Wenn die Sommerhitze drückt, läuft der Rintelner Baubetriebshof auf Hochtouren. Mit bis zu
8.000 Litern Wasser am Tag, klugen Pflanzenkonzepten und zukunftsweisenden Ideen
kämpft die Stadt gegen die Trockenheit – und setzt dabei auf Nachhaltigkeit mit System.
Wenn die Temperaturen in Rinteln klettern und der Asphalt zu Flimmern beginnt, schlägt die Stunde des städtischen Baubetriebshofes. Unter der Leitung von Klaus-Ulrich Hartmann und in Abstimmung mit der Umweltschutzbeauftragten Josefine Wahl wird dann jede Hand und jeder Tropfen Wasser gebraucht, um Rintelns Bäume, Grünanlagen und Pflanzkübel gesund und vital zu halten. Die Herausforderung wächst mit jedem Sommertag, denn der Klimawandel stellt die kommunale Grünpflege vor immer neue Aufgaben. Wir fragten nach bei Hartmann und Wahl, vor welche Herausforderungen Kübelpflanzen & Co. den Bauhof stellen.
Pflanzkübel als verkehrsberuhigende Elemente
Allein 90 Pflanzkübel prägen das Stadtbild der Kernstadt sowie der Ortsteile und dienen meist als verkehrsberuhigende Elemente oder stadtverschönernde Dekoration, wie beispielsweise am Kirchplatz. Darunter befinden sich 40 Kübel mit robuster, dauerhafter Festbepflanzung aus Großsträuchern und Stauden, 30 Kübel voller bunter Sommerblumen sowie jeweils zwanzig dekorative Hanging Baskets und Pflanzstehlen. Sie alle wollen regelmäßig gepflegt und versorgt werden.
Faktencheck an heißen Tagen
Wir fragten nach bei der Stadt, wie viel Wasser die Pflanzen pro Tag so benötigen. Bis zu 8.000 Liter Wasser fließen täglich in die Bewässerung von Kübeln und den mehreren hundert Jungbäumen, die besonders in ihren ersten drei bis fünf Jahren intensive Hilfe benötigen. Während die Kübel mit rund 400 Litern auskommen, verschlingt das Durstvolumen der Bäume den Löwenanteil. Zwei speziell ausgerüstete Fahrzeuge sind dafür im Dauereinsatz. Dass dabei ausschließlich auf hochwertiges Leitungswasser zurückgegriffen wird, habe pragmatische und technische Gründe. Schmutz- und Schwebepartikel aus der Weser, Teichen oder natürlichen Brunnen könnten die sensiblen Düsen der Bewässerungsfahrzeuge sowie die wertvollen Bewässerungssäcke verstopfen und den reibungslosen Betrieb gefährden. Dennoch bleibe der ressourcenschonende Umgang ein zentrales Anliegen, so Bauhofleiter Klaus-Ulrich Hartmann und Josefine Wahl auf Presseanfrage. Der Baubetriebshof setze deshalb verstärkt auf trockenheitsresistente und standortgerechte Pflanzenarten, die längere Trockenphasen schadlos überstehen und deutlich weniger Wasser benötigten, ohne dass die städtische Ästhetik darunter leide.
Der Sportrasen hat kräftig Durst
Auch auf den Sportplätzen Rintelns zeigt sich ein hoher Wasserbedarf. Je nach Witterung schlagen pro Bewässerungsgang der Rasenflächen zwischen 110 und 150 Kubikmeter Wasser zu Buche. Eine intensive und durchdringende Bewässerung sei hier unerlässlich, um die Wurzelbildung der Gräser zu stärken und die Sportflächen dauerhaft belastbar zu halten. Um langfristig unabhängiger vom wertvollen Trinkwasser zu werden, blicke Rinteln entschlossen nach vorn, so die Stadt auf Nachfrage. Ein leuchtendes Beispiel sei das geplante Schwammstadtkonzept in der Bahnhofsallee. Mithilfe von Fördermitteln soll Regenwasser künftig genau dort festgehalten werden, wo es fällt. Schwammstadt funktioniert so: Überschüssiges Niederschlagswasser wird künftig über Grünflächen gezielt in unterirdische Baumrigolen geleitet. Diese mit speziellem Substrat gefüllten Wurzelräume fungieren dabei als natürlicher Schwamm, der das Wasser speichert und zeitverzögert an die Baumwurzeln abgibt. Das entlaste bei Starkregen die Kanalisation, fördere die Grundwasserneubildung und kühle das Stadtklima durch spürbare Verdunstung, so Hartmann und Wahl. Mit der geschickten Kombination aus klimaresistenter Pflanzenauswahl, bedarfsgerechter Bewässerung, dem innovativen Schwammprinzip und der perspektivischen Umstellung auf Regenwasser beweise Rinteln, dass ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Weitsicht Hand in Hand gehen können.