AWS baut Struktur für Altkleidersammlung auf | Schaumburger Wochenblatt

AWS baut Struktur für Altkleidersammlung auf

Fast Fashion, steigende Entsorgungskosten und illegale Müllablagerungen setzen die Altkleidersammlung zunehmend unter Druck. Während sich private und karitative Sammler teilweise aus der Sammlung zurückziehen, baut die Abfallwirtschaftsgesellschaft Schaumburg (AWS) mit eigenen Alttextilcontainern neue Strukturen im Landkreis Schaumburg auf.
„Immer wieder erreichen die AWS Fragen zur Entsorgung von Altkleidern und Alttextilien“, so die AWS in einer Pressemeldung. Insbesondere das reduzierte Angebot an Sammelcontainern sorge für Nachfragen und Unverständnis. Die Situation bei der Sammlung und Verwertung habe sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Private gewerbliche Sammler, aber auch karitative Organisationen reduzieren Standorte oder ziehen sich aus der Sammlung zurück, da die klassische Altkleidersammlung unter den heutigen Marktbedingungen kaum noch wirtschaftlich betrieben werden kann.

Warum der Alttextilmarkt unter Druck steht

Eine wesentliche Ursache für die schwierige Marktlage sei die Entwicklung hin zu immer größeren Mengen schnell und günstig produzierter Kleidung. Aufgrund ihrer geringeren Haltbarkeit sind die Textilien schlechter für den Secondhand-Markt geeignet. Gleichzeitig ist der Absatz gebrauchsfähiger Kleidung auf den internationalen Märkten für professionelle Sortierbetriebe schwieriger geworden. Große Mengen extrem günstiger Neuware aus China haben die Nachfrage nach gebrauchter Kleidung aus Europa deutlich verringert.
Hinzu kommen steigende Kosten für Sammlung, Transport, Sortierung und Entsorgung sowie eine schlechtere Qualität des Sammelguts. In den Containern finden sich zunehmend Restmüll, nasse oder verschimmelte Stoffe und Hausabfälle. Dies führt dazu, dass inzwischen ein nennenswerter Anteil der Containerinhalte kostenpflichtig als Restmüll entsorgt werden muss. Illegale Restmüllablagerungen an und in den Containern verursachen erheblichen Reinigungs-, Sortier- und Entsorgungsaufwand und verschärfen die Situation zusätzlich.

AWS baut eigenes Sammelsystem auf

Die AWS reagiere nun auf die veränderte Situation: Neben der bestehenden Möglichkeit der kostenlosen Abgabe an allen Recyclinghöfen baue die AWS schrittweise eine ergänzende eigene Alttextil-Sammelstruktur auf. Hierfür würden eigens Alttextilcontainer angeschafft. Erste Container seien bereits an verschiedenen Standorten aufgestellt, weitere würden Schritt für Schritt folgen. Eine Übersicht der AWS-Containerstandorte ist auf der Internetseite der AWS zu finden.

Was gehört in den Alttextilcontainer?

In die Alttextilcontainer gehören insbesondere saubere, trockene, gebrauchsfähige Haushaltstextilien, tragbare Kleidung und Schuhe. Die Textilien müssen in verschlossenen Säcken in den Container gegeben werden (Schuhe paarweise!), damit sie trocken und sauber bleiben. Stark verschmutzte, nasse, verschimmelte oder kontaminierte Textilien gehören ebenso wie stark zerschlissene und nicht mehr brauchbare Schuhe in den Restmüll. Auch Putzlappen oder zerrissene Bettwäsche gehören nicht in den Alttextilcontainer, wenn sie nicht mehr verwertbar sind.

Weitere Möglichkeiten zur Weitergabe

Gut erhaltene und saubere Kleidung sowie Schuhe können zudem direkt an Vereine und gemeinnützige Organisationen abgegeben werden. Dazu gehören beispielsweise die AWO-Kleiderkammern in Rodenberg und Lindhorst, der Umsonstladen Bad Nenndorf sowie Kleiderspendenangebote des Deutschen Roten Kreuzes im Landkreis Schaumburg.
Mit dem Aufbau des eigenen Sammelsystems schafft die aws eine zusätzliche Infrastruktur, die unabhängig vom zunehmenden Rückzug einzelner privater oder karitativer Sammler weiterentwickelt werden kann. Damit dieses System dauerhaft funktioniert, ist die richtige Nutzung entscheidend. Je sauberer und geeigneter das Sammelgut und die Containerplätze sind und je geringer die Zahl der Fehlwürfe und illegalen Ablagerungen, desto besser sind die Voraussetzungen für eine Wiederverwendung und Verwertung der gesammelten Textilien.


Bastian Borchers
Bastian Borchers
Redakteur Schaumburger Wochenblatt
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