Vor 5 Jahren haben der Landkreis Schaumburg und der DRK Rettungsdienst Schaumburg das Helfersystem KatRetter in die Rettungskette des Landkreises Schaumburg integriert. Das bis dahin unbekannte System hat sich im Landkreis Schaumburg rückblickend bewährt und ist in Bezug auf Reanimationen ein unersetzbarer erster Baustein, um ein Menschenleben retten zu können. Mit dieser Erkenntnis gehen wir nun voller Entschlossenheit den nächsten Schritt und wollen möglichst viele Schaumburger motivieren, sich als ehrenamtliche Reanimationshelfer zu engagieren. Um das auch sprachlich klar zu bündeln, haben wir uns für den Namen „Schaumburger Lebensretter*in“ entschieden

Bei einer Reanimation zählt jede Minute, um ein Menschleben retten zu können. Bis der Rettungsdienst am Einsatzort eintrifft, um mit der Wiederbelebung eines Menschen zu beginnen, sind in den meisten Fällen schon wertvolle Minuten vergangen. Eine sofortige Reanimation innerhalb von 3 Minuten nach dem Herz-Kreislauf-Stillstand, erhöht die Überlebenschance auf bis zu 70%. Bereits wenn 3 bis 5 Minuten vergehen, ohne dass der Mensch durch eine Herzdruckmassage reanimiert wird, hat das bereits bleibende Hirnschäden zur Folge. Im Falle einer Reanimation sinkt die Überlebenschance um 10 % pro verstrichener Minute ohne wiederbelebende Maßnahmen. Diese harten Fakten sind der Ansatz für das Reanimationshelfersystem.

Das Reanimationshelfersystem Schaumburger Lebensretter basiert auf der App KatRetter, die vom Fraunhofer-Institut entwickelt wurde. Das System des Fraunhofer-Instituts zielt darauf ab, das wichtige Zeitfenster bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes im Falle einer Reanimation mit ehrenamtlichen Reanimationshelfenden zu überbrücken, um eine Überlebenschance der Patienten überhaupt erst möglich zu machen. Gleichzeitig leitet die integrierte Regionalleitstelle Schaumburg/Nienburg (IRL) den Anrufer bereits während des Notrufs telefonisch zur Durchführung erster Wiederbelebungsmaßnahmen an.

Wie funktioniert es?

Dazu werden Helfer über die App KatRetter direkt von der IRL des Landkreises Schaumburg parallel zum Rettungsdienst alarmiert. Die Voraussetzung dafür ist, dass sich die Reanimationshelfer in unmittelbarer Nähe zum Einsatzort befinden.

„Wenn wir die Überlebenschancen für alle Menschen in Schaumburg optimieren wollen, die aufgrund eines Ereignisses reanimationspflichtig werden, müssen wir die medizinischen Fakten betrachten”. Die Zahl 3 umrahmt nicht zufällig die Worte Schaumburger Lebensretter*in, sondern ist ein symbolischer Zeigefinger, der darauf hinweist, dass wir innerhalb von 3 Minuten mit einer Herzdruckmassage beginnen müssen, wenn wir betroffene Menschen retten wollen.

Bernd Gerberding, Geschäftsführer des DRK Rettungsdienstes, erläutert: „Wir verfügen im Rettungsdienst über hochspezialisierte Fachkräfte, die insbesondere auf Reanimationen ausgebildet und trainiert sind. Ebenfalls sind Sie mit modernsten medizinischen Geräten ausgerüstet. Die Realität ist jedoch, dass der Rettungsdienst einen Patienten innerhalb dieser 3 Minuten nicht erreichen kann. Kommt es zu einem Kreislaufstillstand muss dieser zunächst von einer Person vor Ort erkannt und die 112 gewählt werden. Erst nach Abfrage der notwendigen Daten kann die Alarmierung der Rettungsmittel erfolgen.

Zu diesem Zeitpunkt sind schon wichtige Minuten verstrichen, Zeit die wir auch als Rettungsdienst nicht zurückdrehen können. Auf Basis dieser Fakten, die überall in Deutschland gleich sind, müssen wir in dieses Zeitfenster von 3 bis 5 Minuten ehrenamtliche Ersthelfer in die Rettungskette integrieren, die bereit sind, Menschenleben zu retten. Ich appelliere inständig an alle Menschen: Werden Sie Schaumburger Lebensretter*in, installieren Sie die App und retten Sie Menschenleben. Besonders richtet sich die Bitte an alle, die eine medizinische Ausbildung haben, über aktuelle Erste-Hilfe-Kenntnisse verfügen und an diejenigen, die sich jetzt motiviert fühlen, einen Erste-Hilfe-Kurs zu absolvieren.“

Von diesem System werden alle profitieren. Nicht zwingend, weil es Sie selbst betrifft, aber vielleicht Ihre Familie, Ihre Freunde, Ihre Nachbarn oder die Kollegen, die von einem Reanimationshelfer gerettet werden. „Einen besonderen Appell möchte ich an die Mitarbeitenden in Kliniken, an Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehren, an Mitarbeitende in Arztpraxen richten. Melden Sie sich bitte als Schaumburger Lebensretter*in an“, appelliert Bernd Gerberding, Geschäftsführer DRK Rettungsdienst Schaumburg.