”Sie sitzen dir im Nacken, wenn man sich an die vorgegebene Geschwindigkeit hält”
Die Sorge um Kinder auf dem Schulweg, Ärger über nächtlichen Motorenlärm und Zweifel daran, ob Beschwerden etwas bewirken: Diese Themen ziehen sich durch die Antworten auf die Leserumfrage des Schaumburger Wochenblatts zu Rasern und Autoposern. Die meisten Einsendungen kamen aus den Städten. Zum Berufsverkehr gab es dagegen vergleichsweise wenige Rückmeldungen. In der zweiten Oktoberwoche hatte die Redaktion dazu aufgerufen, Erfahrungen aus dem Landkreis zu schildern. Auf den Titelseiten der jeweiligen Regionalausgaben haben wir nun bereits über die Erfahrungen vor Ort berichtet. Wenn Sie sich für eines der drei weiteren Gebiete interessieren, schauen Sie bitte in unser E-Paper (www.schaumburger-wochenblatt.de/epaper) oder lesen Sie die Berichte hier online:
Nun nimmt die Redaktion die Rückmeldungen noch einmal überregional genauer in den Blick: Was belastet die Teilnehmer besonders, welche Situationen beschreiben sie – und welche Reaktionen wünschen sie sich?
Bei der allgemeinen Frage nach einem Problem mit Rasern oder Autoposern entfielen 231 von 272 abgegebenen Stimmen auf Ja, 41 auf Nein. Damit bejahten rund 85 Prozent die Frage. Die freiwillige Umfrage ist allerdings nicht repräsentativ. Sie gibt Einblick in die Erfahrungen der Teilnehmer, erlaubt aber keine Rückschlüsse auf die Haltung der Menschen in Schaumburg. Auch die stärkere Beteiligung aus den Städten bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Probleme dort größer sind als in ländlichen Orten.
Sorge um die Sicherheit im Alltag
In den Freitextantworten wird deutlich, dass es vielen Einsendern nicht allein um einzelne besonders laute Fahrzeuge geht. Sie schildern Situationen, in denen sie sich im Alltag unsicher fühlen: beim Verlassen der Einfahrt, beim Linksabbiegen oder beim Überqueren der Straße. Ein Teilnehmer berichtet von „Autofahrern, die einem im Nacken sitzen, wenn man sich an die vorgegebene Geschwindigkeit hält“. Andere beschreiben Überholmanöver in Kurven oder zu wenig Abstand zu Radfahrern.
Wiederholt verbinden die Teilnehmer solche Beobachtungen mit der Sorge um Kinder und ältere Menschen. Eltern berichten von schnellen Fahrzeugen während der Schulwegzeiten. Andere fragen sich, wie Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit eine Straße sicher überqueren sollen.
Die Kritik richtet sich dabei nicht ausschließlich gegen Autoposer. Auch der ganz normale Autofahrer, sowie Lastwagen und landwirtschaftlicher Verkehr werden genannt. Der Berufsverkehr spielt in den Einsendungen hingegen eine vergleichsweise geringe Rolle. Einzelne Teilnehmer beschreiben zwar Belastungen am Morgen und Nachmittag.
Laute Motoren am Abend und in der Nacht
Ein wiederkehrendes Thema sind die Abend- und Nachtstunden sowie die Wochenenden. Einsender berichten von hochdrehenden Motoren, knallenden Auspuffgeräuschen und gezieltem Beschleunigen. Eine Antwort bringt die unterschiedlichen Sorgen auf den Punkt: „Morgens besonders gefährlich wegen Schulweg und abends/nachts besonders laut durch extra beschleunigen.“
Dabei unterscheiden Teilnehmer durchaus zwischen Autobegeisterung und rücksichtslosem Verhalten. „Das Auto wird hier nur als Instrument genutzt“, schreibt ein Einsender. Daneben stehen Rückmeldungen von Lesern, denen nichts Besonderes aufgefallen ist oder die die Aufregung überzogen finden. Die Umfrage dokumentiert somit unterschiedliche Wahrnehmungen – keine überprüfte Bilanz von Verkehrsverstößen.
Zweifel an der Wirkung von Beschwerden
Nicht alle, die sich belastet fühlen, haben ihre Beobachtungen bereits an öffentliche Stellen gemeldet. Manche sehen wenig Aussicht auf Veränderung, andere wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen. „Ich habe oft darüber nachgedacht, mich an die Stadt zu wenden, wusste allerdings nicht so recht an wen“, schreibt ein Teilnehmer. Ein anderer fragt: „Hat es Sinn, wenn man sich als Einzelperson an die zuvor Genannten wendet??“
Wer bereits Kontakt aufgenommen hat, schildert unterschiedliche Erfahrungen. Mehrere Einsender berichten von Weiterverweisungen zwischen Behörden oder aus ihrer Sicht zu seltenen Kontrollen. Andere erwähnen Geschwindigkeitstafeln und Messungen, vermissen aber eine dauerhafte Wirkung.
Wiederkehrend ist der Wunsch nach Kontrollen zu den Zeiten, die Betroffene als besonders belastend erleben, sowie nach nachvollziehbaren Reaktionen auf Beschwerden. Das Schaumburger Wochenblatt hat der Polizei und dem Landkreis die genannten Schwerpunkt-Orte aus der Umfrage übersandt und wird über die Rückmeldungen berichten.