Schließlich zieht das Seminar von seinem ehemaligen Sitz in der Enzer Straße jetzt in einen Teil des früher von Otis genutzten Gebäudekomplexes in der Industriestraße. So stand am Ende der Veranstaltung die Besichtigung der neuen Räumlichkeiten an. Angehende Lehrer werden den theoretischen Teil ihres Referendariats in Zukunft also in der Industriestraße statt in der Enzer Straße absolvieren, während sie im Unterricht in Gymnasien der Region praktische Erfahrungen sammeln.
Vor dem Grußwort von Petra Rickmann hatten zwei Referendarinnen humorvoll in die Veranstaltung eingeführt. „Wo liegt denn Stadthagen?”, hätten sie sich gefragt, als sie von dem Seminar-Ort erstmals gehört hätten. Angekommen, hätten sie schnell erfahren, dass in diesem Studienseminar vieles anders ist. Etwas kleiner als anderswo vielleicht, aber mit freundlichen Umgangsformen und offener Gesprächskultur „einfach großartig”.
Für die Podiumsdiskussion waren als Gäste der Erziehungswissenschaftler und Familientherapeut Wolfgang Bergmann sowie Axel Witt, Leiter für Personalentwicklung bei einem großen Unternehmen angereist. „Über welche Kompetenzen sollten Gymnasiallehrer aus Sicht von Kindern und Jugendlichen verfügen?”, lautete die Frage der Bergmann in seinem Vortrag nachgehen sollte. „Falls sie formale, auf Konformität ausgerichtete Disziplin einfordern, scheitern sie”, hob Bergmann hervor. Auch wenn in der Erziehungswissenschaft der Ruf nach Disziplin und Strafe vielfach laut werde, sei dies ein Irrweg. Stattdessen müsse der Lehrer etwa anderes mitbringen. Die Faszination für die Sache, die er vermittelt, etwa. Nur so könne er auch seine Schüler begeistern.
Die Kinder und Jugendlichen würden heute unter einer tiefen Zerrissenheit leiden, an der Differenz von den in den Medien vorgelebten falschen Idealen und den daraus erwachsenden Anforderungen an sich selbst und der Wirklichkeit. Als Lehrer ebenso wie als Vater oder Mutter dürfe man in dieser Medienwelt nicht mitspielen, sondern müsse sich ihren Zumutungen mit seinem eigenen Wesen, seinem moralischen und ethischen Selbstverständnis entgegenstellen. Es gelte sich den Kindern und Jugendlichen zuzuwenden, klarzustellen, dass jeder einzelne etwas besonderes ist. Dabei sei Autorität durchaus wichtig. Die Schüler suchten in Erwachsenen nicht Ansprechpartner auf gleicher Ebene, sondern Personen, die Ordnung vermitteln und ihnen in ihrer Verunsicherung Halt geben.
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