Der Schaumburger Kreistag ist nach der Kommunalwahl vom 13. September nun amtlich festgestellt. Die Kreiswahlleiterin Astrid Otto gab die Ergebnisse bekannt. Die SPD bleibt mit 16 Sitzen stärkste Kraft, die CDU folgt mit 13 Mandaten. Ganz neu im Kreisparlament vertreten sind das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) und die Wählerinitiative Rintelner Interessen (RI): Beide ziehen erstmals mit jeweils einem Sitz in den Kreistag ein.
Damit wird die politische Landschaft im Kreishaus breiter und kleinteiliger. Neben SPD, CDU, Grünen, WGS, FDP, Linken, Freien Wählern und AfD gehören künftig auch BSW und RI dem Kreistag an. Die 54 gewählten Mandate verteilen sich auf zehn Wahlvorschläge. Zusätzlich gehört die direkt gewählte Landrätin Andrea Stüdemann (SPD) kraft ihres Amtes mit Stimmrecht dem Kreistag an. Insgesamt zählt das Gremium damit 55 Mitglieder.
Die SPD verfügt damit über drei Mandate mehr als die CDU, ist von einer eigenen Mehrheit aber weit entfernt. Für Beschlüsse sind bei voller Besetzung in der Regel mindestens 28 Stimmen erforderlich. Die SPD kann deshalb nicht ohne verlässliche Partner regieren.
Verluste bei den großen Parteien
Die SPD verliert im Vergleich zur bisherigen Wahlperiode zwei Mandate, bleibt aber mit 16 Sitzen stärkste Fraktion. Deutlicher fällt das Minus bei der CDU aus: Sie kommt auf 13 statt bislang 17 Sitze und verliert damit vier Mandate. Auch die Grünen verzeichnen einen Rückgang um zwei Sitze und sind künftig mit fünf Abgeordneten vertreten. WGS und FDP verlieren jeweils ein Mandat und kommen nun auf drei Sitze. Zugewinne verzeichnen dagegen die Linken, die künftig drei statt bislang eines Mandats halten. Die größten Veränderungen ergeben sich allerdings nicht nur aus den Verlusten von SPD und CDU oder dem Zuwachs der AfD. Mit BSW und RI ziehen zwei neue Wahlvorschläge in den Kreistag ein. Die Freien Wähler halten ihr Mandat. Insgesamt verteilt sich die politische Arbeit damit auf deutlich mehr Fraktionen und Gruppen als in der vergangenen Wahlperiode. Das macht die Mehrheitsbildung im Alltag komplizierter, eröffnet aber zugleich mehr Möglichkeiten für wechselnde Bündnisse.
Kommunalwahl
Kreistag Landkreis Schaumburg 2026 · von links nach rechts
Den größten Zugewinn bei der Kreistagswahl verzeichnet die AfD. Sie ist künftig mit acht Abgeordneten vertreten. Das Ergebnis steht zugleich im Kontrast zur ablaufenden Wahlperiode: Seit Anfang 2025 bestand formal keine AfD-Fraktion mehr im Schaumburger Kreistag, denn die frühere AfD-Fraktion war 2025 faktisch zerfallen. Nachdem ein Mitglied die Fraktion verlassen hatte, benannte das verbliebene Zweiergespann die Gruppe auf Wunsch des AfD-Landesvorstands in „Fraktion für den Erhalt der kommunalen Finanzsouveränität“ um. Unter dem Namen AfD existierte damit im Kreistag keine Fraktion mehr.
Die beiden 2021 für die AfD gewählten Kreistagsmitglieder schafften den erneuten Einzug in das Kreisparlament übrigens nicht mehr, sie kandidierten als Einzelvorschläge und gehören der neuen Wahlperiode nicht mehr an. Die AfD startet personell somit mit einer vollständig neuen Mannschaft. Ihren Wahlerfolg kann die Partei allerdings nicht vollständig in Mandate umsetzen. Nach ihrem Stimmenanteil stünden ihr neun Sitze zu. Für den Wahlvorschlag waren jedoch nur acht Kandidatinnen und Kandidaten aufgestellt worden. Der neunte Sitz bleibt deshalb unbesetzt; er wird nicht an eine andere Partei oder Wählergruppe verteilt. Die AfD ist somit mit acht statt neun Abgeordneten vertreten.
Die meisten Einzelstimmen der gewählten Kreistagsmitglieder erhielt Ralph Tegtmeier (SPD) aus Nenndorf mit 3.444 Stimmen. Auf Platz zwei folgt der Stadthäger Jan-Philipp Beck (SPD) mit 2.659 Stimmen, Platz drei belegt Heiko Tadge (CDU) aus Stadthagen mit 2.553 Stimmen.
Weitere hohe persönliche Ergebnisse erzielten Jörn Lohmann (CDU) mit 2.237 Stimmen, Klaus-Hermann Oelke (AfD) mit 2.158 Stimmen, Konstantin Perdikas (AfD) mit 2.002 Stimmen, Ralf Sassmann (WGS) mit 1.979 Stimmen, Andreas Paul Schöniger (Freie Wähler) mit 1.977 Stimmen, Detlef Bienemann-Gronostaj (AfD) mit 1.931 Stimmen und Stephanie Saeger (AfD) mit 1.903 Stimmen.
Die Wahlbeteiligung bei der Kreistagswahl lag bei 62,8 Prozent. Sie stieg damit gegenüber 2021, als 57,0 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben hatten, deutlich an. Die amtliche Ergebnisübersicht weist 78.450 gültige Stimmen bei 80.461 Wählerinnen und Wählern aus.
Vor Beginn der neuen Wahlperiode kann sich die personelle Zusammensetzung noch ändern. Heiko Monden (SPD) wurde zum hauptamtlichen Samtgemeindebürgermeister in Sachsenhagen gewählt, Jörn Lohmann (CDU) zum hauptamtlichen Bürgermeister der Gemeinde Auetal. Beide können ihr Kreistagsmandat damit nicht antreten, sodass für sie Nachrücker festgestellt werden.
Auch bei Ralph Tegtmeier könnte es zu einem Wechsel kommen, falls er die Stichwahl um das Amt des Samtgemeindebürgermeisters in Nenndorf gewinnt. Die Sitzstärke der jeweiligen Fraktion bleibt davon unberührt; lediglich die personelle Besetzung würde sich ändern.
Die neue Sitzverteilung lässt keine einfachen Mehrheiten erwarten. Eine feste Zweierkoalition reicht rechnerisch nicht aus: Selbst SPD und CDU gemeinsam kämen zwar auf 29 Mandate und damit auf eine Mehrheit, doch alle anderen denkbaren Zweierbündnisse bleiben deutlich unter der nötigen Marke von 28 Stimmen.
Die SPD kann mit Grünen und Linken auf 24 Sitze kommen; mit der Stimme der Landrätin wären es 25 – weiterhin zu wenig für eine Mehrheit. Eine Zusammenarbeit von SPD, Grünen, WGS und FDP hätte 27 Stimmen; mit Landrätin Andrea Stüdemann ergäbe sich eine knappe Mehrheit von 28 Stimmen. In dieser Konstellation wäre jede Stimme wichtig. Auch auf der anderen Seite ist die Mehrheitsbildung anspruchsvoll. CDU, FDP, WGS und Freie Wähler kämen zusammen auf 20 Mandate. Rechnet man FDP, WGS und Freie Wähler hinzu, wären es 28 Stimmen.
Welche Bündnisse politisch überhaupt infrage kämen, ist offen und wäre angesichts der politischen Positionierungen der beteiligten Gruppen mit erheblichen Hürden verbunden.
Für den Kreistag spricht deshalb vieles für eine Wahlperiode mit wechselnden Mehrheiten. BSW, RI und die Freien Wähler könnten bei einzelnen Sachfragen ebenso wichtig werden wie Linke, Grüne, FDP oder WGS. Die neue Zusammensetzung zwingt die Fraktionen stärker zu sachbezogenen Absprachen, Kompromissen und flexiblen Bündnissen.
Die Sitzverteilung ist amtlich festgestellt, die Abgeordneten stehen fest – bis der neue Schaumburger Kreistag tatsächlich arbeitsfähig ist, folgen nun aber noch mehrere formale und politische Schritte. Den Auftakt bildet die konstituierende Sitzung, in der sich der Kreistag neu organisiert, Vorsitz und Stellvertretungen wählt sowie die Ausschüsse bildet. Einen konkreten Termin für diese erste Sitzung hat der Landkreis bislang noch nicht veröffentlicht. Fest steht: Die neue Wahlperiode beginnt am 1. November 2026; die konstituierende Sitzung muss in der Folge zeitnah einberufen werden. Der Kreistag besteht aus 54 gewählten Abgeordneten sowie Landrätin Andrea Stüdemann und hat damit 55 stimmberechtigte Mitglieder.
Nun werden erst einmal die Gewählten offiziell benachrichtigt. Sie müssen erklären, ob sie ihr Mandat annehmen. Die Sitzstärken der Parteien und Wählergruppen verändern sich dadurch nicht. Es geht ausschließlich darum, wer die Mandate persönlich übernimmt. Die endgültige personelle Liste kann deshalb erst nach den Annahmeerklärungen, möglichen Verzichtserklärungen und den erforderlichen Nachrückfeststellungen abgeschlossen werden.
Kommunalwahl
Kreistag Landkreis Schaumburg 2026
Mit Beginn der neuen Wahlperiode am 1. November endet die reguläre Amtszeit des bisherigen Kreistags. Die neue Vertretung übernimmt dann die politische Verantwortung für die nächsten fünf Jahre. Der Kreistag beschließt unter anderem den Kreishaushalt, entscheidet über wesentliche Fragen der Schulen in Trägerschaft des Landkreises, der Jugend- und Sozialhilfe, des Rettungsdienstes, des öffentlichen Personennahverkehrs, der Kreisstraßen, der Abfallwirtschaft und der Beteiligungen des Landkreises.
Die konstituierende Sitzung entscheidet daher nicht nur über formale Positionen. Sie legt fest, wie handlungsfähig der neue Kreistag von Beginn an sein wird: Wer führt die Sitzungen? Wie werden die Ausschüsse zugeschnitten? Welche Fraktionen und Gruppen arbeiten zusammen? Und wie tragfähig sind die Mehrheiten, wenn in den kommenden Monaten Haushaltsentscheidungen und große Infrastruktur- oder Sozialthemen auf der Tagesordnung stehen? Die ersten politischen Weichenstellungen werden damit bereits vor der ersten Sitzung getroffen – in Gesprächen zwischen den Fraktionen, bei der Bildung möglicher Gruppen und bei der Besetzung der Ausschüsse.
Sobald die Gewählten sich bei der Kreiswahlleitung zurückgemeldet haben und die Einspruchsfristen enden, werden wir die Namen der neuen Kreistagsmitglieder veröffentlichen.