Sieben Ratsvertreter sind im Rodenberger Verwaltungsausschuss (VA) vertreten. Das sind Bürgermeister Günter Altenburg (CDU), CDU-Fraktionschef Carsten Schulz, Marina Gellermann (CDU), Ralf Sassmann (WGR), SPD-Fraktionschef Hans-Dieter Brand, Dieter Leistikow (SPD) und Ignaz Stegmiller (FDP). In dem zweitwichtigsten Gremium der Stadt gibt es für jedes Mitglied auch einen Vertreter. Im Rat selbst sitzen 19 Vertreter, davon stehen acht für die CDU und acht für die SPD. Die Wählergemeinschaft (WGR) hat zwei Sitze, die FDP einen. CDU und WGR bilden die Mehrheitsfraktion. Die SPD hat sich mit der FDP zu einer Gruppe zusammengeschlossen.
Zu Beginn erklärte Stegmiller kurz die Gründe für seinen Antrag. Er wolle damit mehr Transparenz in der Kommunalpolitik erreichen. „Jeder Ratsfrau und jedem Ratsherrn soll das Recht eingeräumt werden, als Zuhörer an den VA- Sitzungen teilzunehmen”. Die momentane Praxis im VA genüge ihm nicht, sie weise ein Demokratiedefizit auf. Nachvollziehbarkeit und Öffentlichkeit seien, sofern keine Geheimhaltungsvorschriften berührt würden, erforderlich, damit der Wähler die Entscheidungen seiner Vertreter auch verfolgen und nachvollziehen könne. Stegmiller führte weiter aus, dass es zum Beispiel in Bad Nenndorf oder im Kreistag diese Öffnung des VA für die Ratsvertreter bereits geben würde.
Unterstützung für den Antrag kam offen von Joachim Stürck (CDU), der den Antrag für „zeitgemäß” hielt und Volker Dahle (CDU). Auch der SPD-Fraktionschef Hans-Dieter Brand äußerte sich im Verlauf der Aussprache so, dass man dies als Zustimmung für das Ansinnen seines Gruppenkollegen von der FDP hätte werten können. Brand sprach in einer Art Grundsatzrede von „Fairness und Offenheit” gegenüber den politischen Kontrahenten. Ganz klare Ablehnung kam dagegen von CDU-Fraktionssprecher Carsten Schulz. Er witterte gleich „Populismus” hinter dem Antrag von Stegmiller.
Auf Antrag von Friedrich Hardekopf (CDU) wurde geheim abgestimmt. Die Wahl ergab dann folgendes: Elf Ratsvertreter stimmten gegen den Antrag, acht waren dafür. Eigentlich hätte der Antrag mit den neun Stimmen der Gruppe SPD/FDP und drei Stimmen aus der CDU (Stürck, Dahle, Sebastian Klein) glatt „durchgehen” müssen.
Stegmiller erklärte nach der Sitzung seine Enttäuschung über den Ausgang der Wahl. „Mich hat besonders geärgert, dass offensichtlich nicht der Mut besteht, offen im Rat seine Meinung zu zeigen”. Die Abstimmung habe vielmehr gezeigt, dass die Mehrzahl lieber weiter im Verborgenen agieren möchte und taktische Spielchen bevorzugt. Nach Ansicht des FDP-Ratsherrn hätte offen über den Antrag abgestimmt werden müssen. „Stattdessen wurde von einem Ratsherrn der Mehrheitsfraktion die geheime Abstimmung beantragt, um Teilen der Gegenseite das Überlaufen zu erleichtern ohne sich öffentlich erklären zu müssen”.
„Das acht zu elf Ergebnis war ernüchternd für mich”, so der frustrierte Stegmiller. Wenn man die neun Stimmen der SPD/FDP Gruppe mit den drei Befürwortern von der CDU addiert, komme man auf zwölf Stimmen. Bei 19 Ratsvertretern insgesamt wären dann noch sieben Gegenstimmen zu erwarten gewesen. „Der Antrag hätte also glatt durchgehen müssen”. Das Ergebnis mache aber auch deutlich, dass vier Ratsvertreter „falsch” gespielt hätten, und die kämen ganz offensichtlich aus den Reihen der eigenen Gruppe.
Er könne damit leben, wenn einer oder zwei gegen den Antrag gestimmt hätten. Aber vier seien immerhin die Hälfte der Gruppe. Er müsse sich daher die Frage stellen, ob eine weitere Zusammenarbeit überhaupt noch Sinn mache. In einer nächsten Fraktionssitzung soll das Thema noch einmal auf den Tisch kommen. Möglich sei für ihn auch, sich von der SPD zu lösen und als Einzelvertreter für die FDP im Rodenberger Rat weiter zu machen.