Großklinikum, Bildhauersymposium, Rathausumbau: Im Jahr 2012 gab es in der kleinen Bergstadt am Rande des Bückeberges viel Gesprächsstoff. Redakteurin Sandra Walschek hat für das Schaumburger Wochenblatt (SW) mit Bürgermeister Oliver Schäfer über seine Sicht der Dinge gesprochen. Und dazu gehören bei ihm auf jeden Fall Berliner und ein großes Lob für den Verein des Internationalen Obernkirchener Bildhauersymposiums.
SW: Was ist ihr persönlicher Höhepunkt der Stadt im Jahr 2012?
Schäfer: Das ist die Rückkehr in das eigentliche Rathaus. Ich bin den Firmen dankbar, dass sie trotz mancher Erschwernis, es geschafft haben den Zeitplan einzuhalten, und dass jetzt auch wirklich die Umbauarbeiten zum Jahresende erledigt sind. Es gibt zwar noch ein paar Kleinigkeiten die gemacht werden müssen, aber grundsätzlich ist das Haus jetzt funktionsfähig. Ich glaube, dass ist auch ein Thema was in der Stadt sehr viele Leute beschäftig hat.
SW: Welche Entwicklung sehen Sie besonders negativ?
Schäfer: Negativ? Also das ist immer schwer das Negative bewusst im Kopf zu haben. Ich kann mich rückblickend an positive Dinge besser erinnern. Im Großen und Ganzen bin ich mit den Entscheidungen die der Rat getroffen hat und die ich selber zu verantworten habe zufrieden. Wenn man jetzt mal einen Negativpunkt rauspickt, dann ist das die Insolvenz des Gemeinschaftswerkes Krainhagen. Jetzt versteht natürlich auch dieses Konstrukt nicht jeder, das kann ich nachvollziehen. Wichtig ist die Botschaft, die Gaststätte kann oben weiter betrieben werden. Keiner braucht Angst haben, dass da oben zugemacht wird. Die Rahmenbedingungen für diesen Verein waren nicht so, dass er den Geschäftsbetrieb weiter hätte realisieren können. Jetzt haben wir eine andere Lösung gefunden. Die Berghütte und die Bürgerstuben sollen an einen Privaten veräußert werden und ich glaube, wenn dann die Anlage in einer Hand ist, dass dann auch die Zukunft da oben gesichert ist. Der Herr Hübner ist nach wie vor der Pächter und soll das auch weiterhin bleiben.
SW: Und was hat sich Positives für die Stadt ergeben?
Schäfer: Wir haben Förderprogramme für die Innenstadt aufgelegt. Diese werden mittlerweile rege nachgefragt. Das Einzige wo wir ein bisschen hinterher hinken ist die Unterstützung wenn es darum geht, diese Immobilien zu veräußern. Da gibt es lukrative Förderungen die wir hier anbieten. Aber was Immobilien-Umgestaltung angeht, das Herrichten für eine wohnliche oder gewerbliche Nutzung, dass findet immer stärkeren Anklang. Davon haben zahlreiche Geschäfte in der Innenstadt schon profitiert. Auch wenn das nicht jeder mitbekommt, wer eine Förderung erhält – das ist auch nicht Sinn oder Zweck der Sache – sondern hier werden Eigentümer in die Lage versetzt, Räumlichkeiten besser zu vermarkten. Und da unterstützt die Stadt massiv. Dadurch sind kleinere Leerstände beseitigt worden. Oder ein Leerstand ist verhindert worden. Schade ist, dass wir immer noch die größeren Einheiten hier haben: Aldi, Rossmann, der ehemalige Plus wo sich derzeit keine Nachfolger finden.
SW: Sie sehen das Klinikum als große Chance, wovon genau wird Obernkirchen profitieren?
Schäfer: Erst mal muss man sehen, es gibt mehr Arbeitsplätze in Obernkirchen. Natürlich werden bestehende Arbeitsverhältnisse mit in das Klinikum übernommen, aber man weiß auch, solche Betriebe haben eine entsprechende Personalfluktuation. Wer dann neu in das Projekt kommt, der wird nach Obernkirchen kommen um arbeiten zu können. Arbeitsplätze für einen Wohnort - und ich glaube, Obernkirchen muss sich als Wohnort etablieren, sind besonders wichtig. Also viele qualifizierte Arbeitsplätze in der Nähe zu haben ist für Obernkirchen wichtig. Viele sprechen die auswärtige Lage in der Feldmark an, aber ich habe das schon mehrfach angedeutet, wir werden ein Anrufbus-System aufbauen. Dafür haben wir jetzt zwei Jahre Zeit. Wir werden uns nach Fördermitteln an der Stelle erkundigen, um zum einen das Klinikum schneller mit der Innenstadt zu verbinden und um gleichzeitig dafür zu sorgen, dass Menschen in unserer Stadt die Möglichkeit haben zu Nahversorgungspunkten schneller zu kommen. Es wird nicht nur Pendelverkehr Klinikum-Innenstadt sein.
SW: Hat es bereits Anfragen von Unternehmern gegeben?
Schäfer: Es gibt einige Leute die hier in Obernkirchen ihre Tätigkeit aufgenommen haben, weil sie wissen, dass das Klinikum hier seinen Standort finden soll. Nicht jeder wird das nach außen entsprechend darstellen. Er möchte ja auch versuchen, eine der wenigen zu sein die davon profitieren. Wir erhoffen uns natürlich auch, durch das Klinikum den ein oder anderen Wohn-Leerstand hier beseitigt zu bekommen beziehungsweise die Nachfragen nach Baugrundstücken über zahlreiche Baulücken oder freie Bauplätze die wir hier noch haben. Ich spreche nicht von einer Neuausweisung. Das sich hier jemand ansiedeln wird, ist sicherlich mittelfristig. Weil derjenige der im Krankenhaus arbeitet erst dort bleibt wo er wohnt. Aber es kann durchaus interessant sein für Personen aus Hannover oder Minden.
SW: Das Asphaltmischwerk hat in Stadthagen gleiche Reaktionen unter den Bürgern verursacht wie das Großklinikum – wie sehen Sie die Lage bei den Nachbarn?
Schäfer: Ich will nicht das Verfahren vom Asphaltmischwerk hier besprechen, aber ich sage mal rückblickend auf unser Projekt Krankenhaus: Uns wird ja eine mangelnde Transparenz vorgeworfen. Aber ich glaube die Stadt Obernkirchen hat von Anfang an mit zahlreichen und frühzeitigen Bürgerbeteiligungen klar und offen gesagt, wo in Obernkirchen ein Krankenhaus entstehen könnte. Und es hat aus meiner Sicht keine Vorfestlegung auf diesen Standort gegeben, wir haben ein separates Verfahren durchgeführt. Das dieses Verfahren zu einem gleichen Ergebnis geführt hat, das liegt meiner Meinung nach daran, dass bei den Vorüberlegungen seitens des Landkreises und der Projektgesellschaft, schon auf vielerlei Fachkompetenz zurückgegriffen worden war. So dass die Grundstücksauswahl dann folgerichtig auf die sogenannte Fläche F in der Vehler Feldmark gefallen ist. Als Bürgermeister steht es mir nicht zu über eine andere Kommune eine Wertung abzugeben. Ich meine aber auch von außen festzustellen, genau wie in Obernkirchen, dass zu öffentlichen Sitzungen des Rates eingeladen worden ist. Öffentlich. Das haben wir genauso getan. Leider ist zu verzeichnen, dass zu diesen öffentlichen Veranstaltungen kaum Bürger erscheinen. Es wird über öffentliche Bekanntmachungen informiert, über die Presse, über das Internet und im Nachhinein dann zu sagen „wir sind nicht beteiligt worden” finde ich nicht richtig.
SW: Gibt es konkrete Pläne, was 2013 auf die Bergstadt zukommen wird?
Schäfer: Das mag zwar keine öffentlich-wirksame Entscheidung sein, aber für die Stadt hat es eine besondere Bedeutung. E.On Westfalen-Weser steht zum Teil zum Verkauf. Soll bedeuten, ein Eigentümer E.Ons will sich aus dem Unternehmen verabschieden und bietet den kommunalen Eigentümern ihre Anteile zum Verkauf an. Für Kommunen können unter Berücksichtigung aller Risiken, dort Erträge erzielt werden die sie sonst in anderen Bereichen nicht erzielen können. Eine Rendite-Erwartung zwischen 6 bis 8 Prozent nach Steuern ist für eine Kommune immer noch ein sehr attraktives Ergebnis und da ist die Frage, kann sich die Stadt Obernkirchen in diesem weiteren Verfahren vorstellen sich zu beteiligen, um hier einen Punkt der Daseinsvorsorge, also Stromversorgung mit zu gewährleisten. Sonst wäre die Alternative zu überlegen, nein, wir können das vielleicht selber mit einigen wenigen anderen besser. Das Thema Re-Kommunalisierung spielt eine große Rolle. In einem großen Verbund liegt die Kompetenz bei den Mitarbeitern die jetzt schon in dem Unternehmen beschäftigt sind, und wenn es möglich ist die zu erhalten bei dem Nachfolge-Unternehmen was sich hoffentlich bilden wird, dann ist das Thema dauerhafte und sichere Energieversorgung auf Jahre hinaus sichergestellt. Das kann die Zukunft der Stadt sehr stark beeinflussen.
SW: Wie stehen Sie zum Großereignis Bildhauersymposium?
Schäfer: Das Symposium in Obernkirchen hat einen ganz besonderen Stellenwert. Ich finde, dass ist eine herausragende Leistung eines kleinen Vereines hier alle drei Jahre für ein Highlight in unserer Stadt und ich meine, mindestens auch für den Landkreis Schaumburg zu sorgen. Um Künstler vor Ort tätig zu haben und sie mit Kunstinteressierten oder vielleicht auch weniger kunstinteressierten Einwohnern, die aber ein Faible für dieses Symposium, für den Rahmen entdeckt haben, hier zusammen zu bringen. Manche rechnen in Olympiaden, dass sind vier Jahresschritte, und wir rechnen immer die Zeit vom einen Symposium zum nächsten. 2015 soll das nächste Symposium stattfinden. In dem Jahr hat die Stadt ein Doppeljubiläum 400 Jahre Stadtrechte und 450 Jahre Fleckenrechte. Ohne das Symposium hätten wir nicht unseren Skulpturenpfad. Die Besucher haben etwas schätzen gelernt, wo sie gern wiederkommen. Da hat sich etwas draus entwickelt, ich glaube nicht, dass die Gründer des Symposiums es so erwartet haben.
SW: Sind im nächsten Jahr derartige Veranstaltungen geplant?
Schäfer: Im nächsten Jahr soll wieder ein La-Fleché-Park Fest stattfinden. Das soll sich im Grunde genommen mit dem zukünftigen Barbarossa-Fest abwechseln. Es wird immer ein solches ehrenamtliches Fest im Jahr geben. So dass in einem Jahr das La-Fleché-Park Fest als Ersatz für den Frühlingsmarkt fungiert. Und im nächsten Jahr machen wir das größere Fest ( Anm. der Red.: Barbarossa-Fest) in Erinnerung an unseren Barbarossamarkt und zur Aufrechterhaltung der entsprechenden Marktfestsetzung. Ich rede jetzt nur über diese beiden, es gibt natürlich noch ganz viele andere Feste in der Stadt. Ansonsten soll es 2013 ein Event in der Lieth-Halle geben. Der Männergesangverein will dort eine zweitägige Musikveranstaltung organisieren. Mit Musik aus ganz unterschiedlichen Richtungen. Es ist nicht nur der Männergesangverein der dort singt, sondern die Idee ist entstanden als 18 Gruppen und Vereine eine CD hier gemeinsam aufgenommen haben. Da war die Frage, ob es nicht möglich wäre eine solche Musikveranstaltung von uns organisiert hier selber durchzuführen. Da ist für jeden Geschmack etwas dabei.
SW: Berliner oder Krapfen?
Schäfer: Also ich sage Berliner. Berliner gehören genauso dazu wie das Bleigießen.
BUZ: Mit Sandstein lässt sich bauen: Für Bürgermeister Oliver Schäfer hat das Bildhauersymposium einen ganz besonderen Platz in der Bergstadt Obernkirchen eingenommen.