In einem kurzfristig angesetzten Pressetermin, teilten Geschäftsführung und Aufsichtsrat der Diakonie Schaumburger Land gGmbH mit, dass der „Sonnenhof“, das Altersheim in Obernkirchen, seit Dienstag unter Insolvenzverwaltung gestellt wurde. Der erfahrene Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht, Stephan Höltershinken wurde mit der Aufgabe betraut, eine tragfähige Lösung für das Haus zu finden. Nach seinen Angaben seien die vorhandenen Rücklagen weitgehend aufgebraucht und es drohe die Zahlungsunfähigkeit. „Wohin die Reise geht, weiß ich nicht,“ äußerte sich Höltershinken im Pressegespräch.

Lohn für die nächsten drei Monate gesichert

In Zusammenarbeit mit einem nicht-örtlichen Geldinstitut habe er eine Insolvenzgeldvorfinanzierung vereinbart, wodurch für die 62 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Lohnzahlung für die kommenden drei Monate gesichert sei, so der Insolvenzverwalter. Bernhard Pammer, derzeit noch Geschäftsführer der Diakonie Schaumburger Land, betonte ausdrücklich, dass es keine Verflechtung mit dem Standort Stadthagen, dem Josua Stegmann Heim, gäbe und sich keine finanziellen Auswirkungen auf den Standort in der Kreisstadt ergeben. Pammer war im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben als Interims-Geschäftsführer für einen kurzen Zeitraum eingestellt worden. Aufgrund der Gesamtsituation hatte sich die Tätigkeit bis jetzt hingezogen. „Jeden Tag ein neues Überraschungsei,“ schilderte er mit einem Anflug von Galgenhumor die persönliche Situation.

Neuer Geschäftsführer für Holding und Töchterunternehmen gefunden

Derzeit übergibt Pammer die Geschäfte an den zukünftigen Geschäftsführer Armin Petermann. Der 43-jährige blickt auf viele Jahre Erfahrung im Gesundheits- und Sozialwesen zurück und stammt aus Bayern. Als ein großes Plus beschrieb er die zukünftige Unterstützung durch die Contec Gmbh, ein Unternehmen mit über 30-Jähriger Erfahrung in der Beratung und Unterstützung im Gesundheits- und Sozialwesen. Nach der Schilderung der Situation in Obernkirchen eröffnete Bernhard Pammer eine zweite bittere Nachricht: Die Tagespflege im Herder-Quartier in Bückeburg wird spätestens zum 31. Mai 2026 geschlossen. Die Kunden werden an die drei anderen Tagespflegen in Bückeburg vermittelt. Der Diakonie Pflegedienst Schaumburg mit den Standorten Meerbeck/Sülbeck, Sachsenhagen und Bückeburg/Ahnsen, sowie den Tagespflegen in Meerbeck und Niedernwöhren steht nach Angaben von Geschäftsführung und Aufsichtsrat, nun wieder auf gesunden wirtschaftlichen Grundlagen. Bereits Ende 2025 waren die Hauswirtschaftlichen Dienste eingestellt worden. Als weiteren Schritt zur wirtschaftlichen Erholung wurden und werden für das Josua-Stegmann Heim in Stadthagen und das evangelische Altersheim in Bückeburg neu angepasste Pflegesätze beantragt. In dem Zusammenhang wies Aufsichtsratsvorsitzender Günter Hartmann darauf hin, dass ein frühzeitig erfolgter dahingehender Antrag möglicherweise die jetzige Situation verhindert hätte. Die Bildung der Holding hält er weiterhin für die richtige Entscheidung, es sei jedoch:“ … handwerklich von den Vorgängern nicht gut gemacht worden!“

Gestrichenes Weihnachtsgeld wird nachgezahlt

Im vergangenen Jahr war den Mitarbeitern des Josua-Stegmann Heimes aufgrund der finanziellen Lage die Weihnachts-Sonderzuwendung gestrichen worden. Kerstin Heise und Ines Otto von der Mitarbeitervertretung berichteten von einer aktuellen Mitarbeiterversammlung und einem aus ihrer Sicht zufriedenstellenden Ergebnis. Das gestrichene Weihnachtsgeld soll demnach in diesem Jahr zu zwei Terminen nachgezahlt werden. Zukünftig sollen die Lohnzahlungen zum Monatsende erfolgen, um Liquiditätsengpässe zu vermeiden. Bis zum 1. April müssen sich die circa 110 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Stadthagen entscheiden, ob sie das Angebot annehmen. Alle Beteiligten schauen sehr zuversichtlich in die Zukunft. „Wir können viel bewirken“, stellte die Vorsitzende der Mitarbeitervertretung, Kerstin Hinse, fest.