Mehr Verlässlichkeit für Familien mit Kindern im Kita-Alter | Schaumburger Wochenblatt

Mehr Verlässlichkeit für Familien mit Kindern im Kita-Alter

Entwickelten gemeinsam das Aktionsprogramm: Saskia Kutscha, Cheyenne Gerstner, Thomas Wolf, Anja Schmidt sowie Martina Schrader (nicht auf dem Foto). (Foto: gk)
Entwickelten gemeinsam das Aktionsprogramm: Saskia Kutscha, Cheyenne Gerstner, Thomas Wolf, Anja Schmidt sowie Martina Schrader (nicht auf dem Foto). (Foto: gk)
Entwickelten gemeinsam das Aktionsprogramm: Saskia Kutscha, Cheyenne Gerstner, Thomas Wolf, Anja Schmidt sowie Martina Schrader (nicht auf dem Foto). (Foto: gk)
Entwickelten gemeinsam das Aktionsprogramm: Saskia Kutscha, Cheyenne Gerstner, Thomas Wolf, Anja Schmidt sowie Martina Schrader (nicht auf dem Foto). (Foto: gk)
Entwickelten gemeinsam das Aktionsprogramm: Saskia Kutscha, Cheyenne Gerstner, Thomas Wolf, Anja Schmidt sowie Martina Schrader (nicht auf dem Foto). (Foto: gk)

Es ist Montag, 7.30 Uhr, die erste Mutter bringt ihr Kind schnell in den Kindergarten, um möglichst pünktlich am Arbeitsplatz zu sein. Da bleibt nicht viel Zeit zum Austausch mit der pädagogischen Kraft. Vielleicht noch ein Zuruf zwischen Tür und Angel vor dem Gruppenraum, über die Stimmung oder den Gesundheitszustand des Kindes.

„Manchmal laden die Eltern aber auch deutlich ihren Frust über die tägliche Doppelbelastung bei den Mitarbeitenden ab. Vor allem dann, wenn sie nicht die Betreuungszeiten bekommen können, die sie sich wünschen“, erklärt Martina Schrader, Kita-Leiterin in Rodenberg. Und das könne durchaus auch in eine E-Mail mit Drohungen münden, fügt sie hinzu.

Die wiederkehrenden Gespräche mit den zuständigen Mitarbeiterinnen im Rathaus spiegeln diese Situation wider. „Ein unhaltbarer Zustand für die Mitarbeitenden und für die Samtgemeinde“, stellt Samtgemeindedirektor Dr. Thomas Wolf in einem Pressegespräch fest. Das Kernproblem, die aktuellen Betreuungseinschränkungen, soll mit einem Kita-Aktionsprogramm angegangen werden. „Das Ziel ist die größere Verlässlichkeit für Familien“, so Wolf.

Die bestehenden Betreuungseinschränkungen in einigen Kindertageseinrichtungen der stellen viele Familien derzeit vor große Herausforderungen. Erhöhte Krankenstände, Personalwechsel sowie nicht kurzfristig nachzubesetzende Stellen führen immer wieder zu verkürzten Öffnungszeiten und auch zu kurzfristigen Absagen.

Die damit verbundene Verunsicherung und Verärgerung der Eltern sei nachvollziehbar, sind betonten die zuständigen Verantwortlichen. Alle Beteiligten wüssten, wie belastend diese Situation für Familien ist. Insbesondere, wenn Betreuung kurzfristig wegfällt und sich Beruf und Familie kaum noch organisieren lasse.

Deshalb reagiere die Samtgemeinde jetzt mit einem zentralen Drei-Punkte-Kita-Aktionsprogramm, das kurzfristig Entlastung schaffen und die Betreuung insgesamt verlässlicher machen soll, so Wolf.

Um vorhandene personelle Spielräume besser zu nutzen, werden erstens Betreuungszeiten neu strukturiert. Die Kernbetreuung wird zeitlich gebündelt, während Randzeiten gezielt angeboten werden, um möglichst vielen Kindern eine Betreuung zu ermöglichen – auch wenn die ursprünglich geplanten Zeiten aktuell nicht vollständig eingehalten werden können. Ziel ist es hierbei, Gruppen zusammenzulegen anstatt zu schließen und so mehr Verlässlichkeit im Alltag zu schaffen.

Parallel dazu wird zweitens die Personalakquise deutlich verstärkt. Neben zusätzlichen Stellenausschreibungen, einer bereiten Öffentlichkeitskampagne und der gezielten Ansprache potenzieller Fachkräfte werden auch neue Wege beschritten.

Dazu zählen der Einsatz von Teilzeitarbeitskräften, die Reaktivierung eines Eltern-Pools, die Ansprache von Teilzeitkräften zur Stundenaufstockung sowie Gespräche mit Mitarbeitenden im Ruhestand. Diese Maßnahmen dienen dem Ziel, vakante Stellen schnellstmöglich besetzen zu können.

Im aktuellen Stellenplan sind 157 Vollzeitstellen im pädagogischen Bereich der Kindergärten der Samtgemeinde eingeplant, für 150 Krippen-Betreuungsplätze und 516 Kita-Betreuungsplätze, einschließlich 30 Waldplätze und 50 Plätze bei der PLSW, An der Mühlenaue. Etwa 30 Pädagogen, Sozialpädagogische Assistenten und Erzieherinnen und Erzieher, fehlen aufgrund von unbesetzten beziehungsweise blockierten Stellen: Beschäftigungsverbot, Mutterschutz, Elternzeit, Langzeiterkrankungen.

Ein weiterer Baustein des Programms ist eine offenere und verlässlichere Kommunikation. Beschwerden und Sorgen der Eltern werden direkt aufgenommen. Geplant sind unter anderem Informationshandouts zu rechtlichen Rahmenbedingungen, klare Verfahrensweisen bei Krankheitsfällen sowie Gespräche mit den Elternbeiräten der betroffenen Einrichtungen.

Das Aktionsprogramm wird in allen Einrichtungen vorgestellt und erläutert. Man sei sich im Klaren darüber, dass strukturelle Probleme im Fachkräftemangel nicht von heute auf morgen gelöst werden könnten, erklärt Saskia Kutscha als zuständige Fachbereichsleiterin. „Aber wir übernehmen Verantwortung und Handeln, sowohl organisatorisch, personell und im Dialog mit den Eltern.“

Das so beschriebene Aktionsprogramm ist zunächst bis zum Ende des laufenden Kita-Jahres befristet angelegt und wird fortlaufend überprüft. Gleichzeitig werde die Samtgemeinde mögliche rechtliche Änderungen auf Landesebene beobachten, um zusätzliche Handlungsspielräume nutzen zu können, hebt Wolf hervor.


Winfried Gburek
Winfried Gburek
Freier Redakteur Schaumburger Wochenblatt
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