Die Einladung zum Bürgerdialog über die Planungen für ein „Gesundes Zentrum“, unmittelbar neben dem Rodenberger Rathaus, kam an. Für Teilnehmende mussten zusätzlich Stühle im Flur aufgestellt werden, derart stark war der Besuch, dass der Samtgemeindebürgermeister Dr. Thomas Wolf in seiner Begrüßung feststellte: „Es ist die größte Veranstaltung dieser Art, im Laufe meiner Amtszeit in Rodenberg“.
Das Interesse am Thema war groß, aber Neuigkeiten gab es in einer erneuten Projektvorstellung nicht – höchstens für die Teilnehmenden, die sich zuvor weder durch die Zeitung noch durch eine Teilnahme an entsprechenden Gremiensitzungen darüber informierten. Entsprechende Kenntnislücken wurden bei den Zweidutzend Wortmeldungen zur Diskussion deutlich.
Planer, Gesellschafter und Investoren – Holger Pietschmann (Stadt- und Regionalplaner, Berlin), Dimitri Lambrecht (Geschäftsführer der World Investment Group) sowie das Ehepaar Wittum – hoben deutlich hervor, dass sich die Planungen für das Projekt „Gesundes Zentrum“ in Rodenberg nicht verändert hätten.
Geplant sei ein Wohnprojekt mit 54 Wohnungen, sowie einer Arztpraxis. Pitschmann zeigte sich überzeugt davon, dass die Wohnungen „innerhalb von zehn Tagen an ältere Herrschaften vermietet sind. Denn es gibt nichts anderes. Wir reden hier über Rodenberg, nicht Berlin, München, Hannover, München, Berlin, oder Düsseldorf“.
Von Anfang an habe man bezahlbaren Wohnraum schaffen wollen. Geplant sind aktuell 54, sowohl als Einraum- wie auch als Mehrraumwohungen. Vor allem für ältere Menschen. „Unser Ziel ist, dass die ältere Bevölkerung am Leben teilnimmt. Wohnungen, wie man es früher gemacht hat, irgendwo im Grünen, am Rand der Ortschaft“ einzurichten, lehnen sie daher ab.
Genaugenommen, so Pietschmann, schaffe man durch Wohnungen, wie diesen, Wohnraum für junge Familien: „Viele der Rentner haben immer noch ihre Häuser. Im Obergeschoss waren sie seit Jahren nicht, weil sie da gar nicht hochkommen. Das ist nicht nur in Schaumburg so, sondern flächendeckend deutschlandweit, dass man eigentlich lange, lange Jahre verschlafen hat, die Nachfrage zu erfüllen. Mit dem neuen Wohnraum werden somit viele Häuser für die Familien frei.“
Für die Vergabe der Wohnungen gäbe es durchaus Steuerungsmöglichkeiten. Der derzeitige Quadratmeterpreis der geförderten Wohnungen liegt bei etwa achtzehn Euro.
Gegenüber der Kritik aus den Reihen der Diskutanten wurde klargestellt, was möglich und was nicht angebracht ist. Zusätzlich habe man als festen Bestandteil Räumlichkeiten von 500 Quadratmeter für eine Arztpraxis „nach den neuen Richtlinien“ vorgesehen, „mit großen Praxisräumen, die hier auf drei, vier Behandler ausgelegt sind und den aktuellen und zukunftsträchtigen Maßstäben entsprechen“, erläuterte Holger Pietschmann. Dadurch habe man „jetzt die Möglichkeit, langfristig diese Ärzte zu binden“.
Gern wäre man dem Wunsch der Einrichtung eines Cafés gefolgt. „Das mussten wir zu den Akten legen, weil wir den Baukörper aufgrund der Hochwassersituation noch mal aufteilen mussten.
Und auf weitere Nutzungen, wie zum Beispiel eine Apotheke und Physiotherapie, haben wir aus dem einfachen Grund verzichtet, um keine Konkurrenz zu etablieren.“ Grundsätzlich bleibe das Angebot „Betreutes Wohnen“, das bei Bezug einer Wohnung vertraglich geregelt werden könne.
Strittiges Thema, schon im Vorfeld und entsprechend in der Diskussion, war die Frage des zusätzlichen Parkraumbedarfs im Stadtzentrum, die die 54 Wohneinheiten und die Arztpraxis eventuell mit sich bringen könnten. Und hierbei besonders die Frage, ob eine Verdrängung stattfinden würde, die den Einzelhandel wirtschaftlich treffen könnte.
Dazu meldete sich Karl-Stephan Preuß vom „WEZ-Markt“ am Amtsplatz zu Wort: „Wir bekennen uns hier zum Standort. Wir haben auch ein Interesse daran, dass die Innenstadt gut entwickelt wird, mit welchen Konzepten auch immer. Was allerdings für uns tatsächlich eine Gefahr ist, und das habe ich in meinem Einwand auch so formuliert: Wenn irgendwann keine ausreichenden Stellplätze oder Parkplätze für unsere Kunden, unsere Mitarbeiter da sein sollten – und das ist schon manchmal knapp –, dann wird sich irgendwann für uns die Wirtschaftlichkeitsfrage stellen.“
Samtgemeindebürgermeister Wolf erläuterte das aktuelle Parkplatzkonzept für das Stadtzentrum, als Antwort der Verwaltung auf einen „zunehmenden Park-Raum-Druck im Rodenberger Zentrum, der für das Leben der Stadt durchaus auch wünschenswert ist, dem aber das Parkplatzkonzept gerecht werden muss“.
Derzeit gebe es 183 Parkplätze. Weitere 51 stünden in der Planung, so Wolf. „Der Ortskern soll so lebendig bleiben wie er ist.“ Dazu gehöre dann für die Zukunft eine Parkraumbewirtschaftung mit Parkzeitbeschränkungen ebenso, wie die Möglichkeit der Einführung von Car-Sharing, durch einen privaten Anbieter, als Alternative zu eigenen Auto.
In der nächsten Ratssitzung steht der Tagesordnungspunkt Satzungsbeschluss „Gesundes Zentrum“ am Mittwoch, 12. August, 19 Uhr, Feuerwehrhaus Rodenberg, erneut zur Entscheidung an.