Während Wolfgang Westphal und seine musikalischen Mitstreiter diesmal die zweite Hälfte des weltberühmten Weihnachtsoratoriums aufführten, hatte Komponist und Dirigent Bach dem Premierenpublikum im Jahr 1734 selbstverständlich das komplette Werk präsentiert. Für viele Zuhörer wird es möglicherweise auch das einzige Mal gewesen sein, denn das Oratorium war an gleicher Stelle erst fünf Jahre später noch einmal zu hören.
Die komplette Veranstaltung soll der Überlieferung nach seinerzeit drei Stunden gedauert habe - von sieben bis zehn Uhr morgens. Dabei muss es in der umbeheizten Kirche im Winter wohl recht frisch gewesen sein. Allerdings dürften etliche der rund 2000 Konzertbesucher am frühen Morgen gleich zum Auftakt sowieso richtig wach geworden sein, da die erste Kantate mit vollem Ensemble und fast „molto con brio” daherkam.
Auch die Kantate Nummer vier, mit der Wolfgang Westphal, seine Solisten, der Schaumburger Oratorienchor, der Jugendchor der Evangelischen Singschule, das Schaumburger Kammerorchester sowie Trompeten, Pauken, Hörner, Oboen und Fagott vom Göttinger-Symphonie-Orchester loslegten, zählt zu den lebendigen Ensemblepartien - sodass spätestens nach den ersten 16 Takten auch das letzte Mittagsschläfchen beendet gewesen sein dürfte.
Anders als damals in Leipzig war es in der Rintelner Nikolai-Kirche auch angenehm warm - und schließlich muss das Publikum auch garantiert nicht fünf Jahre warten, bis es das grandiose Werk an gleicher Stelle erneut genießen darf.
Für den speziellen Genuss im Bereich Gesang sorgten diesmal unter anderem auch drei „Lokalmatadore”: Sebastian Brendel (Bariton), Ute Boczek und Sopranistin Sarah Davidovic aus Bückeburg zeigten professionelle solistische Qualitäten. Ein Kompliment gebührt aber auch den vielen Laienmusikern, die unter der Leitung von Wolfgang Westphal einmal mehr eine solide Vorstellung ablieferten. Foto: km