Hannover 96 hat bis zuletzt im Aufstiegsrennen mitgemischt, steht nach Ende der Serie als Tabellenvierter jedoch mit leeren Händen da. Beim 3:3 im eigenen Stadion gegen Nürnberg zeigte 96 Schwächen und Stärken, die auch weite Phasen der Saison prägten.
In der 83. Minute war es Nürnbergs Abwehrspieler Luka Lochoshvili, der mit seinem Kopfballtor zum 3:3 die Aufstiegsträume von Hannover beendete. Der Club spielte in Hannover befreit auf und es entwickelte sich ein spannendes Duell. 96 ließ sich vom frühen Rückstand nicht aus der Bahn werfen. Bis zur Halbzeit drehten Kolja Oudenne und Waniss Taibi mit ihren Treffern die Partie. Kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit gelang Nürnberg jedoch wiederum der Ausgleich. Aber nochmals hatte 96 eine Antwort parat, erzwang ein Eigentor der Nürnberger.
In der folgenden Phase sprach zunächst viel für einen Sieg von 96 und damit das Einziehen in die Relegation. Etwa mit Beginn des letzten Drittels begannen die „Roten“ jedoch an Zugriff auf die Begegnung zu verlieren. Nürnberg kam auf, während Hannover phasenweise in die Defensive gedrängt wurde. Die Roten versäumten es, ihre Kontermöglichkeiten zu nutzen, offenbarten den Gästen nun manche Blöße. Die schlugen mit Lochoshvili tatsächlich nochmals zu und stürzten 96 auf Rang vier. Ähnlich hatten die „Roten” schon mehrmals in der Serie Vorsprünge aus der Hand gegeben.
Kapitän Enzo Leopold bezeichnete die Partie nach Abpfiff denn auch als einen „Spiegel der Saison“. Trainer Christian Titz sprach von einer guten Ausgangsposition in den letzten drei Partien, die Hannover nicht genutzt habe.
Tatsächlich ließen die „Roten“ auch gegen Nürnberg mehrere hochkarätige Chancen liegen, mit denen sie die Partie vorzeitig hätten entscheiden können. Ebenso erlaubten sie sich in der Defensive einmal mehr folgenschwere Patzer, welche die angriffslustigen Nürnberger konsequent nutzten. Drei eigene Treffer sollten eigentlich genug sein, um sich einen Sieg zu sichern.
Trotz aller Enttäuschung über die verpasste Chance zum Aufstieg hat Hannover nach der Anzahl der eingefahrenen Punkte die erfolgreichste Serie seit dem letzten Abstieg in die zweite Liga gespielt. Titz gelang es, mit der neu zusammengestellten Mannschaft ein System einzutrainieren, das es ermöglichte, eine Vielzahl von Chancen herauszuspielen. Phasenweise erreichte 96 mit diesem große Dominanz, bot teils höchst attraktive Partien.
Voraussichtlich wird nun eine Reihe von Spielern den Verein verlassen, so auch Stammkräfte wie Kapitän Enzo Leopold. Es gilt, auf die vorhandenen Strukturen aufzubauen und möglichst nochmals an der Effizienz im Abschluss und der durchgängigen Stabilität in der Defensive zu arbeiten. Mit passenden Transfers und gezieltem Training an den Schwächen. So könnte 96 in der kommenden Serie ein neuer Anlauf auf das Projekt Aufstieg nehmen.
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