Teil eins: Gekommen um zu bleiben | Schaumburger Wochenblatt

18.02.2026 12:03

Teil eins: Gekommen um zu bleiben

Typische Biberspuren sind entlang der Weser von Hameln bis nach Rinteln an vielen Stellen zu sehen.  (Foto: ste)
Typische Biberspuren sind entlang der Weser von Hameln bis nach Rinteln an vielen Stellen zu sehen. (Foto: ste)
Typische Biberspuren sind entlang der Weser von Hameln bis nach Rinteln an vielen Stellen zu sehen. (Foto: ste)
Typische Biberspuren sind entlang der Weser von Hameln bis nach Rinteln an vielen Stellen zu sehen. (Foto: ste)
Typische Biberspuren sind entlang der Weser von Hameln bis nach Rinteln an vielen Stellen zu sehen. (Foto: ste)

Der Biber ist zurück in Schaumburg; und zwar kräftig. Entlang der Weser von Hameln bis nach Rinteln kann man sie sehen, die Spuren von Biberaktivitäten. Warum der Biber beim NABU-Biber Experten ein hochwillkommener Rückkehrer ist und warum der Biber nicht überall gern gesehen ist, dazu befragten wir Ralf Schulte, Biologe und seit über 40 Jahren mit Bibern beschäftigt. „Seit Neuestem darf ich mich sogar geprüfter Bibersachverständiger des Landes Niedersachsen bezeichnen“, so Schulte. Er berät die Naturschutzbehörden der Stadt Hameln und des Landkreises Hameln-Pyrmont in Fragen des Biberschutzes und möchte die „...Grautöne zwischen der populistischen Schwarzmalerei von Anthony Lee und den holzschnittartigen Antworten des Landkreises (Schaumburg)“ in diesem Artikel herausarbeiten.

Zuerst klären wir einmal die Frage, warum Biber über viele Jahre als ausgerottet galten. Ralf Schulte hat dazu eine Antwort: „Biber sind nicht ausgerottet worden, weil ihre Bauten bei der Begradigung von Bach- und Flussläufen störten. Die Ausrottung des Bibers im 'industriellen Maßstab' erfolgte, weil man ihr Fell zur Herstellung von hochwertigen Hüten brauchte; denn die hochwertigen Kopfbedeckungen galten als Status-Symbol. Als man in Mitteleuropa begann, Bäche und Flüsse auszubauen, musste man Biberfelle bereits importieren, weil es hier allenfalls noch ganz wenige Biber gab.“

Wasserunterhaltungsverband sieht Probleme mit Hochwassergefahren

Ratsmitglied Anthony Lee vom Wasserunterhaltungsverband 28 fragte jüngst auf einer Ratssitzung in Rinteln bei der Verwaltung nach, ob die Arbeit des Unterhaltungsverbandes obsolet werde, wenn man Biberbauten, die den schnellen Wasserabfluss behindern, nicht entfernen dürfe. Ihm liege ein entsprechendes Schreiben der Naturschutzbehörde des LK Hameln-Pyrmont vor und darin würden Androhungen von Ordnungswidrigkeiten und Straftaten bei Verstößen aufgelistet. Bürgermeisterin Andrea Lange reagierte schon in der Ratssitzung und sah es als alternativlos an, den Abfluss von Bächen freizuhalten, gerade in Hinsicht auf die Hochwassergefahren, die beim Weihnachtshochwasser 2023 in Rinteln soweit führten, dass es zu Evakuierungsmaßnahmen im Bereich der Ost-Contrescarpe kam. Und beim Landkreis Schaumburg sieht man die Biberpopulation zuerst einmal positiv. Doch der Landkreis sieht auch Konfliktpotenzial: „Wenn beispielsweise wichtige Infrastruktur durch das Aufstauen der Gewässer gefährdet wird, muss Abhilfe geschaffen werden.“ Im Landkreis Schaumburg kommt der Biber mittlerweile in allen größeren Fließgewässern wie der Rodenberger Aue, Sachsenhäger Aue und Bückeburger Aue vor und hat sich auch teilweise bereits in kleinere Nebengewässer ausgebreitet.

Was sagt der Biber-Experte?

Im Interview mit dem Schaumburger Wochenblatt gibt sich Biber-Experte Ralf Schulte kämpferisch: „Selbst unter Wasserunterhaltungsverbänden reift mittlerweile der Gedanke, dass der von Anthony Lee offenbar präferierte 'schnelle Wasserabfluss' ein Teil des Problems ist und strenggenommen sogar die Hochwasserwelle verschärft. Das Mittel der Wahl heißt 'Retention' und Verzögerung des Niederschlagabflusses in den Ursprungsgebieten. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sieht im Rückhalt und der Wiederherstellung von Retentionsräumen (der Biber macht nichts anderes, wenn man ihn lässt) schon seit vielen Jahren 'das schärfste Schwert' der Hochwasservorsorge!“ Schulte kritisierte das „...hydrologischen St.-Florian-Prinzip des beschleunigten Abflusses im eigenen Zuständigkeitsbereich“, dass das Hochwasserrisiko flussabwärts verlagere. Fakt sei, dass die Biber auf dem Sprung ins Weserbergland seien. „Das, was wir aktuell sehen, sind die ersten Pioniere. Spannend wird es werden, wenn die Tiere verstärkt in die Nebengewässer wie Exter gehen. Dann treffen tatsächlich die Gemeinwohl-Interessen des Natur- und Hochwasserschutzes mit den legitimen ökonomischen Interessen von Landnutzern zusammen“, so Schulte. Momentan gebe es noch die Chance, „...vor die Welle” zu kommen und sich im Dialog der Beteiligten auf die Folgen vorzubereiten. Oder, so Schulte, wie es ein Vertreter eines Wasserunterhaltungsverbands am Rande des Runden Tisches Bibermanagement des Umweltministeriums sagte: „Ich fürchte, dass wir wasserwirtschaftlich umdenken müssen. Der Biber ist dafür ein Anlass.” Mehr zu diesem Thema im zweiten Teil unseres Berichts.


Sonja und Stephan Weichert
Sonja und Stephan Weichert
Freie Journalisten
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