Die Diskussion um den Neubau der Bahnstrecke Hannover–Bielefeld hat zum Wochenbeginn neuen Auftrieb erhalten. Zu einem Online-Termin der Initiative Deutschlandtakt, gemeinsam mit Pro Bahn Nordrhein-Westfalen und Pro Bahn Niedersachsen, schalteten sich zahlreiche Interessierte aus dem Landkreis und darüber hinaus zu. Der große Zuspruch machte deutlich, wie stark das Thema die Menschen entlang der geplanten ICE-Trasse bewegt – insbesondere in Schaumburg, wo durch die Pläne unter anderem historische Gebäude und Landschaftsschutzgebiete in Gefahr sind.
Verkehrsprognose 2040
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand nun aber weniger der konkrete Trassenverlauf als vielmehr grundsätzliche Zweifel an den aktuellen Ausbauplänen der Deutschen Bahn. Die Initiative Deutschlandtakt sieht die Gefahr, dass selbst mit den geplanten Maßnahmen die Ziele des Deutschlandtakts nicht erreicht werden können, daher müsste man schon jetzt von einer Fehlplanung sprechen und schauen, wie man stattdessen Ziele erreichen könne. Entscheidend sei die Frage der Kapazität der neuen Strecke und inwieweit sie Entlastung bringe, insbesondere auf der stark belasteten Bestandsstrecke zwischen Bielefeld und Minden.
Zur Veranschaulichung verwiesen die Fachleute auf einen zentralen Punkt der Verkehrsprognose: „Die Kapazität der Bestandsstrecke bietet trotz der vier Gleise zwischen Bielefeld und Minden nicht genügend Kapazitäten, um den Verkehr gemäß Verkehrsprognose 2040 abzuwickeln. Dafür wären sechs Gleise notwendig.“
Der Fahrgastverband Pro Bahn empfiehlt der Bundesregierung, der Forderung zu entsprechen, eine Planung vorzulegen, die nur die Anforderungen des Deutschlandtakts an die Kapazität erfüllt, nicht aber die Vorgaben an die Fahrzeit. Allein aus den Anforderungen für die Kapazität des Schienennetzes gemäß der Fortschreibung Deutschlandtakt ergibt sich, dass auch dann zwischen Bielefeld und Minden sechs statt bisher vier Gleise erforderlich sind. Diese zusätzlichen zwei Gleise erfordern Eingriffe in die Anliegergemeinden der Bestandsstrecke, die weitaus gravierender sind als die Eingriffe durch eine Neubaustrecke. Genauso wie schon beim Projekt Hamburg – Hannover ist die Bewertung des Ausbaues der Bestandsstrecke auf die notwendige Kapazität wesentlich ungünstiger. Hintergrund sei die besondere Lage der Region, in der die Planung stattfindet. Zwischen Bielefeld und Minden lebe eine Agglomeration von mehr als einer Million Menschen. Dort träfen internationale Fernstrecken des transeuropäischen Netzes auf dichten Regionalverkehr. In solchen Korridoren seien sechs Gleise erforderlich, aufgeteilt auf S-Bahn, Fern- und Güterverkehr. Dass die Region ihre Rolle zwischen Amsterdam, dem Rhein-Ruhr-Raum sowie Berlin und Osteuropa bislang nicht ausreichend berücksichtige, sei ein zentrales Problem der Planung.
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion waren die Hintergründe zur sogenannten Abschichtung einzelner Trassenvarianten. Aus einem Vortrag von Volker Vorwerk von DB InfraGO ging hervor, dass mehrere Auetal-Varianten wegen deutlich höherer Kosten aus dem Verfahren genommen wurden. Auch eine Variante südlich an Bückeburg vorbei sei nach einem Variantenvergleich ausgeschlossen worden, unter anderem wegen zusätzlicher Tunnel- und Brückenbauwerke. Kritisch angemerkt wurde, dass detaillierte Unterlagen zu diesen Entscheidungen bislang nicht öffentlich vorliegen.
Wie es nun weitergeht, soll schon bald vor Ort diskutiert werden. Die Deutsche Bahn (DB Infra) lädt am 22. Januar 2026 zu einem Info-Markt im Ratskeller Stadthagen ein. Die Veranstaltung findet von 17 bis 20 Uhr statt und ist aktuell die einzige, die in Schaumburg in den kommennden Wochen geplant ist.