Vorwürfe von Gewerkschaft und Betriebsrat | Schaumburger Wochenblatt

Vorwürfe von Gewerkschaft und Betriebsrat

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) Bezirk Hannover hat in einer Pressemitteilung das Unternehmen „Gissler und Pass“ scharf für die Umstände der Insolvenz des Standortes in Rodenberg kritisiert. Im Dezember hatte die Gissler & Pass GmbH Rodenberg angekündigt, mit einer „umfassenden Sanierung“ des Werkes in der Deisterstadt eine Schließung abwenden zu wollen.

Die Gewerkschaft und der Betriebsrat fahren nun verbal schweres Geschütz auf gegen die Leitung der „Gissler & Pass Rodenberg GmbH“ und des Mutter-Unternehmens. Die Rede ist von „unfairen Tricks zur Vermeidung von Abfindungen“.
Die Gewerkschaft und der Betriebsrat weisen auf die Betriebsübergabe im September 2025 auf die „Gissler & Pass Rodenberg GmbH“ hin. Nun werde nur wenige Monate später die Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt, so die Pressemeldung. „Die 138 Beschäftigten am Standort sollen Insolvenzgeld beantragen. Und das, obwohl die GmbH im Geschäftsjahr 2025 eine sehr gute Auftragslage verbuchen kann und zwischenzeitlich durch die Gewerkschaft zur Aufnahme von Tarifverhandlungen aufgefordert wurde“, wie es in der Mitteilung heißt.

„Schließung des Werkes verhindern“

Das Schaumburger Wochenblatt hat „Gissler & Pass“ um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen gebeten. Im laufenden Verfahren könne man keine Stellungnahme zu „Mutmaßungen von Gewerkschaftsvertretern“ abgeben, so die Antwort des Unternehmens. „Wir sind nach Kräften bemüht, den Produktionsstandort in Rodenberg zu erhalten und die Schließung des Werkes zu verhindern“, heißt es weiter in der Nachricht. Die „Gissler & Pass Rodenberg GmbH“ hatte in der Meldung zur Bekanntgabe der Insolvenz im Dezember angegeben, dass die „schwierigen Marktbedingungen“ eine Reaktion erzwungen hätten. Das Unternehmen werde in der Insolvenz in Eigenverwaltung transformiert, „um die Zukunft des Werkes und zahlreiche Arbeitsplätze zu sichern (wie berichtet).

Versuch Sozialplan zu umgehen?

Gewerkschaft und Betriebsrat erklären in der Pressemitteilung, dass es ihre Vermutung sei, dass es Ziel des Unternehmens sei, mögliche Abfindungszahlungen an die Beschäftigten zu verhindern. Das Betriebsverfassungsgesetz sehe für Neugründungen die Besonderheit vor, dass ein Sozialplan bei Massenentlassungen verhindert werden könne.
Der Betriebsratsvorsitzende Thomas Bovens erklärte in der Pressemitteilung: „Letztlich wird hier gerade versucht, mit juristischen Tricks die Beschäftigten zu hintergehen und mögliche Abfindungszahlungen zu verhindern. Wir vermuten, dass bereits die Ausgliederung mit diesem Ziel in die Wege geleitet wurde und es schon seinerzeit keinerlei Interesse gab, den Standort zu retten. Dagegen werden wir uns mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln wehren.“
Es sei zu vermuten, dass 30 bis 50 Prozent der Beschäftigten die Kündigung drohe.
Sören Tuleweit von der IGBCE ergänzt: „Wir sind entsetzt über den Umgang mit den Beschäftigten. Wir erwarten, dass sich das Unternehmen konstruktiv verhält. Es gibt keinerlei Kommunikation mit der Mitbestimmung. Alle Versuche zur Kontaktaufnahme, die wir unternommen haben, sind bisher fehlgeschlagen. Von vertrauensvoller Zusammenarbeit zum Wohle der Beschäftigten kann also keine Rede sein“.


Bastian Borchers
Bastian Borchers
Redakteur Schaumburger Wochenblatt
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