Manche Autofahrer haben offenbar ein erstaunliches Mitteilungsbedürfnis. Nur leider keinen Satz zu sagen. Also übernimmt der Auspuff. Die Botschaft kommt trotzdem an: Hier bin ich – und eure Nachtruhe ist mir gerade ziemlich egal.
Verstehen Sie mich nicht falsch. Ein Akrapovič-Auspuff kann durchaus schick aussehen. Nur möchte ihn nicht jeder hören. Schon gar nicht nachts um halb zwölf, wenn die Kinder endlich schlafen und nebenan jemand früh aufstehen muss. Niemand muss sich für ein schönes Auto entschuldigen. Aber die Nachbarschaft ist deshalb noch lange keine freiwillige Fangemeinde, die jubelt wenn man vorbeirast.
Auch Tempo 30 ist keine persönliche Kränkung für Menschen mit 390 kW (530 PS). Wer vor dem Zebrastreifen wartet oder mit dem Rollator die Straße überquert, braucht keine Beschleunigungsprobe, sondern Rücksicht. Das gilt ebenso für den drängelnden Pendler und das eilige Elterntaxi. Rücksichtslosigkeit wird nicht dadurch besser, dass der Auspuff serienmäßig ist.
Polizei und Verwaltung wiederum müssen nicht jede Forderung erfüllen. Aber sie sollten erklären, was aus konkreten Hinweisen wird. Eine Beschwerde darf nicht zur Rundfahrt durch die Zuständigkeiten werden – mit Rückkehr zum Ausgangspunkt.
Allen, die uns Leserbriefe geschickt und an der Umfrage teilgenommen haben, sagen wir Danke für ihre Zeit und ihre Schilderungen. Weil wir die Masse an Zuschriften nicht in Gänze in der Zeitung veröffentlichen können, bündeln wir sie online auf der Seite www.schaumburger-wochenblatt.de/stichwort/lesermeinung.
Und danke an alle, die sich an Verkehrsregeln halten, Abstand lassen und nachts leise nach Hause fahren. Sie schaffen es selten in die Schlagzeilen. Aber sie zeigen: Man kann ein Auto souverän bewegen, ohne ständig beweisen zu müssen, dass es einen Motor hat.