Schaumburger Wochenblatt
  1. Von Schmeicheleien bis zum tiefen Fall

    Ehemaliger Kriminalbeamter warnt vor "Loverboys" / Viele Fallbeispiele

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    ALTENHAGEN II (al). Keine leichte Kost hat Manfred Herrmann seinen Zuhörern im Altenhäger Dorfgemeinschaftshaus beschert. In der regelmäßigen Vortragsreihe, die die Arbeitsgemeinschaft der örtlichen Vereine an einem Donnerstag im Monat anbietet, berichtete der ehemalige Kriminalbeamte über den Weg junger Frauen in die Abhängigkeit. "Die Gefahr läuft auch hier und nicht nur in Hannover", warnte er aus langjähriger Erfahrung. Herrmann nahm "Biggi" als Beispiel. Die fiktive Person, deren Leben er in einem gleichnamigen Buch beschrieben hat, steht für nach eigenen Angaben mindestens 35 Frauen aus dem Milieu, die ihm ihre Lebensgeschichte anvertraut haben. Deren Erzählungen ähneln sich: Dem ersten zufälligen Kontakt durch einen fingierte Berührung folgten Schmeicheleien, Komplimente, Geschenke und der Anspruch auf immer mehr Gefälligkeiten auch in sexueller Hinsicht. Die weiteren Schritte gingen immer tiefer in den moralischen Abgrund mit Prostitution sowie Gefügigkeit durch Alkohol und Drogen. Herrmann berichtete von einem Fall, der für eine 17-Jährige mit einem glimpflichen "Skiunfall" im Harz seinen Anfang nahm und über den Irrglauben einer "großen Liebe" in die sexuelle Hörigkeit letztlich in eine Bordellstraße führte. Heute sieht er weitaus mehr Gefahren durch Smartphone, Facebook oder WhatsApp - schon bei Elf- bis 14-jährigen Mädchen. Eltern sollten gewarnt sein, wenn ihr Kind plötzlich über ein neues Handy verfügt, aufwendige Kosmetik, Schmuck oder Kleidung besitzt, "was das übliche Taschengeld nicht hergeben dürfte". Er sieht es in einem solchen Fall durchaus als legitim an, "die Handy-Kontakte Ihrer Kinder zu prüfen". "Loverboys" suchen ihre Opfer in Diskotheken, auf Schulhof oder Schulweg oder auch bei dörflichen Jugendveranstaltungen wie Erntefesten. "Doch selbst Schulleitungen ignorieren die Gefahr", beklagt Herrmann aus aktuellem Anlass. Er bietet seine Vorträge, die er unter anderem monatlich in der Bad Nenndorfer Landgrafenklinik hält, auch vor Klassen oder in Jugendeinrichtungen an. Und immer wieder sind erschütternde Schicksale dabei, wie die einer 15-Jährigen, die bereits drei Jahre als vermisst galt und in dieser Zeit in einer norddeutschen Großstadt in einem Bordell lebte. Seine bittere Bilanz: "Jedes vermisste Kind bedeutet Leid und die Gefahr, ins Milieu abgeglitten zu sein." Und er warnt vor dem trügerischen Irrglauben, "mein Kind tut so etwas nicht". Seine langen beruflichen Erlebnisse hätten ihn Anderes gelehrt. Foto: al

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