Nur 20 Tage hat es gedauert, bis nach dem verheerenden Brand in der vom Kinderschutzbund Rinteln angemieteten Direktorenvilla ein neues Zuhause für die Hortkinder und alle weiteren Aktivitäten des Kinderschutzbundes gefunden werden konnte. In der vom Landkreis sanierten ehemaligen IGS in der Ostertorstraße wird der Kinderschutzbund etwa 300 Quadratmeter im Seitentrakt der ehemaligen Mensa erhalten. Warum das so schnell geklappt hat, was mit der Direktorenvilla passiert und warum es auch mit den möglicherweise einziehenden „vulnerablen Gruppen“ von Geflüchteten einen guten Synergieeffekt haben kann.
Es war ein freudiger Anlass aus traurigem Grund. Normalerweise wäre der Kinderschutzbund in seiner „Villa Kunterbunt“ gerne weiter seiner Arbeit nachgegangen, doch am 9. Mai brannte es in der Direktorenvilla hinter der ehemaligen IGS an der Klosterstraße – und die Schäden durch Feuer und Wasser ließen das nicht zu. Zeitweise ging man sogar von einem einsturzgefährdeten Gebäude aus. Schon in der Nacht des Brandes trafen sich Bürgermeisterin Andrea Lange und die Vorsitzende des Rintelner Kinderschutzbundes, Petra Rabbe-Hartinger, zu einem ersten Krisengespräch mit der Frage: „Wie und vor allem wo geht es weiter?“ Dass es weitergehen muss mit der Arbeit des Vereins, stand nie zur Diskussion.
Kinderschutzbund, Stadt und Landkreis zünden Turbo
Sehr schnell nahm man auch die Erste Kreisrätin Andrea Stüdemann vom Landkreis Schaumburg mit ins Boot und jetzt, nach gerade einmal 20 Tagen, fand ein Pressetermin am ehemaligen IGS-Standort in der Ostertorstraße statt, wo man stolz das neue Interimsquartier vorstellen konnte. Der Landkreis hatte die ehemalige Schule eigentlich für geflüchtete Menschen saniert, doch die Zahlen sind derzeit so rückläufig, dass der Seitentrakt, also der Gebäudeteil der ehemaligen Mensa, nun dem Kinderschutzbund zur Verfügung gestellt werden konnte.
Es geht um mehr als nur ein Dach über dem Kopf
Bürgermeisterin Andrea Lange betonte: „Es geht nämlich um mehr, als nur ein Dach über dem Kopf zu haben!“ Es brauche für die Kinder ein neues Zuhause, auch wenn es nur eine Übergangslösung sei. „Hier stimmt alles“, freute sich auch Petra Rabbe-Hartinger, denn die Lage mitten in der Stadt sei optimal, zumal einige der Eltern der betreuten Kinder nicht mobil seien und somit ein Objekt in einem Ortsteil schwierig gewesen wäre.
Angebote gab es reichlich
Die Welle der Hilfsbereitschaft war nach dem Brand großartig. Andrea Lange lobte die vielen Angebote von Bürgern zur Unterstützung des Kinderschutzbundes: „Da freut man sich, in dieser Stadt zu leben!“ Auch Petra Rabbe-Hartinger zeigte sich stark bewegt von den vielen Hilfsangeboten. Doch viele der Immobilien wären für die Arbeit des Kinderschutzbundes nicht geeignet gewesen, denn besonders der Hort brauche ein vom Land genehmigungsfähiges „Zuhause“. Deshalb ist sie froh darüber, dass der Landkreis mit der ehemaligen Schule am Ostertor eine voll durchsanierte Immobilie zur Verfügung stellen konnte, in der die Arbeit sofort weitergehen kann. Am 8. Juni ist dort Start mit allen Angeboten des Kinderschutzbundes.
Sporthalle bald wieder einsatzfähig
Ein weiterer Pluspunkt des Standortes an der Ostertorstraße: „Die Sporthalle ist weitgehend geräumt und nach den Sommerferien wieder für Vereins- und Schulsport einsatzbereit“, so Andrea Stüdemann. Das ist auch für den Kinderschutzbund gut, denn Sportangebote bietet der Verein auch. Miete und Nebenkosten für die Räumlichkeiten werden weiterhin über den städtischen Zuschuss für den Kinderschutzbund finanziert und der Landkreis selbst zählt zu den größten finanziellen Unterstützern der Arbeit des Vereins. Nach jetzigem Stand könnte der Kinderschutzbund während der Zeit der Sanierung der brandbetroffenen Direktorenvilla – geschätzt werden bis zu zwei Jahre – in seinem Übergangsdomizil bleiben. Schon jetzt steht fest: „Das Haus kann nach derzeitigen Einschätzungen gerettet werden“, so Andrea Lange, doch noch geben sich die Sachverständigen bei der Begutachtung die Klinke in die Hand. Wann im restlichen Gebäudebestand Flüchtlinge einziehen werden, das sei derzeit noch Kaffeesatzleserei, so Andrea Stüdemann. Doch wenn, dann sollen es vorrangig vulnerable Gruppen wie alleinerziehende Mütter oder Schwangere werden – und dort sehe man auch gute Synergieeffekte mit der Arbeit des Kinderschutzbundes.
Es geht bei der Arbeit des Kinderschutzbundes um mehr als nur ein Dach über dem Kopf