Die Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle wird bundesweit deutlich eingegrenzt. Mehrere Gebiete im Landkreis Schaumburg werden jedoch weiterhin betrachtet. Dazu zählen große Teile von Luhden und Buchholz, ein kleinerer Bereich von Heeßen sowie fast das gesamte Auetal. Auch Teile der Samtgemeinde Rodenberg, darunter Bereiche von Lauenau, der nördlichste, bergige Teil Rintelns sowie Flächen in Meerbeck und Stadthagen bleiben im Auswahlverfahren.
Nach dem veröffentlichten Arbeitsstand der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) stehen bundesweit noch weniger als fünf Prozent der Fläche im Fokus. Im Vorjahr waren es etwa 25 Prozent. Für die genannten Schaumburger Gebiete bedeutet die deutliche Verkleinerung des Suchraums zunächst jedoch keine Entwarnung: Sie gehören weiterhin zu den Flächen, die näher bewertet werden.
Tongestein-Gebiete ziehen sich durch die Region
Auf den Karten der BGE sind die weiterhin betrachteten Bereiche hellblau beziehungsweise türkis gekennzeichnet. In Schaumburg handelt es sich dabei um Tongestein-Gebiete. BGE-Geschäftsführerin Iris Graffunder sprach mit Blick auf Niedersachsen von einem „blauen Band“. Dessen Umrisse zeichneten sich in der Region bereits im vergangenen Jahr ab.
Über die Kreisgrenze hinaus bleiben auch der nördlichste, bergige Teil von Hessisch Oldendorf sowie Bereiche von Bad Münder im Blick. Dort nennt der Bericht Flächen bei Klein Süntel und Hachmühlen sowie Nienstedt. Noch gibt es kein abschließendes Urteil über die Eignung. Nach Einschätzung der BGE dürfte ein Großteil der bislang nicht eingeordneten Flächen eine gute oder sehr gute Eignung aufweisen. Einzelne Bereiche können bei weiteren Prüfungen aber auch als gering geeignet oder ungeeignet eingestuft werden und ausscheiden. Welche Bewertung die einzelnen Schaumburger Flächen erhalten, geht aus den veröffentlichten Berichten bislang nicht hervor.
Vorschläge für Standortregionen bis Ende 2027
Jetzt ist daher die Einordnung wichtig. Bis Ende 2027 will die BGE den Suchraum weiter verkleinern. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung untersucht nach ihrem jüngsten Arbeitsstand noch Flächen in 36 der ursprünglich 90 Teilgebiete weiter. Dann sollen nur noch wenige Standortregionen übrig bleiben, die das Unternehmen für eine tatsächliche Erkundung vorschlägt. Selbst eine Einstufung als sehr gut geeignet würde noch nicht bedeuten, dass in dem betreffenden Gebiet tatsächlich ein Endlager entsteht.
Die endgültige Entscheidung über den Standort trifft dann im Übrigen der Bundestag. Daher haben wir bei der Bundestagsabgeordneten für unseren Wahlkreis, Marja-Liisa Völlers, um eine Stellungnahme gebeten. Sie betont, die Situation sehr ernst zu nehmen. Es sei ein Grund, wachsam zu bleiben, aber noch lange kein Anlass, Alarm zu schlagen. „Ich sehe gerade mit Blick auf unsere dichte Besiedlung, die vorhandene Bebauung sowie unsere Natur- und Trinkwasserschutzgebiete hier in Schaumburg wichtige Fragen, die im weiteren Verfahren beantwortet werden müssen.”
Marja-Liisa Völlers, MdB, SPD:
Die Bürgerinnen und Bürger können sich darauf verlassen, dass ich den Prozess weiterhin aktiv und kritisch begleite. Ich stehe dazu auch mit den zuständigen Fachpolitikerinnen und Fachpolitikern im Bundestag im Austausch. Mein Anspruch ist, dass weiterhin alle drei möglichen Wirtsgesteine Teil der Analyse der BGE bleiben und wir möglichst früh Klarheit über die Bewertung unserer Region bekommen. Denn bei einer Entscheidung von solcher Tragweite sind Transparenz, wissenschaftliche Nachvollziehbarkeit und die Beteiligung der Menschen vor Ort unverzichtbar.
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Als möglichen Zeitraum für die Festlegung nannte die BGE-Chefin Graffunder die Mitte der 2040er-Jahre bis spätestens zur Mitte des Jahrhunderts für eine Entscheidung des Bundestags. Welche konkreten Untersuchungen bis dahin auch in den Gebieten im Landkreis Schaumburg durchgeführt werden, ist noch offen.
Weniger als fünf Prozent der Bundesfläche bleiben bei der Endlagersuche im Blick – und Teile Schaumburgs gehören dazu. Das ist kein Grund zur Panik. Aber es ist ein guter Grund, jetzt genau hinzusehen. Wer die Menschen jetzt mit dem Hinweis beruhigen will, eine Entscheidung sei schließlich noch Jahrzehnte entfernt, macht es sich zu leicht. Vertrauen muss wachsen, lange bevor ein möglicher Standort feststeht.
Schaumburg kennt die Unruhe, die große Planungen auslösen. Die Auseinandersetzung um die ICE-Trasse hat Menschen mobilisiert. Zahlreiche Aktive haben Zeit und Kraft investiert, um gegen eine neue Strecke zu kämpfen. Nun steht mit der Endlagersuche ein weiteres Thema im Raum, das Sorgen um Heimat, Landschaft und die Zukunft der Region weckt. Dabei ist die Bahnplanung keineswegs überall schon Vergangenheit: Auch bei Bückeburg stehen weiterhin mögliche Auswirkungen der geplanten Strecke zur Debatte. Natürlich ist ein Endlager keine Bahntrasse. Beide Vorhaben lassen sich weder technisch noch in ihren Risiken gleichsetzen.
Doch die politische Aufgabe ähnelt sich: Menschen müssen nachvollziehen können, warum ihre Region betroffen ist, welche Alternativen geprüft werden und welchen Einfluss ihre Einwände tatsächlich haben. Eine bunte Karte allein beantwortet diese Fragen nicht.
Wie wichtig ein glaubwürdiges Verfahren ist, zeigt die Geschichte der Endlagersuche. 2013 trat das Standortauswahlgesetz erstmals in Kraft. 2017 wurde es grundlegend überarbeitet; die Suche begann mit dem Anspruch einer „weißen Landkarte“, ohne eine Region von vornherein auszunehmen. Am 28. September 2020 veröffentlichte die BGE ihren Zwischenbericht mit den weiter zu betrachtenden Teilgebieten. Im selben Schritt schied der jahrzehntelang umstrittene Salzstock Gorleben aus dem Verfahren aus. Diese Daten stehen für das Versprechen, die Suche wissenschaftsbasiert, transparent und mit Beteiligung der Öffentlichkeit zu führen. Daran müssen sich die Verantwortlichen messen lassen.
Für Schaumburg heißt das: Die BGE muss verständlich erklären, weshalb die hiesigen Tongestein-Gebiete weiter betrachtet werden. Welche Erkenntnisse liegen vor? Wo fehlen Daten? Welche Untersuchungen könnten folgen? Und wann erfahren wir als hier Betroffene mehr? Der Satz, „es sei noch nichts entschieden”, ist richtig. Als Antwort reicht er nicht.
Auch mögliche wirtschaftliche Chancen sollten nicht die erste Botschaft an eine verunsicherte Region sein. Der hochradioaktive Abfall ist da. Ihn dauerhaft sicher unterzubringen, ist eine gemeinsame Verantwortung. Daraus folgt aber kein Anspruch auf widerspruchslose Zustimmung. Gerade weil diese Aufgabe so groß ist, braucht es Transparenz – frühzeitig, verständlich und auch dann, wenn Antworten unbequem sind. Schaumburg darf nicht erst dann umfassend ins Gespräch kommen, wenn aus farbigen Flächen konkrete Pläne geworden sind. Ein reflexhaftes „Überall, nur nicht bei uns“ löst das Problem ebenso wenig wie beschwichtigendes Schweigen.
| Suchraum | Was dort nach aktuellem Stand weiter untersucht wird | Einordnung |
|---|---|---|
| Niedersachsen: Gürtel zwischen Osnabrück, Hannover und Braunschweig | Flächen in drei großen Tongesteinsformationen auch in Schaumburg; Ausläufer reichen bis in die NRW-Kreise Steinfurt und Minden-Lübbecke. | Einer der geografischen Schwerpunkte der verbleibenden Suche. Das bedeutet nicht, dass der gesamte Gürtel geeignet wäre. |
| Niedersachsen: einzelne Salzstöcke | Unter anderem Eitzendorf, Taaken-Scheeßel, Stemmen-Otter, Wettenbostel-Ebstorf, Rosenthal, Niendorf-Wieren-Bodenteich, Vorhop, Wittingen, Meissendorf-Wolthausen, Kamperfehn-Zwischenahn und Wahn. | Konkrete weiterhin geprüfte Salzformationen; untereinander lässt sich aus der Veröffentlichung keine Rangfolge ableiten. |
| Harz und südliches Niedersachsen | Zwei Gebiete im kristallinen Gestein des Harzes sowie Steinsalz im Solling-Becken. | Neben Ton und Salzstöcken bleiben damit auch kristallines Gestein und flach gelagertes Salz in der Auswahl. |
| Sachsen-Anhalt | Unter anderem Bereiche in der Altmark und im Harz sowie zwischen Halle und Sangerhausen. Auch Flächen bei Jessen und Zahna-Elster werden weiter betrachtet. | Ein weiterer Schwerpunkt der Suche. Nach dem MDR-Bericht kommen im Land vor allem Salzformationen und Granitgestein weiterhin infrage. |
| Thüringer Becken, Landkreis Sömmerda | Ein Gebiet mit Steinsalz im Untergrund. | Weiterhin im Blick; die Bewertung ist dem aktuellen Bericht zufolge noch nicht abgeschlossen. |
| Schleswig-Holstein, Süd-Brandenburg, westliches Baden-Württemberg und östliches Bayern | Einzelne verbliebene Suchräume. | Diese Regionen gehören ebenfalls zur weiteren Prüfung; aus der bundesweiten Zusammenfassung ergibt sich aber keine Vorrangstellung gegenüber den norddeutschen Gebieten. |
Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) untersucht nach ihrem jüngsten Arbeitsstand noch Flächen in 36 der ursprünglich 90 Teilgebiete weiter. Zusammen umfassen die weiter betrachteten Flächen weniger als fünf Prozent Deutschlands. Der entscheidende Unterschied lautet: Weiterprüfung ist noch keine Spitzenbewertung. Im aktuellen Navigator zur Endlagersuche (navigator.bge.de) werden die weiter bearbeiteten Flächen türkis dargestellt. Auch diese Flächen will die BGE bis Ende 2027 noch deutlich eingrenzen. Erst dann sollen etwa fünf bis zehn Standortregionen für die übertägige Erkundung vorgeschlagen werden.