Bevor sich die Türen zu den Wahllokalen anlässlich der Kommunalwahl am Sonntag, 13. September öffnen können, müssen die Parteien entsprechende Kandidatinnen und Kandidaten für ihre Listen finden, auswählen und nominieren. Während in einigen Parteien diese Vorbereitungen beginnen, stehen andere erst in den Vorüberlegungen, wie diese Zeitung auf Nachfrage erfuhr.
Wir wollten wissen, ob es genügend Bereitschaft gibt, als Ratsmitglied der Stadt, der Gemeinde oder als Mitglied des Samtgemeinderates von Rodenberg zu kandidieren.
Der Findungsprozess habe in ihrer Partei begonnen. Auch bezüglich eines eigenen Kandidaten zum Samtgemeindebürgermeister. „Es wird sicherlich nicht einfach sein, ausreichend Kandidatinnen und Kandidaten zu finden“, räumt Anja Niedenzu (SPD) gegenüber dieser Zeitung ein.
Wenn es an Bereitschaft fehle, dann habe das auch etwas damit zu tun, „dass man als Ratsmitglied stärker als sonst in der Öffentlichkeit steht und somit auch der Kritik und sogar Anfeindungen ausgesetzt sein kann“. Neben älteren Bewerberinnen und Bewerbern werde es auch um jüngere Personen gehen.
„Politisch aktive junge Menschen gibt es in unserer Partei. Aber aufgrund von Schule und Studium ist die Bereitschaft zur Mitwirkung in den kommunalen Gremien nicht groß oder nicht möglich.“ Bei der Findung von Frauen für eine Kandidatur, „da habe es hingegen in der Rodenberger SPD noch nie Schwierigkeiten gegeben“.
In der Wählergemeinschaft Rodenberg (WGR) beginnen die Vorbereitungen Ende Januar, erklärt Ralf Sassmann, und fügt gleich an: „Man kann nie genügend Kandidaten haben. Und bisher habe ich noch von keinem von uns gehört, dass er nicht mehr kandidieren würde. Von daher werden es genügend Kandidaten sein, aber wir suchen trotzdem noch Personen, die kandidieren.“
Mit Blick auf die demografische Zusammensetzung bestünde auch der Blick auf eine Verjüngung in der Zusammensetzung der Liste und somit der Mitgliedschaft in den Gremien. „Jüngere Bewerbungen hat es auch bei der letzten Wahl gegeben, auch wenn sie noch ohne Erfolg blieben. Da hoffen wir, dass wir diese Personen auch für diese Wahl erneut gewinnen können, um sich für die Stadt mit einzusetzen.“
Es sei allerdings auch nicht leicht Personen zu finden, die sich ehrenamtlich politisch engagieren möchten. „Aber wir haben einen ganz guten Zulauf. Und ich denke, wir werden mehr Kandidaten haben, als wir später letztlich Sitze bekommen werden.“ Er räumt aber auch ein, dass das Ehrenamt innerhalb der Politik „nicht so populär ist“.
Sassmann: „Man muss manchmal auch etwas einstecken. Und die Abende mit der Politik zu verbringen, dass zieht nicht besonders an. Leidensfähig muss man sicherlich auch sein, wenn man eigene Ideen hat, damit aber nicht durchkommt, in Diskussionen dazu eventuell auch kritisiert wird.“ Auch untereinander finde ein ständiger Abwägungsprozess statt. Nicht wie beim Fußball, bei dem alle Elf einer Mannschaft in eine Richtung spielten.
In seiner Partei läuft bereits die Aufstellung der Listen, sagt Ralf Schubert (CDU). „Wir sind vor allem aktiv dabei, eine eigene Kandidatin oder einen eigenen Kandidaten für das Amt des Samtgemeindebürgermeisters zu finden. Das ist unser Ziel.“
Entsprechende Gespräche mit möglichen Kandidaten wurden aufgenommen. „Gegebenenfalls auch gemeinsam mit Wählergemeinschaft und Grünen.“ Wieviel Kandidaten möchte die CDU auf der Liste letztlich nominieren? – „Ziel sei es, möglichst viele zu haben“, so Schubart, damit die Bürgerinnen und Bürger auch bei den Kandidaten Menschen wiederfinden, die sie kennen.
In der Stadt habe man derzeit vier Mandate, in der Samtgemeinde sieben. „So viele werden wir mindestes aufstellen, aber sicherlich werden es wesentlich mehr werden, die wir auf beiden Listen aufstellen. Die haben wir zum Großteil schon zusammen haben.“ Er räumt aber gleichzeitig auch ein, dass es schwieriger wird, Kandidaten zu finden.
„Es ist auf keinen Fall mehr ein Selbstläufer, wie es noch vor zehn Jahren war, wo noch viele Bewerber um die vordersten Plätze konkurriert haben. Diese komfortable Situation haben wir nicht mehr.“ Aber für die eigenen Listen sieht er kein Problem.
Woran liegt die geringere Bewerberzahl? – „Nach meiner Erfahrung ist es so, dass gerade jüngere Menschen, die wir gerne fördern würden, andere Dinge wichtig sind. Und wenn sie Familie haben, eher im Schulelternrat tätig werden, als im Rat.
Wir halten die Überalterung im Rat für gar nicht gut. Wir würden Menschen unter dem 50. Lebensjahr dringend gebrauchen. Genügend Personen sprechen wir an, aber letztlich scheitet es oft an deren persönliche Lebensplanung.“ Man müsse aber auch sehen, dass das Thema Politik insgesamt an Attraktivität verloren hat.
Es werden seitens der CDU „auf jeden Fall neue Personen sowohl für den Stadtrat als auch für die Samtgemeinde dabei sein. Auch auf den vorderen Plätzen, da auch bisherige Vertreter nicht mehr antreten werden“.
Er würde sich auch noch mehr „Weiblichkeit“ unter den Kandidaten wünschen. Interessierte Menschen können sich gerne bei ihm melden. Auch Nicht-Parteimitglieder.
Für Marlies Bernd-Büschen (FDP) ist die Kommunalwahl noch „ein heikles Thema aus der Sicht der FDP“. „Wir werden sicherlich Kandidaten zur Kommunalwahl benennen. Aber wer und wieviel es sein werden, das ist noch sehr, sehr offen.“
Zunächst sei es besonders wichtig, dass die Mitglieder zur bevorstehenden FDP-Mitglieder-Versammlung am 29. Januar erscheinen, betont sie nachdrücklich, und sagt weiter: „Wenn immer nur ein Stamm von drei oder vier Personen teilnehmen, die willig sind weiter mitzuarbeiten, dann ist das ein bisschen mager.“ Somit sei auch noch nicht ganz klar, ob es genügend Kandidaten der FDP geben werde.
Karsten Dohmeyer winkte bei der Nachfrage ab. „So weit sind wir bei den Grünen noch nicht, um dazu etwas sagen zu können.
Für die Wahlen können Wahlvorschläge von Parteien, Wählergruppen oder einer Einzelperson bis zum 20. Juli 2026, 18 Uhr eingereicht werden.