Letzten Sonntag war Muttertag. Wie viele Kinder haben ihrer Mama stolz ihre selbstgemalten Bilder oder gebastelten Geschenkchen in die Hand und einen dicken, nassen Schmatzer auf die Wange gedrückt! Wie viele Blumensträuße wurden überreicht! Wie viele Besuche zu Mamas und Omas wurden unternommen! Sicher, es gibt auch Kritik am Muttertag. Manch einer meint, es sei doch schäbig, an einem einzigen Tag die Mütter zu würdigen, während man den Rest des Jahres alles für selbstverständlich nimmt. Und mancher hält den Muttertag ohnehin für überholt.
Ich selber jedenfalls bin sehr dankbar für meine Mutter – und für meine Frau, die Mutter unserer Kinder. Ein gutes Verhältnis zur Mutter zu haben, ist ein großes Geschenk. „Das ist ja wie bei Muttern!“ – So sagt man, wenn einen etwas an Zuhause erinnert. Und wenn das Essen so schmeckt, wie wir es aus Kindertagen gewohnt sind, heißt es: „Futtern wie bei Muttern”. Dann kommt das Gefühl von Heimat und Geborgenheit auf. Es ist spannend, dass Gott, den Jesus uns als liebenden Vater, als „Abba“ (= „Papa“) vorstellt, sich selbst in der Bibel auch mit einer Mutter vergleicht: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“ (Jesaja 66,13).
Bei Gott können wir diese Geborgenheit und diesen Trost finden, den kleine Kinder bei ihrer Mama finden. Da werden Erinnerungen wach, wo wir Trost suchend zur Mutter gerannt sind. Wo Mama uns in den Arm genommen, die Tränen getrocknet, mit der Hand über den Kopf gestreichelt hat. Gott sagt: Komm zu mir! Komm nach Hause! Das ist wie bei Muttern…
Dieses Bild beinhaltet auch die Einladung Gottes an uns, noch einmal Kind zu werden. Sein Kind. Durch den Glauben an Jesus Christus werden wir zu Kindern Gottes. Jesus sagt: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, dann werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.“ (Matthäus 18,3). Sollen wir naiv oder kindisch sein? Keinesfalls. Aber es gibt manches, was wir von Kindern lernen können.
Kinder können lachen! Sie lachen rund 20mal so viel wie Erwachsene. Im Schnitt rund 400mal pro Tag. Ich staune, wie bei Kindern manchmal nach schlimmen Tränen so schnell wieder Lachen kommen kann. Vielleicht können wir lernen: Auch in schweren Zeiten dennoch die Lichtblicke zu sehen. Aber Kinder können natürlich auch weinen! Und das können wir ebenso von ihnen lernen. Unbefangen zu weinen. Den Tränen auch mal freien Lauf lassen. Gott sieht unsere Tränen und steht uns bei. Kinder sind meist nicht nachtragend. Da gibt es mal Streit und Zank, aber Minuten später spielt man wieder zusammen. Und bei uns Erwachsenen? So oft steht da monatelang eine unsichtbare Mauer zwischen Menschen wegen eines Streits. „Werdet wie Kinder“ heißt auch: Lernt zu verzeihen. Und weiter: Kinder können vertrauen. Als ich als kleiner Junge mal auf eine hohe Mauer geklettert bin und mich nicht mehr alleine runtergetraut habe, da stand Papa mit weit ausgebreiteten Armen da und sagte: „Spring!“ Und ich sprang. Ich wusste: Papa fängt mich auf. Natürlich gehört zum Glauben als Erwachsener auch Zweifeln und rationales Hinterfragen. Aber manchmal muss man einfach im Vertrauen springen. Besonders wichtig: Kinder können sich beschenken lassen. Wir Erwachsenen tun uns schwer damit. Wollen so oft bezahlen, verdienen, Gegenleistung bringen. Doch Glaube heißt: sich von Gottes Liebe reich beschenken lassen. Schon hier auf dieser Erde. Aber erst recht im Himmel. Der wird in der Bibel mit einem großen Festessen verglichen. Da können wir „futtern wie bei Muttern“.