Wer in diesen Tagen an den großen Flüssen unseres Landes spaziert, blickt auf ein erschreckendes Bild. Der Rhein führt historisches Niedrigwasser. Schiffe kommen nicht mehr voran. Wo sonst tiefe Strömung herrscht, kommen plötzlich Felsen zum Vorschein, die jahrzehntelang verborgen waren: die sogenannten Hungersteine. Unsere Vorfahren haben dort Botschaften eingemeißelt. Die bekannteste Inschrift lautet: „Wenn du mich siehst, dann weine“. Sie sind steinerne Tränen, Mahnmale der Dürre und der Not.
Auch bei uns im Schaumburger Land spüren wir die Trockenheit und die Sorge vor dem Wassermangel. Vielleicht haben Sie auch den Apell vernommen, mit Wasser verantwortungsvoll umzugehen. Gottseidank: unsere Region bleibt weitgehend von Naturkatastrophen verschont. Doch die ausgetrockneten Flussbetten halten uns einen Spiegel vor: Wir Menschen haben die Natur nicht im Griff.
In der Bibel finden wir beim Propheten Jeremia ein starkes Bild für solche Zeiten: „Gesegnet ist der Mensch, der sich auf den Herrn verlässt. Er ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hinstreckt. Er fürchtet sich nicht, wenn Hitze kommt.“ (Jeremia 17, 7 - 8)
Die freigelegten Hungersteine rufen uns heute zur Achtsamkeit und zur Bewahrung der Schöpfung auf. Doch das Wort Jeremias schenkt uns gleichzeitig eine tiefe Zusage: Selbst, wenn die sichtbaren Flüsse schwinden und die Hitze drückt, müssen wir innerlich nicht vertrocknen. Gott lädt uns ein, unsere Wurzeln tief in seine Hoffnung zu strecken. Seine Quelle der Kraft versiegt nicht – sie trägt uns auch durch die trockensten Tage.
Gemeinde