Das Museum Obernkirchen richtet mit einer Büste den Blick auf die italienischen Arbeiter, die einst im örtlichen Steinbruch arbeiteten. Der Schaumburg-Lippische Heimatverein stellte die einst vom Italiener A. Fontana gearbeitete Büste dem Museum zur Verfügung.
Museumsleiterin Sybille Schlusche hat sie als einen echten Hingucker platziert: Eine bronzefarbene Büste aus dem Jahr 1937. Sie steht, von einem Scheinwerfer beleuchtet, in der Mitte des ersten Raumes im Museum für Bergbau und Stadtgeschichte, in dem die Geschichte des berühmten Sandsteins vom Bückeberg präsentiert wird.
Angefertigt wurde das Kunstwerk von dem Italiener A. Fontana. Er modellierte den sechsjährigen Gastwirtssohn Fritz Walter, der dafür geduldig posierte. Der Vorsitzende des Schaumburg-Lippischen Heimatvereins Stephan Walter übergab die Büste seines Vaters nun dem Museum. Sybille Schlusche möchte mit diesem Ausstellungsstück an die Arbeiter im Steinbruch aus Italien erinnern, die seit der vorletzten Jahrhundertwende auf dem Bückeberg tätig waren, wie der Heimatverein in einer Pressemitteilung festhält.
Fachleute aus Italien
Damals hatte sich das Geschäft mit dem Stein erheblich ausgeweitet: Jährlich wurden im Durchschnitt der Jahre 1888 bis 1905 rund 10.000 Kubikmeter Steine gebrochen. „Auf dem Bückeberg wurden zu dieser Zeit 40 Arbeiter aus Italien für den Sommer eingestellt, weil die Einheimischen lieber im Bergbau oder in der Glasindustrie arbeiteten, als ihre Gesundheit in den Steinbrüchen zu ruinieren“, weiß Sybille Schlusche zu berichten. Außerdem erschienen deutsche Arbeiter, die häufig über eigenes Land verfügten, während der landwirtschaftlichen Saisonarbeiten nicht zur Arbeit in den Steinbrüchen.
Die Italiener waren zumeist erfahrene Leute aus der Provinz Friaul, oft genug auch in den Feinarbeiten beim Umgang mit dem Stein geübt. Sie waren zunächst in einem Gebäude im Steinbruch untergebracht. Darin befand sich auch eine Schmiede. In den 1930er Jahren wurde die „Italienerbaracke“ nahe der Werkarbeitersiedlung errichtet. Sie wurde von dem legendären „Onkel Karl” Jaworski geleitet und wird heute noch vom JBF-Centrum genutzt.
Arbeitskräfte aus Italien kamen mit Unterbrechung in der Kriegs- und Nachkriegszeit bis Ende der 1960er Jahre auf den Bückeberg. „Die Menschen, die in den Sandsteinbrüchen gearbeitet haben, waren hier oben eine große Familie“, so erzählte der Italiener Nicola Sittaro, der auf dem Berg nicht nur arbeitete, sondern auch eine Familie gründete.