Wie wäre es, wenn jemand Ihnen versprechen würde: Du sollst ein Leben in Fülle be-kommen! Könnten Sie das glauben? Woran denken Sie da im ersten Moment? An Zufrie-denheit, Glück, Erfüllung? Vielleicht aber regt sich auch Widerstand. Das Leben ist eben keine Einbahnstraße, es ist ein Weg voller Kurven, Auf und Abs, mit Zeiten der Angst, voll von Schmerz und Leid. Und meistens trifft uns die Schattenseite des Lebens dann, wenn wir sie am wenigsten gebrauchen können. Passt das denn zur Fülle?
Es ist Jesus, der dieses Versprechen gibt. Und dieses Versprechen, ein Leben in Fülle zu schenken, steht als Monatslosung über dem August. Ein berühmtes Bild für Jesus ist das eines Hirten. So tritt er auch hier in Erscheinung. Hirten kennen ihre Schafe sehr gut, je-des einzelne. Sie leben zusammen mit ihnen und ziehen von Weide zu Weide, damit im-mer genug Nahrung da ist. Und die Schafe kennen ihren Hirten und wissen, dass sie sich auf ihn verlassen können. Denn im Ernstfall beschützt der Hirte sie auch vor allen Gefah-ren. Jemand, der Schafe nur für Geld hütet und nicht an den Schafen interessiert ist, der wird im Ernstfall fliehen. So einer ist Jesus nicht. Er ist wie ein guter Hirte!
Heute sind Hirten in unserem Alltag selten geworden. Doch dieses Bild hat nichts von seiner Kraft verloren. Jesus ist der gute Hirte, der sich hingebungsvoll um unser Leben kümmert. Um jedes einzelne Schicksal. Und für Menschen verspricht er: „Ich bin ge-kommen, damit ihr das Leben habt und es in Fülle habt.“ Jesus war bereit, sein Leben für seine Schafe einzusetzen. Das hat er vorgelebt. Er wollte Menschen Gutes tun und hat gezeigt, wie ein Leben aussehen kann, das von Liebe und Vertrauen getragen ist.
Vielleicht klingt das Bild von uns Menschen als Schafen heute erst einmal ungewohnt. Aber das Bild will ausdrücken, dass da einer ist, der uns kennt, uns nicht aus den Augen verliert und für uns einsteht.
Durch Jesus können auch wir ein Leben in Fülle haben. Auch in schweren, einsamen, leidvollen, schwierigen Zeiten ist er an unserer Seite. Er trägt uns, er versorgt uns und bleibt bei uns. Jesus ist der zuverlässige Hirte, an dem wir uns orientieren können. Für Jesus ist unser Leben so wichtig, dass er seins dafür hingegeben hat.
Leben in Fülle bedeutet deshalb nicht, dass unser Leben immer glücklich ist. Es bedeu-tet nicht, dass Krankheit, Leid oder Verlust aus unserem Leben verschwinden. Das Leben bleibt ein Weg mit Kurven, mit Auf und Abs. Aber auch in den schweren Zeiten bleibt die Zusage Jesu bestehen: Wir sind nicht allein.
Vielleicht ist das eine andere Vorstellung von einem erfüllten Leben, als wir sie sonst hö-ren. Ein erfülltes Leben ist nicht unbedingt ein Leben ohne Schatten. Es kann ein Leben sein, in dem die Schatten nicht alles verdunkeln. Foto: Wiebke Ostermeier