Früher wurde bis in die Nacht hinein im Rintelner Rat über den Haushalt debattiert, heute regiert das Enkelglück und das Aufschlagspiel: Zwei Rintelner Urgesteine zeigen, wie politischer Wettbewerb mit Haltung, Respekt und echtem Sportsgeist funktioniert. Klaus Wißmann (SPD) und Heinrich Schmidt (CDU) rangen früher im Rintelner Stadtrat um die besten Wege für die Stadt. Heute schlagen sie gemeinsam auf dem Tennisplatz auf – und blicken mit gemischten Gefühlen auf die heutige Polit-Kultur.
Zwei Lebensläufe für Rinteln
Klaus Wißmann (SPD): Als langjähriges Mitglied und Fraktionsvorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion prägte er die Kommunalpolitik maßgeblich. Von 1986 bis 2001 war er Ortsbürgermeister für Krankenhagen, Volksen und Friedrichshöhe sowie von 1991 bis 2001 Fraktionssprecher der SPD im Rat. Sein Herz schlug stets für Haushalts-, Familien- und kinderpolitische Themen sowie den Natur- und Umweltschutz. Er gehört zudem zu den Gründungsmitgliedern des TTC Volksen (1973) und engagierte sich in der Dorfgemeinschaft Friedrichshöhe. 2016 zog er sich aus dem Rat zurück.
Heinrich Schmidt (CDU): Der Christdemokrat zog 1986 in den Stadtrat ein und war von 1979 bis 1996 Ortsbürgermeister von Exten. Als Vorsitzender des Stadtwerkeausschusses, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und langjähriges Mitglied des Verwaltungsausschusses gestaltete er die Geschicke der Stadt in vorderster Reihe mit und war sportlich stets aktiv.
Streit in der Sache – Respekt im Ton
Echte „Scharmützel“ oder persönliche Animositäten suchte man zwischen den beiden Politikern vergebens. Während Wißmanns größter politischer Erfolg – die Durchsetzung der Fußgängerzone in der Innenstadt gegen die Stimmen der CDU – damals durchaus für Gesprächsstoff sorgte, schmunzelt er heute: „Heute würde keiner mehr die Zeit zurückdrehen und Autos durch die Innenstadt brausen lassen!“ Auch Heinrich Schmidt erinnert sich gern an seine Zeit als Chef des Stadtwerkeausschusses und die Haushaltsberatungen von einst. Damals gab es noch finanziellen Spielraum beim Haushalt: „Da hatten wir noch freie Spitzen zur Verfügung und mussten uns Gedanken machen, wie wir die ausgeben! Heute dominieren Schuldendebatten die Haushaltsreden.“ Selbst wenn im Rat bis kurz vor Mitternacht gerungen wurde: Im Anschluss ging es für Rot und Schwarz traditionell gemeinsam an die Theke und auch dort wurde noch Politik gemacht. Eine Gemeinsamkeit, die beide in der heutigen Politik schmerzlich vermissen.
Politischer Ruhestand und die Faszination des Sports
Heute wollen beide mit dem aktiven Politikbetrieb nichts mehr zu tun haben. Einig sind sie sich darüber, dass der Umgangston rauer geworden ist: „Die Querschüsse unterhalb der Gürtellinie würden uns zu schaffen machen.“ Man trifft sich heute auf dem Tennisplatz, wo es im sportlichen Wettbewerb fair und kameradschaftlich zugeht. Zusammen mit Heinz Lachmann, Werner Blome, Rolf Bünte, Jürgen Henze, Horst Kochmann und Gerdt Brand bildet die feste Trainingsgruppe beim TSV Eintracht Exten eine verlässliche Gemeinschaft (dienstags und donnerstags). Während Wißmann neben Tennis auch noch in Volksen zum Tischtennisschläger greift, radelt Schmidt mit seinem Radfahrkollegen Reinhold Koch Strecken bis zu 60 Kilometer und spielt Boule. Mit einem Augenzwinkern verrät Schmidt das Geheimnis des Durchhaltsvermögens im Alter: „Am Ende ist es Voltaren und Pferdesalbe, die die Knie noch in Schuss halten.“ Und wenn doch einmal Politik das Gespräch dominiert, geht es meist um die große Weltbühne mit Figuren wie Putin und Trump – bei deren Bewertung man sich – wenig überraschend - einig ist. Schmidt ist stolzer Vater einer Tochter und hat drei Enkel, Wißmann hat zwei Kinder und zwei Enkel. Und natürlich zählen auch die Kinder und Enkelkinder zu den Dingen im Leben, die ihnen Spaß bereiten.