Rettet den Minijob! Was sich jetzt ändern könnte | Schaumburger Wochenblatt

17.07.2026 11:04

Rettet den Minijob! Was sich jetzt ändern könnte

Wir wollen in unserer neuen Serie wissen, wie sich Änderungen beim Minijob umsetzen lassen. (Foto: KI generiert)
Wir wollen in unserer neuen Serie wissen, wie sich Änderungen beim Minijob umsetzen lassen. (Foto: KI generiert)
Wir wollen in unserer neuen Serie wissen, wie sich Änderungen beim Minijob umsetzen lassen. (Foto: KI generiert)
Wir wollen in unserer neuen Serie wissen, wie sich Änderungen beim Minijob umsetzen lassen. (Foto: KI generiert)
Wir wollen in unserer neuen Serie wissen, wie sich Änderungen beim Minijob umsetzen lassen. (Foto: KI generiert)

Der Minijob ist für viele Branchen im Landkreis Schaumburg ein unverzichtbarer Baustein: ob in der Gastronomie, im Einzelhandel, in der Pflege oder bei saisonalen Tätigkeiten. Doch jetzt wächst die Unsicherheit, was die Bundesregierung plant, bei Arbeitgebern ebenso wie bei Beschäftigten. Hintergrund sind politische Diskussionen, die das in den 1970ern erdachte Modell der geringfügigen Beschäftigung und den seit 2003 bekannten „Minijob” zunehmend unter Druck setzen.

Aktuell liegt die Verdienstgrenze für Minijobs bei 603 Euro im Monat, gekoppelt an den Mindestlohn (2027 wäre die Grenze damit 633 Euro). Für Unternehmen bedeutet das eine gewisse Planungssicherheit, da eine pauschale Abgabe an die Mini-Job-Zentrale sowie für die Unfallversicherung vorgesehen ist. Das grenzt im Übrigen auch den Verwaltungsaufwand ein.

Anpassungen und Kritik

Auf politischer Ebene wird derzeit über verschiedene Anpassungen diskutiert. Dazu gehören unter anderem strengere Regelungen zur Sozialversicherung, eine mögliche stärkere Einbindung von Minijobs in reguläre Beschäftigungsverhältnisse sowie Maßnahmen gegen den Missbrauch von geringfügiger Beschäftigung. Kritiker sehen darin eine Gefahr für flexible Arbeitsmodelle, während Befürworter vor allem bessere soziale Absicherung für Beschäftigte fordern.

Gerade für kleinere Betriebe im Schaumburger Land könnten Veränderungen spürbare Folgen haben. Viele von ihnen sind auf flexible Arbeitszeiten angewiesen, etwa in Stoßzeiten, am Wochenende oder in der Saison. Fallen Minijobs in ihrer bisherigen Form weg oder werden durch die Reform deutlich unattraktiver, könnte das die Personalplanung erheblich erschweren.

Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie attraktiv Minijobs für Beschäftigte künftig noch sind. Steigende Lebenshaltungskosten und der Wunsch nach sozialer Absicherung führen schon jetzt dazu, dass manche eher auf sozialversicherungspflichtige Teilzeitstellen setzen.
Das Schaumburger Wochenblatt wird dieses Thema in den nächsten Wochen aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten.

Die derzeit diskutierten Reformideen kommen aus der Rentenkommission und werden vom Bundesarbeits- und Sozialministerium (BMAS) aufgegriffen; das BMAS verweist dabei auf einen Umbau der bisherigen Minijob-Regeln. Vorgesehen ist nach den öffentlich diskutierten Plänen, Minijobs stärker in die Sozialversicherung einzubeziehen und den bisherigen Sonderstatus zu beenden, damit auch geringfügig Beschäftigte Beiträge zahlen. In der Debatte wird das als Versuch dargestellt, mehr Anreize für reguläre Beschäftigung zu schaffen und die Altersvorsorge zu verbessern.

Wie steht die Politik dazu?

Die Politik ist in der Frage gespalten. Befürworter der Reform argumentieren, Minijobs förderten zu oft eine dauerhafte Niedriglohnfalle und schwächten den Zugang zu sozialer Absicherung; Kritiker warnen dagegen vor weniger Netto vom Brutto, mehr Bürokratie und einem Verlust an Flexibilität. Aus der aktuellen Debatte geht außerdem hervor, dass Arbeitgeberverbände und viele Branchenvertreter eher gegen eine Abschaffung sind, während Gewerkschaften eher für eine stärkere Einbeziehung in die Sozialversicherung plädieren. Auch die Bundesagentur für Arbeit sieht Minijobs kritisch, weil sie nach ihrer Einschätzung reguläre, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung verdrängen können.

Sicht der Arbeitgeber

Aus Sicht der Arbeitgeber sind Minijobs vor allem wegen ihrer Flexibilität attraktiv: Sie helfen, saisonale Schwankungen, Stoßzeiten oder kurzfristige Personallücken abzudecken. Viele Arbeitgeber wünschen sich deshalb vor allem Planungssicherheit, weniger Bürokratie und eine Regelung, die auch in Zukunft kurzfristige und flexible Arbeitsmodelle erlaubt. Das Schaumburger Wochenblatt hat über die geplanten Änderungen erste Gespräche mit Unternehmen geführt. So erklärte Möbel Heinrich-Geschäftsführer Heiner Struckmann:


Bei uns spielen Mini-Jobs keine große Rolle, wir setzen vor allem auf Teilzeitstellen. Den grundsätzlichen Ansatz der Rentenkommission kann ich nachvollziehen. In der praktischen, betrieblichen Umsetzung halte ich den gewählten Weg jedoch für nicht zielführend.
Bei uns spielen Mini-Jobs keine große Rolle, wir setzen vor allem auf Teilzeitstellen. Den grundsätzlichen Ansatz der Rentenkommission kann ich nachvollziehen. In der praktischen, betrieblichen Umsetzung halte ich den gewählten Weg jedoch für nicht zielführend.

Bei uns spielen Mini-Jobs keine große Rolle, wir setzen vor allem auf Teilzeitstellen. Den grundsätzlichen Ansatz der Rentenkommission kann ich nachvollziehen. In der praktischen, betrieblichen Umsetzung halte ich den gewählten Weg jedoch für nicht zielführend.

Heiner Struckmann

„Bei uns spielen Minijobs keine große Rolle, wir setzen überwiegend auf Teilzeitstellen. Bei Möbel Heinrich beschäftigen wir lediglich eine Handvoll Mitarbeitende im Minijob, etwa in Bereichen wie Gartenarbeit oder Müllbeseitigung.

Den grundsätzlichen Ansatz der Rentenkommission kann ich nachvollziehen. In der praktischen, betrieblichen Umsetzung halte ich den gewählten Weg jedoch für nicht zielführend. Es gibt viele Menschen – etwa Studierende, Schüler oder Rentner –, die bewusst einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen, um sich etwas dazuzuverdienen oder im Fall von Rentnern aktiv zu bleiben. Tätigkeiten wie das abendliche Einräumen von Supermarktregalen sind für viele ein wichtiges finanzielles Zubrot.

Zudem haben Minijobs in einigen Branchen eine große Bedeutung, etwa in der Gastronomie oder beim Zeitungsaustragen. Änderungen würden hier spürbare Auswirkungen haben und aus unserer Sicht in die falsche Richtung gehen. Auch im privaten Bereich, etwa bei Haushaltshilfen, sind Minijobs weitverbreitet. Es besteht die Gefahr, dass Beschäftigungsverhältnisse in die Schwarzarbeit abwandern.“

Sicht der Beschäftigten

Aus Sicht vieler Beschäftigter ist am Minijob vor allem attraktiv, dass das Einkommen fast vollständig ausgezahlt wird und sich Arbeit gut mit Schule, Studium, Familie oder Rente verbinden lässt. Problematisch ist aber, dass Minijobs oft kaum Rentenansprüche aufbauen und Beschäftigte im Alter oder bei längerer Erwerbsbiografie wenig absichern. Wünschenswert wäre aus Arbeitnehmerperspektive daher meist eine Lösung, die mehr soziale Absicherung bringt, ohne den Verdienst spürbar zu drücken oder die Flexibilität komplett zu verlieren.


In der Verwaltung, also im Rathaus, beschäftigen wir keine Minijobber. Anders sieht es jedoch beispielsweise im Sonnenbrinkbad aus: Dort kommen wir in der Saison ohne Minijobber nicht aus. Allein für den Betrieb des Bades wären entsprechende Änderungen daher fatal.
In der Verwaltung, also im Rathaus, beschäftigen wir keine Minijobber. Anders sieht es jedoch beispielsweise im Sonnenbrinkbad aus: Dort kommen wir in der Saison ohne Minijobber nicht aus. Allein für den Betrieb des Bades wären entsprechende Änderungen daher fatal.

In der Verwaltung, also im Rathaus, beschäftigen wir keine Minijobber. Anders sieht es jedoch beispielsweise im Sonnenbrinkbad aus: Dort kommen wir in der Saison ohne Minijobber nicht aus. Allein für den Betrieb des Bades wären entsprechende Änderungen daher fatal.

Obernkirchens Bürgermeisterin Dörte Worm-Kressin

Nun sind Sie gefragt, egal aus der Sicht der Arbeitnehmer oder der Arbeitgeber: Wie stehen Sie zur Reform? Schreiben Sie uns gern per E-Mail an lesermeinung@schaumburger-wochenblatt.de.

Zahlen der Minijob-Zentrale

    Nach Angaben der Minijob-Zentrale waren im März 2026 die meisten gewerblichen Minijobber über 65 Jahre alt; bei den Frauen lag die größte Gruppe bei 581.342, bei den Männern bei 632.246 Beschäftigten. Insgesamt sind Minijobs weiterhin stark von Frauen geprägt: 2023 waren rund 2,6 Millionen Frauen und 1,8 Millionen Männer ausschließlich geringfügig beschäftigt. Auch die Arbeitsmarktforschung weist darauf hin, dass Frauen deutlich häufiger in Minijobs arbeiten als Männer und dass diese Beschäftigungsform besonders im Nebenerwerb und in bestimmten Lebensphasen eine große Rolle spielt.


    Nadine Dressler
    Nadine Dressler
    Redakteurin Schaumburger Wochenblatt.

    Nadine Dressler ist seit Anfang 2024 als Redakteurin beim Schaumburger Wochenblatt tätig. Sie betreut schwerpunktmäßig die redaktionellen Belange der Bereiche Bückeburg, Obernkirchen, Auetal und Bad Eilsen. Vereine und Initiativen können können ihre Pressemitteilungen gern direkt an n.dressler@schaumburger-wochenblatt.de senden.
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