Suchergebnisse (Bündnis90/Die Grünen) | Schaumburger Wochenblatt

MdB Katja Keul (Bündnis90/Die Grünen) diskutierte mit Parteimitgliedern über Friedenssicherung. (Foto: ab)

„Frieden Sichern!“ Impulsvortrag von MdB Katja Keul

Vorsitzender Andreas Kobel begrüßte den kleinen Kreis mit dem Hinweis, dass die Versammlung bei 215 Mitgliedern nicht beschlussfähig sei, bei der Hauptversammlung aber keine Beschlüsse gefasst werden müssten. Besondere Dankesworte richtete Kobel an MdB Katja Keul, die für ein Impulsreferat, sowie eine Diskussion mit dem Thema „Frieden Sichern!“ eingeladen worden war. Vor dem Hauptthema gab die Bundestagsabgeordnete einige wenige Einblicke in die derzeitige Haushaltssituation der Ampelregierung. Mit den Hinweisen:“… Die Antwort, wie wir das Problem lösen, habe ich nicht, die hat keiner!“ und „Ich wundere mich ein wenig über die Schadenfreude der CDU, sie haben auch keine Lösung“, spiegelte Katja Keul die Situation in Berlin aus ihrer Sicht wider. Ihre nachfolgende Aussage: “ Wir haben jetzt erst einmal einen Haushalt, das ist die gute Nachricht“, war dann wohl doch etwas verfrüht. Nach derzeitigem Stand der Lage in der Bundesregierung, stehen die Zeichen auf eine vorläufige Haushaltsführung ab 2024. Dann dürfen lediglich den finanziellen Verpflichtungen nachgekommen werden, nach denen Deutschland gesetzlich verpflichtet ist. Zurzeit ist nicht abzusehen, dass noch ein ordnungsgemäßer Haushalt verabschiedet wird. Schwerpunkte ihres Vortrages legte die Staatsministerin im Auswärtigen Amt auf die Beschreibung der aktuellen Krisengebiete sowie die Tatsache, dass nicht nur der Ukraine-Krieg und der Hamas-Überfall auf Israel für die Friedenssicherung in der Welt eine Rolle spielen. Dürre und Hungersnöte sowie „…grauenvolle Konflikte“ im Sudan und andernorts erforderten humanitäre Hilfe sowie weitere Maßnahmen. Entwicklungshilfe und Maßnahmen zum Klimaschutz mit dem Ziel nachhaltige lebenswerte Lebensgrundlagen zu schaffen, seien wesentlich für die Friedenssicherung. Die Stärke Deutschlands sei die Diplomatie, bekräftigte sie die Rolle unseres Landes in der Welt. Im Hinblick auf die Hilfen für die Ukraine sagte sie:“ Unser Kompass ist das Völkerrecht!“ Mit Blick auf Israel wolle sie sich auf humanitäre Hilfen konzentrieren und hoffe auf Verhandlungen unter der Führung von Katar. Eine klare Aussage machte sie in Richtung der AFD:“Es ist widerlich, dass sich jetzt die Rechten als die Freunde Israel aufspielen.“ Die von Helge Piepenburg moderierte Diskussion kratzte in einer Reihe von Fragen lediglich an der Oberfläche. Nach Gespräch mit MdB Katja Keul musste noch der Haushaltsplan für 2024 besprochen werden.
Pastor Dr. Jörg Mosig lädt zusammen mit Katja Keul zum Dialog nach dem Gottesdienst vor die Kirche ein. <br> (Foto: ste)

Neues Gottesdienstformat „Bürgerkanzel”

Auf einer Kirchenkanzel stehen normalerweise Pastoren, manchmal auch Laienprediger oder Personen des Kirchenvorstands. Immer jedoch Menschen mit einer engen Beziehung zur Kirche und somit auch konfessionsgebundene Kirchensteuerzahler. Pastor Dr. Jörg Mosig von der evangelischen St. Nikolai Kirche geht neue Wege beim Gottesdienst und lässt auch Menschen sprechen, die auf der „Bürgerkanzel” den Blick von außen auf die Kirche legen. Es gehe, so Mosig, dabei eher um Glaube als um Kirche und die Bürgerkanzel, so der Pastor, öffne Türen für solchen Außenansichten. Einen noch stärkeren Blick von außen als Katja Keul kann man sich kaum vorstellen, denn Keul, deren Großeltern beide Pastoren waren, ist selbst konfessionslos. Seit 2009 ist sie Mitglied der grünen Bundestagsfraktion und kommt politisch aus der Szene der Abrüstungsdebatten der 1980er Jahre. Beruflich konzentrierte sie sich auf das, was sie persönlich am wenigsten ertragen konnte und kann: „Ungerechtigkeit!” Und so wurde sie Rechtsanwältin mit einem besonderen Fokus auf Familienrecht und bekam so schon bald einen tiefen Einblick in die Gesellschaft mit all ihren Problemen. Deshalb, so Keul von der Kanzel der Nikolai-Kirche herunter, habe sie sich auch mit vollem Antrieb dem Kampf gegen Kinderarmut durch Einführung der Kinder-Grundsicherung gewidmet und freue sich umso mehr, als das Familienministerin Paus sich ebenso mit aller Kraft dafür einsetze. Dabei verschwieg Keul nicht, dass sie zur Frage der aufkeimenden Politik- und Demokratieverdrossenheit der Menschen selbst auch schon Momente der Verzweiflung hatte und Gedanken, sich einfach nur noch ihrer Familie zu widmen. Doch ihre Hoffnung und der Glaube an ihr Handeln sei immer wieder auch von kleinen Erfolgen gekrönt worden, die zum Weitermachen anspornten. Einen stattlichen Teil ihrer Bürgerpredigt widmete sie auch dem Thema Ukrainekrieg und der Haltung der Grünen, sich für die Unterstützung der Ukraine mit Waffen einzusetzen. Der Angriffskrieg sei eine klare Verletzung der UN-Charte von 1945, die mit dem hohen Preis von 60 Millionen Toten im zweiten Weltkrieg zustande kam. Als Abgeordnete hatte sie sich immer für eine restriktive Waffenpolitik Deutschlands eingesetzt, sehe es aber dennoch als Pflicht der Bundesrepublik an, Russland aufgrund seines Überschreitens der „Roten Linie” in seine Schranken zu weisen. „Wo Gewalt nicht entschieden entgegen getreten wird, bricht der Rechtsstaat zusammen”, so Keul. Sie glaube an die Fähigkeiten des vernunftbegabten Menschen. Doch dafür gebe es vermutlich ebensoviel Anzeichen wie an die jungfräuliche Empfängnis. Im Anschluss an den Gottesdienst gab es dann für die Besucher noch die Möglichkeit, sich mit der Bundestagsabgeordneten im Rahmen eines Sektempfangs vor der Kirche auszutauschen.
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