Ein neuer Hype zieht immer mehr Menschen in die Wälder: Die Jagd boomt. Doch eine aktuelle ARD-Dokumentation deckt nun die Schattenseiten von dubiosen Jagdschulen und deren Crashkursen auf. Dass es auch anders – nämlich verantwortungsbewusst und nachhaltig – geht, beweist die Kreisjägerschaft Schaumburg, wie der Vorsitzende der Kreisjägerschaft, Sven Wilkening im Interview erläutert.
In sozialen Netzwerken inszeniert sich die Jagd zunehmend als moderner, naturverbundener Lifestyle. Doch hinter den idyllischen Bildern verbirgt sich ein ernstes Problem, wie die ARD-Reportage „Schießen, töten, posten: Wie gefährlich ist der neue Jagd-Hype?“ (SWR / team.recherche) eindrucksvoll zeigt. Untercover-Recherchen in privaten Jagdschulen offenbaren teils haarsträubende Zustände: In nur zwei Wochen – im sogenannten Crashkurs – sollen Jagdanwärter fit für die anspruchsvolle Prüfung gemacht werden. Das Ergebnis sind oft gravierende Mängel bei der Waffenhandhabung und mangelndes Praxiswissen.
Eine Waffe ist kein Lifestyle-Accessoire
Dabei, so Wilkening, gelte im Umgang mit Schusswaffen ein unumstößlicher Grundsatz: „Nur wer gründlich und fehlerfrei ausgebildet ist, sollte auch eine Waffe tragen dürfen. Eine Waffe ist kein Lifestyle-Accessoire, sondern erfordert tiefgreifendes Verantwortungsbewusstsein.” Und Wilkening weiter: „Wichtig ist mir auch, dass die Jagd nicht zum Event verkommen darf und sie nicht nur den Abschuss von Wild beinhaltet, sondern viel Hege und Pflege!” Deshalb fordert er eine hochqualifizierte Ausbildung, wie sie beispielsweise bei der Kreisjägerschaft angeboten wird.
Das „Grüne Abitur“ bei der Kreisjägerschaft Schaumburg
Dass eine solide Jagdausbildung Zeit, Geduld und tiefes Fachwissen benötigt, zeigt die Kreisjägerschaft des Landkreises Schaumburg e.V. Hier wird das „Grüne Abitur“ noch als das verstanden, was es ist: eine umfassende Ausbildung zum Schutz und Erhalt der Natur. Es gilt: Monatelanges Lernen statt Schnellbesohlung. Am 7. September startet die Ausbildung, die bis zum 20. März des kommenden Jahres geht und zu der man sich noch anmelden kann. Dabei, so Wilkening, kommen hochprofessionelle Ausbilder mit langer Jagderfahrung zum Einsatz und auch das Schießtraining ist ein intensiver Teil der Ausbildung. Ohne, dass Wilkening die regionalen Jagdschulen diskreditieren will, weiß er, dass genau die große Erfahrung und der praktische Teil bei echten Jagden das große Pfund der Kreisjägerschaft und ihres Ausbildungsangebotes ist. Im Forsthaus Halt in Stadthagen findet die theoretische Ausbildung statt, die insgesamt fast 255 Unterrichtsstunden dauert. Auf dem Lehrplan stehen nicht nur Waffenkunde und Waffenrecht, sondern auch Schießtraining, Wildbiologie, Waldökologie, Naturschutz, Hege, Wildkrankheiten und das Jagdhundewesen. Und Wilkening weiß: „Das Lernen hört mit dem Erwerb des Jagdscheins nicht auf!” Deshalb legt die Kreisjägerschaft auch Wert auf Informationen über Jagdtraditionen, die zwar nicht prüfungsrelevant sind, dafür aber den Jungjägern den Einstieg in den Kreis der Jäger einfacher machen.
Welche Waffen darf man mit einem Jagdschein kaufen?
Wer die Jägerprüfung erfolgreich besteht und im Besitz eines gültigen Jagdscheins ist, darf in Deutschland bestimmte Schusswaffen erwerben. Mit dem Jagdschein und einer entsprechenden Waffenbesitzkarte (WBK) dürfen Jäger unbegrenzt Langwaffen erwerben, beispielsweise Büchsen mit gezogenem Lauf für den präzisen Schuss auf Wild und Flinten mit glattem Lauf für den Schrotschuss. Für den sogenannten Fangschuss, um verletztes Wild schnell zu erlösen, oder zum Selbstschutz im Revier dürfen Jäger in der Regel bis zu zwei Kurzwaffen wie Pistolen oder Revolver erwerben.
„Nur wer gründlich und fehlerfrei ausgebildet ist, sollte auch eine Waffe tragen dürfen. Eine Waffe ist kein Lifestyle-Accessoire, sondern erfordert tiefgreifendes Verantwortungsbewusstsein.”