Das Schaumburger Bündnis gegen Depression hatte Ende Februar zu einem Fachtag in die Volkshochschule Schaumburg eingeladen. Gesundheits- und Sozialdezernentin Annika Friedrichs hob in ihrem Grußwort die Bedeutung der interdisziplinären und interkulturellen Netzwerkarbeit im Landkreis hervor. Zugleich warb sie für eine kultursensiblere Beratung, damit Menschen mit Zuwanderungs- oder Fluchtgeschichte leichter Zugang zum Hilfesystem finden.

Im Impulsvortrag stellten die Psychologin Nadja Böhm und der Psychologe Jan Krüger die Arbeit des Zentrums für Kultursensible Psychiatrie und Psychotherapie des Wahrendorff Klinikums in Hannover vor. Das Konzept stützt sich auf Mitarbeitende, die sprachliche und kulturelle Kompetenzen einbringen. Der Sozialdienst ist besonders zu Migration und Integration geschult. Als Besonderheit nannten die Referenten die Zusammenarbeit mit dem Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen. Die Kooperation ermöglicht zusätzliche Unterstützung durch ausgebildete Fachkräfte, die über eine Projektfinanzierung des Netzwerks in der Klinik mitarbeiten.

In der Podiumsdiskussion, die Sunita Kumar (ZePGis eingetragener Verein) moderierte, waren sich die Beteiligten einig: Stellen, die geflüchtete und zugewanderte Menschen unterstützen, müssen sich besser vernetzen. Klare Zuständigkeiten – auch bei der Finanzierung – sollen professionellen Beratenden und Ehrenamtlichen helfen, Hilfesuchende schneller und gezielter zu unterstützen. Die Diskutierenden betonten außerdem, dass es nicht immer sofort ein Therapieangebot brauche. Offenes Entgegenkommen, soziale Anbindung und die Stärkung individueller Ressourcen könnten bereits ein wichtiger erster Schritt zur Stabilisierung sein.

Als zentrale Säule nannten die Teilnehmenden auch Communities. Sie können kulturell bedingte Vorurteile gegenüber psychischen Erkrankungen abbauen und zugleich Wissen über Beratungs- und Therapiemöglichkeiten vermitteln. Damit helfen sie, Barrieren beim Zugang zum Gesundheitssystem für Menschen mit Flucht- oder Zuwanderungsgeschichte zu überwinden.

Neben Vorträgen und Diskussionen nutzten die Gäste den „Markt der Möglichkeiten“ zum Austausch. An 13 Ständen stellten sich Beratungs- und Hilfsangebote aus Schaumburg vor; zugleich entstanden erste Ideen, wie sich die interkulturelle seelische Versorgung im Landkreis verbessern lässt. Einen besonderen Eindruck hinterließ das interkulturelle Catering, das das Foodlab-Team von ZePGis servierte.

Der Fachtag bildete den Auftakt, um Perspektiven für interkulturelle seelische Gesundheit in Schaumburg zu entwickeln. Erste Lösungsansätze kamen vom Podium und aus dem Publikum. Das Organisationsteam des Schaumburger Bündnisses gegen Depression – zusammengesetzt aus der Arbeitsgruppe Flucht und Depression sowie Teilen der Lenkungsgruppe – freute sich über das große Interesse und viele positive Rückmeldungen. Wer im Bündnis mitarbeiten möchte, erhält Informationen bei der Koordinierungsstelle per E-Mail an schaumburger-buendnis-gegen-depression@paritaetischer.de oder telefonisch unter 05722 9522-20.