Felix Wells ist der verkehrspolitische Sprecher des ADFC Schaumburg und in einem Interview mit dem Schaumburger Wochenblatt bezieht er Stellung zu den Planvarianten der Radverkehrsführung auf der Weserbrücke, dem Nadelöhr des Rintelner Radverkehrs, und auf der Bahnhofstraße. Wobei Wells auch betont, dass die Meinung des ADFC nur eine von mehreren sei und am Ende die Politik darüber entscheiden müsse, wie der Radverkehr künftig geführt werde. Sein vorweggenommenes Fazit: Der Radverkehr muss auf die Straße! Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) ist Deutschlands größte Interessenvertretung für Radfahrende, die sich für eine konsequente Verkehrswende einsetzt. Er lobbyiert für bessere Radinfrastruktur, bietet Pannenhilfe, Versicherungen und touristische Infos an und engagiert sich für verkehrspolitische Änderungen.
Was geht aus Sicht des ADFC nicht?
Starten wir mal mit dem, was Wells aus Sicht des ADFC als nicht akzeptabel ansieht. Politisch diskutierte Lösungsansätze wie „Alles so beibehalten wie es ist“ oder „Radfahrer absteigen und schieben“ (im Brückenbereich) seien weder zielführend noch akzeptabel (Anm. d. Red.: Es käme wohl auch niemand auf die Idee, Autofahrern auf der Brücke vorzuschlagen, dass sie aussteigen und schieben sollten). Auch eine eigene Radverkehrsbrücke sieht Wells aus Gründen der schwierigen Anbindung und der Kosten als wenig hilfreich an. Die in letzten Zeit immer wieder diskutierte Lösung, Fußgänger und Radfahrer zu trennen auf jeweils eine Brückenseite, sieht Wells in der Praxis als wenig zielführend. Zu groß sei das Gesamtaufkommen, zu bedeutend die Verbindungsfunktion der Brücke und zu verflochten die Wegebeziehungen. Für einen Zweirichtungsverkehr der Radfahrenden sei zudem der verfügbare Raum zu schmal. Außerdem stehe auch die Verwaltungsvorschrift zur StVO dem entgegen. Dort heißt es: „Die Benutzung von in Fahrtrichtung links angelegten Radwegen in Gegenrichtung ist insbesondere innerhalb geschlossener Ortschaften mit besonderen Gefahren verbunden und soll deshalb grundsätzlich nicht angeordnet werden.“ Rinteln hat solche links liegenden Radwege, beispielsweise an der Hartler Straße. An der Einmündung der Straße „Auf der Kunterschaft“ kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen zwischen Fahrzeugführern und Radfahrenden.
Wie könnte es laufen?
Die aus Sicht von Wells einzige praktikable Lösung sei ein Verfahren gemäß einer Variante des Radverkehrskonzeptes, die so auch vom Rat beschlossen sei. Die Radwegebenutzungspflicht sollte aufgehoben werden, Radfahrende sollten auf der Weserbrücke auf der Straße fahren, Fahrradpiktogramme sollten auf die Fahrbahn aufgebracht werden, eine Tempobeschränkung auf 30 km/h, ein Überholverbot für einspurige Fahrzeuge (u.a. Fahrräder) sollte ausgewiesen werden und das alles könne mit einer durchgezogenen Mittellinie ergänzt werden. Radfahrer hätten dann bei zusätzlicher Freigabe der Nebenanlagen (Gehweg der Brücke) die Wahl zwischen Straße und Gehweg (dort dann Schrittgeschwindigkeit). Dies würde die Nebenanlagen entlasten, die Sicherheit der Fußgänger erhöhen und dem Radverkehr insgesamt eine konfliktärmere und zügigere Befahrung der Nord-Süd-Strecke ermöglichen. Allerdings sieht Wells im Bereich der Bahnhofstraße zwischen Konrad-Adenauer-Straße und Große Tonkuhle aufgrund der Verkehrsdichte die Beibehaltung eines nicht nutzungspflichtigen Radweges als Ausweichmöglichkeit als notwendig an. Auch eine ergänzende Gestaltung der Knotenpunkte im weiteren Verlauf der Bahnhofstraße als Kreisverkehre bei Rückbau der Ampelanlagen begrüßt Wells aus ADFC Sicht. Dabei handelt es sich um die Einmündungsbereiche der Dankerser Straße und weiter Richtung Norden die derzeitige Ampelanlage an der Konrad-Adenauer-Straße. Seine Empfehlung an den Arbeitskreis Radverkehr der Stadt Rinteln: Diese Variante weiter ausarbeiten und zeitnah Fördermittel beantragen!