Viele werden sich am Donnerstagvormittag über die kleinen „Völkerwanderungen” durch die Lange Straße und den Bürgerpark hoch gewundert haben. Die Frage „Wo wollen die denn hin, mit Stühlen und Kühltaschen?” konnte sich jeder beantworten, der sich ebenfalls hoch zum Rodenberg begab. Der Aufstieg lohnte sich, denn so wurde man Zeitzeuge eines ganz besonderen Augenblicks. Nach dem verheerenden Brand vor drei Jahren stand die Windmühle ohne Haube und Flügel da. Jetzt erstrahlt sie wieder in neuem Glanz und den Moment, in dem die Haube aufgesetzt wurde, wollten sich viele Schaulustige zu Recht nicht entgehen lassen.
Sie beobachteten aus sicherer Entfernung, wie der Kranführer die 15 Tonnen schwere Haube erst auf einem benachbarten Feld ablegte, um sie von dort in Millimeter kurzen Schritten auf den Mühlenkörper aufzusetzen. Keine leichte Aufgabe, die Kranführer und weitere Handwerker am Rande zeitweise mit Kontakt über Funk meisterten. Zuhörer, Mühlenbauer und Arbeiter atmeten erst auf, als die Mühlenhaube sicher auf dem Mauerwerk positioniert war.
Auch dem NDR 1 Hörfunk war die spektakuläre Aktion eine kurze Reportage in den Regionalnachrichten am frühen Abend wert. Der Reporter fand in Grabemann einen kundigen Interviewpartner, der trotz der eigenen Anspannung geduldig Rede und Antwort stand. Grabemann verriet den umstehenden Zuschauern unter anderem, dass die Stadt Rodenberg am 18.März 1850 für 6000 Reichstaler den Bau der Windmühle in Auftrag gegeben hatte. Am 18. März 1977 fand die Gründungsversammlung der Interessengemeinschaft Windmühle statt. Am 30. Juli 1850 war am Bauwerk der Windmühle Richtfest gefeiert worden und am 30. Juli 2008 wurde die nach dem Brand zerstörte Mühlenhaube durch eine neue ersetzt.
„Was für ein schöner Tag für Rodenberg”, rief Bürgermeister Günter Altenburg begeistert aus. Die große Schar von Zuschauern zeigte sich ebenfalls angetan von der Szenerie. Auch von dem handwerklichen Geschick der Spezialisten von den Firmen Hartmann aus Rodenberg und Pätzmann aus Winsen/Luhe, die die vier Flügel mit jeweils vier Bolzen an der Nabe befestigten. Zuvor hatte der zweite Vorsitzende der Interessengemeinschaft, Helmut Weikert, noch einen besonderen Einsatz zu erledigen. Aus dem Rest des Stammes für die Flügelwelle hatte er einen Tischblock angefertigt, der per Hubwagen in das Innere der Mühle transportiert wurde, um dort einen Stammplatz zu erhalten.
Ende August soll rund um die Rodenberger Windmühle ein großes Fest stattfinden. Mit einem „Tag der offenen Tür”, historischen Aufführungen und einer Ausstellung soll das Ereignis gebührend gewürdigt werden. Foto:pd