Bereits seit den 1920er Jahren befindet sich die archäologische Sammlung des Kreises Grafschaft Schaumburg im Rintelner Museum. Damals legte der ehrenamtliche Kreisbodendenkmalpfleger Paul Erdniß mit seinen Grabungen auf dem Gebiet der heutigen Nordstadt (Stierbusch) und auf dem Knickbrink in Krankenhagen eine wichtige Basis für den heutigen Wissensstand. Durch seine wiederholten Fundberichte kamen darüber hinaus in der Folge Fundmeldungen auch aus weiterem Umkreis. Speziell das Gebiet um Rintelner gehörte deshalb lange Zeit zu den best erforschten Niedersachsens - ein Vorsprung der mittlerweile allerdings weitgehend verloren gegangen ist.
Eine besonders auffällige Lücke ergibt sich für die noch vergleichsweise junge Archäologie des Mittelalters. Abgesehen von einer Grabung des Museums im Jahr 2001 hat in der Rintelner Altstadt noch keine einzige planmäßige archäologische Untersuchung stattgefunden. Nicht viel besser sieht es in Stadthagen und Bückeburg aus. Die knappen Kassen des Landes Niedersachsen erlauben allenfalls sporadische Stichproben und lassen auch für die Zukunft kaum auf eine Trendwende hoffen. Ziel des geplanten Arbeitskreises ist es daher, das Wissen um die Ur- und Frühgeschichte des Schaumburger Wesertals zu erschließen, zu erweitern und zu vermitteln. Gemeinsam sollen Raubgrabungen verhindert und Notgrabungen, beziehungsweise baubegleitende Untersuchungen durchgeführt werden. Vorkenntnisse sind nicht unbedingt erforderlich, um so mehr dagegen die Bereitschaft, auch mit langfristiger Perspektive engagiert mitzuarbeiten und sich Fachkenntnisse anzueignen.
Der Zeitpunkt und die Voraussetzungen für eine Wiederaufnahme der archäologischen Forschung in Rinteln sind durchaus vielversprechend. Vor zwei Jahren gaben Bezirksregierung, Landkreis und Schaumburger Landschaft einen Katalog der wissenschaftlich erfassten schaumburgischen Fundstellen heraus, der eine solide Ausgangsbasis für die weitere Arbeit bildet. Das Museum besitzt darüber hinaus einen Arbeitsraum mit Fachbibliothek und reichhaltiges Fundmaterial sowohl in der Ausstellung als auch im Magazin. -
Das südliche Schaumburg ist archäologisch gesehen ein besonders interessantes Terrain - vor allem als niedersächsisches Altsiedelland mit einer großen Funddichte für die Bronze- und Jungsteinzeit. Vor 2000 Jahren manifestierte sich hier der germanische Widerstand gegen die römischen Unterwerfungsversuche. Im frühen Mittelalter war das Wesergebiet wichtiger Ausgangspunkt der Christianisierung der Sachsen, später geriet es als zersplittertes Machtgebiet kleiner und kleinster Grafen und Herren unter wechselnden Einfluss der Welfen und der Bistümer Minden und Paderborn. Die facettenreiche Geschichte gibt bis heute zahlreiche Rätsel auf, für deren Lösung die planmäßige Erfassung der Bodenfunde unerlässlich ist.
Die Koordination des Arbeitskreises übernimmt vorläufig Museumsleiter Dr. Stefan Meyer, bis eine eigene Organisationsstruktur gefunden ist.
Wichtig für das Vorhaben sind die Schulen, die in das Projekt eingebunden werden sollen. Daher werden insbesondere auch aktive Lehrer gesucht, die hier Verbindungen schaffen und pflegen können. Foto: km