Stephanie Wlodarski führt den Bezirksverband Niedersachsen-Mitte der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) weiter. Die Gewerkschaft bestätigte die 57-Jährige für vier weitere Jahre als Vorsitzende. Damit bleibt Wlodarski im Kreis Schaumburg oberste Interessenvertreterin für Bauarbeiter, Reinigungskräfte sowie Beschäftigte in der Land- und Forstwirtschaft.
Nach Angaben der Arbeitsagentur arbeiten im Landkreis Schaumburg rund 1.650 Menschen im Bauhauptgewerbe und 880 in der Gebäudereinigung. Wlodarski bringt auch berufliche Erfahrung aus der Branche mit: Sie ist Fachwirtin für Reinigungs- und Hygienemanagement.
„Ob auf der Baustelle, im Garten- und Landschaftsbau, in der Reinigungsfirma, im Maler- oder Dachdeckerbetrieb – gerade am Arbeitsplatz kommt es darauf an, dass die Menschen an einem Strang ziehen. Gute Löhne und gute Arbeitsbedingungen fallen nicht vom Himmel“, sagt Wlodarski. Sie ruft Beschäftigte in der Region dazu auf, sich für ihre Interessen einzusetzen – besonders in unsicheren Zeiten. Die IG BAU Niedersachsen-Mitte stehe dabei an ihrer Seite, betont sie: „Das gilt nicht nur, wenn es um faire Bezahlung, gute Job-Bedingungen oder die Mitsprache im Betrieb geht, sondern gerade auch dann, wenn es Zoff mit dem Chef gibt.“
Auch in politische Debatten will sich die Gewerkschaft nach Wlodarskis Worten weiter einmischen. Viele Vorhaben der Berliner Koalition wirkten sich direkt auf die Region und die Beschäftigten aus. Als Beispiel nennt sie den Wohnungsbau: Es gehe um bezahlbare Wohnungen und mehr Sozialwohnungen. Dafür brauche es „dringend mehr Unterstützung vom Bund“.
Zugleich fordert Wlodarski ein klares Signal der Bundesregierung zur Stärkung der Tarifbindung. „Der Tariflohn sollte endlich zur Regel werden. Denn davon würden auch die Beschäftigten in der Region profitieren“, sagt sie.
Ein „Stoppschild“ verlangt die wiedergewählte Bezirksvorsitzende für Forderungen, die Beschäftigte zusätzlich belasten würden. Dazu zählt sie Kürzungen bei der Lohnfortzahlung, die Abschaffung des 8-Stunden-Tags oder eine Erhöhung des Renteneintrittsalters. „So dreiste Forderungen sind respektlos und gehen völlig an der Realität der Beschäftigten vorbei. So ist beispielsweise gerade auf dem Bau und im Handwerk schon heute für viele die Rente mit 65, 66 oder 67 nicht erreichbar“, so Wlodarski. Statt über soziale Einschnitte zu diskutieren, brauche es Reformvorschläge – vor allem für eine „ordentliche, sichere und gerechte Rente“.