Mit den Sommerferien beginnt für viele Kinder und Familien eine besondere Zeit. Der Alltag tritt in den Hintergrund, Termine werden weniger und der Blick wird frei für das, was im Trubel des Jahres oft zu kurz kommt: Zeit füreinander, Zeit für die Schöpfung und Zeit für Gott. Ferien sind mehr als eine Pause vom Alltag. Sie erinnern uns daran, dass wir Menschen nicht dafür geschaffen sind, ständig zu leisten. Gott selbst hat den Rhythmus von Arbeit und Ruhe in die Schöpfung hineingelegt. Am siebten Tag ruhte Gott von seinem Werk (vgl. Genesis 2,2–3). Diese Ruhe ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck des Vertrauens: Die Welt dreht sich weiter, weil Gott sie trägt. Kinder verstehen dieses Geheimnis oft besser als Erwachsene. Sie leben im Augenblick. Sie staunen über einen Schmetterling, sammeln Steine am Wegesrand, beobachten die Wellen am Meer oder entdecken den Sternenhimmel. In ihrem Staunen wird etwas von Gottes Gegenwart sichtbar. Jesus stellt nicht ohne Grund ein Kind in die Mitte und sagt: „Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen“ (Mk 10,15).
Vielleicht sind die Ferien gerade deshalb eine Einladung, wieder neu sehen zu lernen – mit den Augen eines Kindes. Gottes Spuren finden sich nicht nur in großen Wallfahrtsorten oder beeindruckenden Kirchen. Sie begegnen uns im Lachen der Kinder, in einem stillen Wald, im Rauschen des Meeres, im Duft einer Sommerwiese und in der Freude über einen gemeinsamen Tag als Familie. Jesus selbst zog sich immer wieder an einsame Orte zurück, um zu beten und Kraft zu schöpfen. Zu seinen Jüngern sagt er: „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus.“ (Mk 6,31). Diese Einladung gilt auch uns. Gott erwartet nicht, dass wir ständig funktionieren. Er lädt uns ein, bei ihm zur Ruhe zu kommen und uns neu beschenken zu lassen. Vielleicht gelingt es in diesen Wochen, den Tag mit einem kurzen Gebet zu beginnen oder zu beenden. Vielleicht entsteht beim Wandern, am Strand oder im Garten ein Moment der Dankbarkeit. Wo wir Gott Raum geben, wird selbst die einfachste Ferienerfahrung zu einer Begegnung mit ihm. Mögen diese Wochen zu einer Zeit werden, in der nicht nur der Körper ausruht, sondern auch das Herz Frieden findet. Denn wer sich von Gott beschenken lässt, kehrt reich zurück – nicht unbedingt mit vollen Koffern, aber mit einer Seele, die neue Hoffnung geschöpft hat.
„Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.“ (Psalm 23).