Über viele Jahre hinweg war Thomas Rathkolb eine der prägendsten Figuren in der Rintelner Hotellerie und Stadtgesellschaft. Ob als Gastgeber im renommierten Waldkater oder als engagierter Vorsitzender beim Stadtmarketingverein Pro Rinteln – sein Wirken hinterließ Spuren an der Weser. Doch wie sieht sein Leben heute aus? Wir haben nachgefragt, womit der ehemalige Gastronom inzwischen seinen Alltag füllt, welche Erinnerungen an Rinteln geblieben sind und warum Entschleunigung heute eine zentrale Rolle in seinem Leben spielt.
Wenn Thomas Rathkolb an seinen Start im Rintelner Waldkater im September 2007 zurückdenkt, muss er schmunzeln. Bevor er die neue Stelle offiziell antrat, machte er mit seiner Familie eine Stadtführung, um die historische Altstadt kennenzulernen. Als bei der Führung durchsickerte, wer da im Tross mitlief, hieß es rasch im Ort: „Ahaa, Sie sind also der Neue!“ Damit wurde ihm schnell bewusst, dass die Leitung des renommierten Hauses auch bedeutete, fortan ein recht öffentliches Leben unter Beobachtung zu führen. Anfangs kannte er niemanden und musste sein Team regelmäßig fragen, welcher Gast gerade im Raum saß oder welches Unternehmen hinter einem Namen steckte. Mit der Zeit jedoch drehte sich das Blatt, und Rathkolb kannte die Rintelner Gegebenheiten in- und auswendig.
Als „Braumeister“ und beim Kochkurs aktiv
Die Anforderungen an den Waldkater waren stets immens hoch, schließlich galt die Gastronomie seit jeher als Aushängeschild der gesamten Region. Mit unermüdlichem Einsatz stellte sich das Team diesen Erwartungen. Unvergessen bleiben für ihn die launigen Brauereiführungen, bei denen er zu Beginn noch mit Spickzettel agierte und von Gästen oft fälschlicherweise für den Braumeister gehalten wurde, oder die beliebten Kochkurse im „Kochkater“: „Das ist es auch, was ich sicherlich am meisten vermisse“, so Rathkolb. Auch die glanzvollen Silvesterveranstaltungen im Waldkater und Stadtkater gaben ihm stets das Gefühl, den Menschen unbeschwerte Stunden zu schenken. Neben dem Hotelbetrieb engagierte er sich in einer nicht ganz einfachen Phase bei der Initiative Pro Rinteln. Dennoch behält er die Weserstadt in bester Erinnerung: Das Flair der historischen Altstadt, die engagierten Inhaber der Einzelhandelsgeschäfte und das quirlige Treiben auf dem Marktplatz haben für ihn bis heute Vorbildcharakter für andere Städte. Zu seinen persönlich prägendsten Begegnungen zählt dabei das Kennenlernen mit dem WeserGold-Seniorchef Richard Hartinger sen., dessen Lebenswerk, Tatendrang und Mut ihn tief beeindruckten.
Neues Leben in der Seniorenarbeit
Nach seinem Abschied aus der Hektik der Hotellerie hat Thomas Rathkolb beruflich ein völlig neues, erfüllendes Kapitel aufgeschlagen. Dem Weserbergland ist er zwar treu geblieben, lebt nun jedoch in der Nähe von Bodenwerder. Seit gut fünf Jahren arbeitet er als selbständiger Alltagsbegleiter mit seinem Unternehmen ALBESO. Heute umsorgt er rund 50 ältere Damen und Herren im täglichen Leben und schließt damit eine Lücke, die oft weit über rein praktische Hilfe hinausgeht. Er geht für oder mit seinen Kunden einkaufen, hilft beim Verfassen von Briefen, erledigt Botengänge oder behebt kleine technische Hürden – wie die verstellte Fernbedienung oder das widerspenstige Smartphone. Auch das gemeinsame Kochen, Saubermachen, Betten beziehen oder Staub wischen gehören zu seinen Aufgaben. Wichtig ist ihm dabei die Abgrenzung zur Pflege. Seine Arbeit wird in der Regel über den Pflegegrad bei den Pflegekassen abgerechnet und fokussiert sich ganz auf die alltägliche Entlastung und menschliche Nähe.
Manchmal hilft ein „offenes Ohr“
Da viele Senioren alleine leben und Gefahr laufen zu vereinsamen, schenkt er den Menschen vor allem Zeit und ein offenes Ohr. Dieses direkte Feedback und das Wissen, konkret helfen zu können, bedeuten ihm sehr viel. Darüber hinaus genießt Rathkolb die neugewonnene Freizeit, die in Jahrzehnten der Gastronomie oft zu kurz kam. Heute entspannt er aktiv in der Natur, sei es auf den Wanderwegen direkt vor seiner Haustür oder bei Touren mit dem e-Mountainbike. Der Blick zurück nach Rinteln bleibt dennoch lebendig: Über das Internet und soziale Medien verfolgt er aufmerksam das Geschehen an seinen alten Wirkungsstätten und freut sich jedes Mal, wenn sich die Gelegenheit für einen persönlichen Besuch in der alten Heimat ergibt.