Bestimmt kennen auch Sie das: Sie haben Pläne gemacht, und dann kommt es ganz anders als man denkt! Oder es geschieht etwas, das auf den ersten Blick eine Katastrophe zu sein scheint, und im Nachhinein stellt man fest, dass es das vielleicht gebraucht hat.
Da hat jemand in jungen Jahren eine wichtige Prüfung verhauen. Zuerst fühlte es sich an, als ob eine Welt zusammengebrochen ist. Doch in späteren Jahren stellt dieselbe Person rückblickend fest: Es war ganz gut so, denn der Weg, den man dann gegangen ist, war der richtige. Statt die Schulbank zu drücken erst einmal etwas Praktisches gemacht und damit letztlich zufriedener geworden.
Oder ein Mensch, der einen Herzinfarkt erlitt. Gerade noch mal gut gegangen. Und plötzlich waren ganz andere Dinge wichtig: Weniger Arbeit, dafür mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen, aus Dankbarkeit ein Ehrenamt ausüben.
Nicht immer geht ein Schicksalsschlag gut aus, aber ich habe es schon häufiger erlebt, dass Betroffene am Ende versöhnt waren mit dem, was ihnen widerfahren ist, und sich etwas zum Guten gewendet hat, was man am Anfang nicht vermutet hätte.

Hierzu passt eine Geschichte, die ich vor ein paar Jahren gelesen habe. Sie erzählt von einem alten Mann, der mit seinem Sohn eine kleine Farm bewirtschaftet. Wiederholt passieren ihnen Dinge, die von den Nachbarn als großes Unglück oder aber als außergewöhnliches Glück bewertet werden: So läuft ihnen zuerst ihr einziges Pferd davon, das aber nach einer Weile eine Herde Wildpferde mit sich bringt. Dann bricht sich der Sohn bei dem Versuch, eines der Wildpferde zuzureiten, ein Bein. Doch kurz darauf bricht ein Krieg mit dem Nachbarland aus; alle jungen Männer werden eingezogen, doch der Sohn des alten Mannes darf wegen des Beinbruchs zuhause bleiben.
Das Besondere an dieser Geschichte ist, dass jedes Mal, wenn etwas geschieht, das von außen wechselweise als Unglück oder Glück betrachtet wurde, der alte Mann darauf erwidert: „Wer weiß, … wer weiß, wozu es gut ist?“

Zuerst irritiert dieser Ausspruch. Wie kann jemand alles so gleich-gültig hinnehmen? Und doch beeindrucken mich die Worte des Mannes auch, denn sie eröffnen einen Lebenshorizont, der ganz eng mit dem Glauben verbunden ist. Es geht nicht darum, jeder Situation immer nur das Positive abzugewinnen, sondern es geht darum, jede Situation unter der Perspektive der Macht Gottes zu sehen. Diese Macht Gottes, welche größer ist als alles menschliche Tun, als alles menschliche Denken und Wollen.
Ein Bibelwort des Propheten Jesaja bringt es auf den Punkt: „Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.“ (Jesaja 55,8-9)

Diese Worte bei Jesaja sprechen mich auch persönlich an, denn sie zeigen mir, dass es manches zwischen Himmel und Erde gibt, das unverfügbar ist, und dass wir Menschen trotz sorgfältiger Planung nicht alles in der Hand haben können. In diesem Sinne kann die Frage des alten Mannes auch uns helfen: Wer weiß, … wer weiß, wozu es gut ist?

An dieser Stelle möchte ich mich von Ihnen verabschieden, denn meine Zeit in Rodenberg geht diesen Sommer zuende. Mein neuer Wirkungsort wird dann Lüchow sein. Daher wünsche ich Ihnen hier im Schaumburger Land alles Gute. Bleiben Sie behütet!