erklärte, dass die Lausbub-Geschichten nach der Bibel das am zweitmeisten übersetzte Buch ist. Mit gezielten Fragen, mit denen sich die tschechischen Übungsteilnehmern auf das Szenarium vorbereitet hatte, verschafften sie sich einen guten Einblick in die Erfordernisse und die Möglichkeiten, die die Streitkräfte im Falle einer Sicherung und Fortschaffung der Kulturgüter erbingen könnten und sollten. Um die Bedeutung der Sicherung unersetzlicher Kulturgüter herauszustellen, zog Kurt Cholewa einen Vergleich mit der Situation in der Ukraine heran. Der Angreifer Russland würde nationales ukrainisches Kulturgut zerstören und dieses durch eigenes ersetzen. Das sei hier im Kriegsfall unbedingt zu vermeiden. Die Soldaten wollten wissen, auf wie viele Unterstützer des Vereins sie zählen könnten und boten Schulungen und zusätzliche Informationen im Vorfeld an. Harmening und Cholewa können auf die Erfahrung von mehreren Soldaten der Reserve in ihrem Verein setzen.
Tipps von den NATO-Soldaten
Bevor sich die NATO-Abordnung auf eine Besichtigung der Räumlichkeiten machte, gaben die Soldaten den Museumsmitarbeitern noch drei Tipps mit auf den Weg: 1. Erstellen von Notfallplänen, 2. Sichere Orte zur Unterbringung der Schätze finden, 3. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter auf das Szenario vorbereiten. Oberstleutnant Vogt vom Kommando Zivil-militärische Zusammenarbeit der Bundeswehr stellte zum Ende der Übung noch einmal heraus, wie immens wichtig diese Form der Trainings ist. Im „Operationsplan Deutschland (OPLAN DEU)“, sind neben streng geheimen Ablaufplänen im Fall eines Angriffs an der NATO-Ostflanke, auch wesentliche Abläufe im Zusammenwirken mit der Zivilgesellschaft geregelt. Die Unterstützung der Streitkräfte bei dem Schutz unersetzlicher Kulturgüter ist dabei einer von vielen Aspekten. Die Abkürzung der Militärübung CIMIC (Civil-Military Cooperation) bezeichnet die Zivil-militärische Zusammenarbeit im internationalen Kontext, insbesondere innerhalb der NATO. Daneben existiert bei der Bundeswehr noch die ZMZ (Zivil-militärische Zusammenarbeit), die grundsätzlich die nationale Schnittstelle der Bundeswehr innerhalb Deutschlands bei Naturkatastrophen, Großschadenslagen oder der gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge regelt. Aller Einzelergebnisse werden am Ende der Gesamtübung in Nienburg zusammengesetzt, ausgewertet und den NATO-Befehlshabern zugeleitet, so Ronny Vogt. Schon gleich danach macht sich das Team des Kommandos Zivil-Militärische Zusammenarbeit an die Planung für die kommenden Szenarien im nächsten Jahr. „Nach der Übung ist vor der Übung,“ fasste die Presseoffizierin, Kapitänleutnant Nariman Hammouti, zusammen.
„Die Gesamtverteidigung von Deutschland wird nur zusammen mit der Unterstützung und zivilen Vorbereitung gelingen!”